Die Manager : Und nun zur Moral

Der Postchef Klaus Zumwinkel ist einer von denen, die Millionen verdienen und denen es doch nie reicht. Ein Zeichen für den Zustand Deutschlands. Moritz Döbler kommentiert.

Jetzt hat es mal einen von denen da oben getroffen. Einen von denen, die Millionen verdienen und doch nicht genug kriegen können. Einen von den Schrempps, Kleinfelds und wie sie alle heißen: die von Moral reden und doch nur Shareholder Value kennen, weil sie selbst gnadenlos Kasse machen.

Klaus Zumwinkel war einer der mächtigsten Männer in Deutschland, und er gilt jetzt als entlarvt. Vor laufenden Fernsehkameras wurde er mit einer Polizeieskorte weggefahren. Für viele braucht es nicht mehr Beweise, erst recht nicht in der polarisierten Gesellschaft, wie sie sich drei Jahre nach der Einführung von Hartz IV zeigt. Deutschland hat es schlecht verkraftet, dass die Unternehmensgewinne – und mit ihnen die Managergehälter – explodiert sind. Die Einkommen der Durchschnittsverdiener stagnieren, und Garnichtsverdiener müssen sich vorrechnen lassen, ob sie eine oder zwei Scheiben Bierschinken zum Abendbrot essen dürfen.

In diesem Klima ist ein Urteil schnell gefällt, für das die Gerichte Jahre brauchen und zu dem sie vielleicht auch gar nicht kommen. Denn am Ende mag die Einstellung des Verfahrens oder gar ein Freispruch stehen. Das Steuerrecht ist schließlich kompliziert, und Angeklagte dieser Preisklasse wehren sich mit Hilfe der besten und teuersten Anwälte.

Es kann und soll hier nicht um die Schuld von Klaus Zumwinkel gehen. Ob der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, der schon von Hause aus ein reicher Mann ist, Millionen illegal nach Liechtenstein geschleust hat, muss vorerst offen bleiben. Aber dass er nicht über jeden Zweifel erhaben ist, ist schlimm genug. Gerade jetzt braucht es verantwortliche Manager, die geschäftlich und privat ohne Fehl und Tadel sind. Das ist das Mindeste, was man für die horrenden Gehaltssummen erwarten kann.

Gerade jetzt aber zeigt sich das krasse Gegenteil. Da muss der klamme Staat Banken retten, deren Führung versagt hat. Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert, und die verantwortlichen Manager müssen nicht mehr fürchten, als dass ihre lukrativen Karrieren pausieren. Es ist etwas faul im Staate Deutschland. Trotz aller Corporate-Governance-Kodices hat sich eine Art moderner Feudalismus etabliert, der das Gemeinwesen beschädigt.

In die Runde der Millionenverdiener wird man nicht geboren, aber man wird berufen und bleibt unter sich. Vorstandsposten und Aufsichtsratsmandate werden ausgekungelt und angehäuft. So sitzt im Kontrollgremium der Post KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier, der in diesen Tagen das eigene Haus um die Ohren fliegt. Und so übernimmt Post-Vorstand Frank Appel wohl früher oder später die Geschäfte von Zumwinkel – der Mann wurde schon lange als Nachfolger in Stellung gebracht.

Nun mag das Shareholder-Value-System unterm Strich im materiellen Sinne äußerst erfolgreich sein. Doch seine Basis ist der deutsche Sonderweg der Tarifpartnerschaft. Die Manager merken vermutlich nicht einmal, dass sie mit ihrem Fehlverhalten den gesellschaftlichen Konsens gefährden, den sie auch in Zukunft brauchen. Es ist Zeit für das große Reinemachen. Es braucht mehr Transparenz des Systems, vor allem aber mehr Moral, mehr Glaubwürdigkeit der Einzelnen. Wie das gehen kann, zeigen die Beispiele von Peter Löscher bei Siemens oder Hans-Jörg Vetter bei der Landesbank Berlin. Hart sanieren, aber mit Anstand – denn da oben, da sind die Verpflichtungen hoch.

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