Zeitung Heute : Die Messe gesungen

Der Tagesspiegel

Im „hillije Kölle“ war immer schon vieles unselig, das muss man wissen. Aber so lange sich der Dom noch aus dem Sumpf erhebt . . . Kardinal Meisner wird der Sündenpfuhl auch nicht weiter schrecken; er war vorher in Berlin. Der Schatten der Kathedrale ist allemal größer als der jeder Affäre. Da herrscht seit Jahrhunderten Düsternis. Selbst heute riecht es verbrannt – allerdings nach Reibekuchen, so rot ist der Rost. Womit wir leider Gottes bei der SPD wären. Die ist in Köln neben der katholischen Kirche ewig herrschende Kraft gewesen, mit Parteitagen, auf denen manchem die Messe gesungen wurde. Weiland sogar Kanzlern. Wer in Köln das Sagen hatte, musste sich nicht beliebt machen; nur wer von Nutzen war, der blieb. Das soll sich ändern? Die kölsche Weisheit gilt: „Mer blieeve, wie mer sin.“ So ist zu verstehen, dass der junge SPD-Chef – Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Köln-Vingst – sagt: Aus Kirche und Partei sollte niemand ausgeschlossen werden. Ja, Sünde und Vergebung gibt es nach der Beichte. Und wenn Marx jetzt Bischof in Trier ist, werden die armen Sozialdemokraten in der reichsten Erzdiözese der Welt doch ein paar Mark sparen dürfen. Demnächst wird aber das Parteilied geändert: „Wir sind alle kleine Sünderlein, s’ war immer so.“ Selig ist, wer nicht vergisst, dass hier nichts mehr zu ändern ist. Kölle – alaaf! cas

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