Zeitung Heute : Die „Max“-Reporter haben Angst und Schrecken verbreitet

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Betrifft: „Reporter wollten Kontrollen testen“ vom 12. Mai 2002

Sie berichten, der „Max“-Chefredakteur Hajo Schumacher habe bestätigt, dass die Journalisten im Auftrag der Zeitschrift unterwegs waren, und behauptet: „Wir wollen auch nicht Angst und Schrecken verbreiten“. Als direkt Betroffener möchte ich von einer der Auswirkungen dieser Aktion berichten.

Meine Tochter hatte am Abend der Aktion anlässlich der Taufe ihres ersten Kindes im Dachgartenrestaurant des Reichstags ein Essen für die Familie und Freunde arrangiert. Meine 87-jährige Mutter ist trotz ihrer starken Gehbehinderung und der intensiven Pflegebedürftigkeit meines 93-jährigen Vaters den weiten Weg von Kapstadt nach Berlin gekommen, um an der Feier teilzunehmen. Insgesamt waren neben dem Täufling 24 Erwachsene und 11 Kinder im Dachgartenrestaurant zur Tauffeier versammelt.

Nach der Vorspeise war die Festgesellschaft in fröhlicher Stimmung, als plötzlich die Polizei erschien und die sofortige Räumung des Restaurants anordnete. Trotz des behutsamen Vorgehens der Beamten hat diese Aktion bei Menschen, die sich der Sicherheitslage in der Welt bewusst sind und täglich von unerträglichen Ereignissen in anderen Ländern unterrichtet werden, Angst und Schrecken ausgelöst. Ganz besonders waren die älteren Menschen betroffen, die sich nicht aus eigener Kraft schnell aus der Gefahrenzone entfernen konnten. Wer diese bangen Minuten der Räumung des Restaurants im Bewusstsein der Bilder von Verwüstungen nach Anschlägen auf Restaurants in der Welt miterlebt hat, der kann die Behauptung des Chefredakteurs Schumacher „wir wollen auch nicht Angst und Schrecken verbreiten“ nur als gefühllos, wirklichkeitsfremd und den eigenen Interessen dienend beurteilen. Die Folgen der Aktivitäten der Journalisten in der Toilette des Restaurants waren vorhersehbar und wurden daher vermutlich billigend in Kauf genommen. Ich kann nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft dafür Sorge tragen wird, dass die Möglichkeiten zur strafrechtlichen Verfolgung dieser Handlungen der Festgenommenen und ihrer Anstifter ausgeschöpft werden.

Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Peter Jan Pahl

Berlin-Nikolassee

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