Zeitung Heute : Die Löwen werden immer stärker

Der französische Automobilhersteller Peugeot wächst, obwohl der Automarkt schrumpft. In Berlin und Brandenburg sind neue Niederlassungen geplant

Ingo von Dahlern

Unter Kennern genießen sie höchste Achtung – Pfeffermühlen von Peugeot. Das ist keine zufällige Namensgleichheit mit der französischen Automarke im Zeichen des Löwens. Auch das ist Peugeot. Das Unternehmen baut zwar seit 114 Jahren Autos und hat vor wenigen Monaten den vierzigmillionsten Peugeot gefeiert. Doch das Unternehmen ist viel älter. Und bevor das Markenzeichen Autos zierte, schmückte es Nähmaschinen, Radios, landwirtschaftliche Maschinen. Noch heute tragen es motorisierte Zweiräder, Fahrräder und eben Pfeffermühlen.

Schwerpunkt der Peugeot-Aktivitäten sind allerdings die Autos. Und hier feiert das Unternehmen Jahr für Jahr neue Produktions- und Verkaufsrekorde. Der Konzern PSA, zu dem neben Peugeot Citroën gehört, hat 2002 weltweit knapp 3,27 Millionen Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft. Von den knapp 1,96 Millionen Fahrzeugen, die Peugeot 2002 verkaufte, fanden 1,46 Millionen Käufer in Westeuropa. Hier hat die Marke mit dem Löwen einen Marktanteil von 8,9 Prozent erreicht. Und besonders erfolgreich ist man in Deutschland, wo die Verkaufszahlen seit sechs Jahren kontinuierlich wachsen. Ein Erfolg gegen den Trend: Während der deutsche Markt 2002 um 2,8 Prozent schrumpfte, legte Peugeot hier acht Prozent zu. Die Firma verkaufte 104432 Autos mit dem Löwen und erreichte einen Marktanteil von 3,34 Prozent – den höchsten, den Peugeot je in Deutschland hatte.

Aber man will noch höher hinaus. Das Projekt heißt „Heute 2005“, wurde 1997 vom damaligen Peugeot-Deutschland-Chef Jean-Jaques Couderchet initiiert und wird seit 2001 von Olivier Veyrier fortgeführt. Zur Zukunftssicherung der Marke auf dem deutschen Markt sollen in drei Jahren in Deutschland rund 170000 Peugeot verkauft werden, und der Marktanteil auf 4,6 Prozent steigen. Ein sehr ehrgeiziges Programm, dessen wichtigster Baustein eine grundlegend neue Struktur des deutschen Verkaufsnetzes ist. Das Händlernetz wird auf rund 250 Neuwagenhändler gestrafft an rund 700 Standorten und in 16 Ballungszentren. Dort übernimmt Peugeot mit Niederlassungen Verkauf und Service in eigener Regie. Das werden bis 2005 rund 120 Betriebe mit rund 2000 Mitarbeitern sein.

Zwölf davon werden innerhalb des Autobahnrings um die deutsche Hauptstadt zur Berliner Niederlassung Peugeot Berlin-Brandenburg gehören. Diese wird rund 350 Mitarbeiter zählen. Die Niederlassung wurde 2000 neu gegründet und konnte als eines der besonders schnell wachsenden Unternehmen der Hauptstadt soeben ihren achten Betrieb einweihen – in Potsdams Ulmenstraße 6. Es ist zugleich der erste Auftritt von Peugeot im weltweit einheitlichen neuen BlueBox-Image. Geprägt sind diese durch die Grundfarbe Blau, einfache Quaderformen der Bauten und den großzügigen Einsatz von Glas. Nach der Premiere in Lissabon wurde er in Deutschland Ende 2002 erstmals im saarländischen Homburg verwirklicht.

Nun bestimmt das neue Design auch den ersten Betrieb von Peugeot Berlin-Brandenburg. Dort liegen drei Sparten unter einem Dach, die sich farblich und durch die Einrichtung unterscheiden. Der Neuwagenbereich mit neu gestalteter Zubehörboutique zeigt sich besonders freundlich und einladend in blauer Farbe mit dem Chromlöwen als Markenemblem. Der Dienstleistungs- und Kundendienstbereich ist am Metallgrau mit dem gelben Dreieck erkennbar. Und der Gebrauchtwagenbereich präsentiert sich mit weißem Farbcode und dem Symbol des blauen Kreises. Alles zielt darauf ab, die Wünsche der Kunden optimal zu erfüllen.

