Zeitung Heute : Die Milchstraßengruppe will eine neue Wirtschaftzeitung starten

Die Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße will Ende Januar 2000 eine neue Wirtschaftszeitung "Net Business" starten. Das Blatt, das auf Zeitungspapier gedruckt wird, soll zunächst alle 14 Tage montags erscheinen. Es berichtet über wirtschaftsrelevante Themen im und um das Internet - über Internet-Firmen sowie neue Chancen traditioneller Branchen im weltweiten Netz. Dies sagte der Redaktionsleiter, Klaus Madzia. "Wir wollen das Trüffelschwein für das Internet-Zeitalter sein."

Im Gegensatz zu den bilderreichen Hochglanz-Magazinen aus dem Milchstraßen-Verlag präsentiert sich das neue fast 90 Seiten starke Blatt in seriösem, klaren und übersichtlichem Layout. "Net Business" ist in die Ressorts Aktuell, Unternehmen, Finanzen, Medien, Agenturen, Jobs und Entertainment unterteilt. Aktientipps werde es nicht geben. "Das ist unseriös", meinte Madzia. Vielmehr bringe die journalistische Analyse börsennotierter Unternehmen, wie sie in dem Blatt erfolgen soll, bereits "sehr großen Nutzwert".

Das neue Wirtschaftsblatt wurde in nur zwölf Wochen von Madzia, der vom "Spiegel" kommt und vier Jahre im Silicon Valley lebte, und dem Gründer und Verleger des Milchstraßen-Verlages Dirk Manthey entwickelt. Ebenso wie bei allen Magazinen aus der Milchstraße sei das Blatt "aus unseren eigenen Wünschen und Erwartungen heraus entstanden", sagte Geschäftsführer Martin Fischer. "Wir machen nur Hefte, die wir selbst gerne lesen." Und bei dem Thema Wirtschaft erschien allen das Thema Internet als der interessanteste Bereich.

"Das Internet wird sich weltweit zum größten Wirtschaftsfaktor entwickeln", sagte Madzia. Es verändere fast jeden Bereich der modernen Gesellschaft und Wirtschaft. Mit der neuen Zeitung wollen "wir ein Stück Zukunft begleiten und machen". Bisher werde das Thema von vielen Wirtschaftsmagazine noch verschlafen. "Wir werden ein Katalysator für die interessantesten Geschichten aus dem Netz sein und über Gewinner, Helden, Schurken, Pioniere und Bremser berichten." Zu den Lesern werden nicht nur Mitarbeiter der Internet-Branche zählen, sondern auch Manager, für die das Netz zunehmend an Bedeutung gewinne bis hin zu Privatpersonen und ausländischen Investoren, die sich für Internetaktien interessierten.

Das Blatt soll mit einer Stammredaktion von rund einem Dutzend Redakteuren in Hamburg sowie zahlreichen Kooperationen mit anderen Blättern im Ausland und freien Autoren erstellt werden. Ziel sei eine Verkaufsauflage von 20 000 Exemplaren, die Druckauflage liege bei mehr als 50 000 Stück. Der Verkaufspreis stehe noch nicht fest.

Die Verlagsgruppe Milchstraße zählt in Deutschland zu den innovativen und erfolgreichen Verlagen (TV Spielfilm, Cinema, Fit for Fun, Amica). Ihre im September letzten Jahres gestartete Internet-Zeitschrift "Tomorrow" entpuppte sich als großer Erfolg und erzielt inzwischen eine Verkaufsauflage von fast 400 000 Exemplaren.

Neben dem zukunftsträchtigen Internet sind es der Börsenboom und das allgemein wachsende Interesse der Deutschen am spröden Thema Wirtschaft, auf das die Verleger setzen. Vorneweg sind dabei die Großverlage, die traditionell mit Wirtschaftstiteln Geld machen, wie Gruner+Jahr ("Capital") oder die Holtzbrinck-Gruppe ("Wirtschaftswoche"). Nach dem Erfolg der Zeitschrift "Börse Online" von G+J mit einer raketenhaft gestiegenen Auflage im vergangenen Jahr hat Holtzbrinck ebenfalls ein wöchentliches Anlegermagazin (Arbeitstitel "New York") angekündigt, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

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