Hierbei spielt der Service, wie Filialleiter Berthold Weiß und sein Vertriebsleiter Jens Enge von Peugeot Berlin-Brandenburg betonen, eine herausragende Rolle. Das gilt sowohl für das Bild des Unternehmens bei den Kunden als auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Bei einem Anteil von 14 Prozent am Gesamtumsatz des Unternehmens tragen Teile und Service mit 28 Prozent zum Ertrag des Unternehmens bei, dessen Werkstätten derzeit so gut ausgelastet sind, dass Kunden Wartezeiten für Werkstattermine in Kauf nehmen müssen. Mit einer Ausnahme: dem modernen Rapid-Service, wie ihn die Betriebe in Charlottenburg und Potsdam anbieten, bei dem man für kleinere Service- und Reparaturarbeiten ohne Anmeldung vorfährt und sofort zu Festpreisen bedient wird.

Noch in diesem Jahr wird die Berliner Niederlassung von Peugeot zwei weitere Betriebe eröffnen: einen in Reinickendorf und ein neues Gebrauchtwagenzentrum in Marzahn. Dort wird man ebenfalls einen Rapid-Service anbieten. Das ist einer von den spezialisierten Betrieben der Niederlassung, die zum Beispiel in Weißensee ihr Nutzfahrzeug-Zentrum für den gesamten Niederlassungsbereich eingerichtet hat und dort auch ihre Karosserie-Reparaturen konzentriert. Die dazugehörigen Lackarbeiten werden übrigens nach außen vergeben, was angesichts vieler leistungsfähiger Lackierereien in Berlin wirtschaftlicher ist als eine eigene Lackiererei zu betreiben.

Wenn sich das Wachstum von Peugeot Berlin-Brandenburg fortsetzt wie geplant, rechnet man damit, in diesem Jahr einen Umsatz von 92 Millionen Euro zu verwirklichen und rund 4000 Neufahrzeuge sowie rund 2000 Gebrauchte zu verkaufen. Das Fernziel für 2005 sind mit 5000 bis 6000 Neuwagen fünf bis sechs Prozent Marktanteil in Berlin neben 4000 Gebrauchten. Doch zuvor muss der Ausbau des mit vier Betrieben und rund 65 Mitarbeitern gegründeten Unternehmens auf zwölf Betriebe mit rund 350 Mitarbeitern abgeschlossen sein, davon rund ein Zehntel Auszubildende.

Ziele, die von der Niederlassung Berlin mit ihren dann durchweg hoch modernen Betrieben mit gut geschulter, hoch motivierter und kompetenter Mannschaft allerdings nur dann erreicht werden können, wenn das Unternehmen auch die entsprechenden Produkte anbietet. Und hier ist man bei Peugeot bestens aufgestellt. Denn mit dem kompakten Peugeot 206 bietet man nicht nur die Nummer eins unter den zehn meist gebauten Autos in Europa an, sondern auch das beliebteste Importfahrzeug auf dem deutschen Markt. Hier fand er 2002 immerhin 55 216 Käufer, wobei sich 17 924 für den 206 CC entschieden. Das ist ein Cabrio-Coupé mit variablem Dach aus Metall, das derzeit Deutschlands beliebtestes Cabrio. In Berlin machte der 206 im letzten Jahr 53 Prozent der Neuwagenverkäufe aus.

Ebenfalls ein Bestseller ist der eine Klasse höher angesiedelte Peugeot 307. Dieser hat sich im vergangenen Jahr 34 736 Mal verkauft. Er ist vor allem als Kombi und als Modell „SW“ mit gläsernem Panoramadach begehrt, und war in Berlin mit 28 Prozent dabei. Mit dem 307 CC, einem viersitzigen Cabrio mit Variodach – das übrigens eine Erfindung von Peugeot aus den Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts ist – wird das Angebot noch in diesem Jahr erweitert. Mit der modernen Großraumlimousine 807 sowie dem soeben erst überarbeiteten preiswerten und vielseitigen Partner hat Peugeot zwei weitere Trümpfe in seinem Programm, das bis Ende 2005 komplett erneuert sein wird.

Das gleiche gilt auch für die dann zwölf Betriebe der Niederlassung Peugeot Berlin-Brandenburg. Deren Aktivitäten erhalten schließlich einen ganz besonderen Akzent durch die Peugeot Avenue Berlin. Es ist die Markenrepräsentanz Unter den Linden, in der das Unternehmen sich in attraktiven Ausstellungsräumen präsentiert: Dort wird es mehrmals im Jahr wechselnde Ausstellungen geben, die mondäne Eleganz des Café de France sowie die technisch perfekten Tagungsräume bringen französische Lebensart an die Spree.

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