Zeitung Heute : Die Mischung macht’s

Wer die gesetzliche Rentenlücke füllen will, sollte rechtzeitig und vielfältig sparen

Susanne Meunier

Sparen ist meist nicht gerade angenehm. Fürs Alter aber sollte jeder etwas Geld zurücklegen, denn die gesetzliche Rente wird künftig knapper. Zwischen sechs und zehn Prozent des Bruttoeinkommens sind sinnvoll, so eine grobe Regel von Finanzexperten. Wer 2800 Euro im Monat verdient, dürfte also zwischen 170 und 280 Euro davon nicht ausgeben, sondern müsste das Geld anlegen. Viele können nicht so viel entbehren oder nicht immer, weil beispielsweise Kinder zu versorgen sind. Wie viel jemand sparen sollte, hängt zudem sehr von seinem Alter ab. Wer jung einsteigt, profitiert am stärksten vom so genannten Zinseszinseffekt, der über viele Jahre auch aus kleinen Raten ein ansehnliches Vermögen macht. Spart einer dagegen erst ab 40 oder beginnt erst jenseits der 50 Jahre mit einer Zusatzvorsorge, muss er viel tiefer in die Tasche greifen, denn seine Zeit bis zur Rente ist kürzer. Nichtsdestotrotz gibt es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, um fürs Alter vorzusorgen. Wir stellen einige wichtige vor:

Riester-Rente

Allen Nutzern ein garantiertes, attraktives Plus bietet die Riester-Förderung. Deshalb empfiehlt beispielsweise die Stiftung Warentest jedem gesetzlich Rentenversicherten und jedem Beamten für die zusätzliche Altersvorsorge als erstes einen Riester-Vertrag abzuschließen. Eine Riester-Rente wird mit staatlichen Zulagen und Steuerbefreiung der Beiträge gefördert. Sparern bleiben mindestens ihre eigenen Einzahlungen einschließlich der ihnen zustehenden Zulagen garantiert erhalten. Durch die Förderung haben sie immer eine positive Rendite, selbst wenn die Anlage keine Erträge erwirtschaften würde. Bei älteren Sparern mit kurzen Vertragslaufzeiten wirkt sich dieser Vorteil sogar am stärksten aus.

Durch einige Nachbesserungen sind Riester-Angebote seit 2005 weniger bürokratisch. Riester-Sparen ist mit Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparplänen möglich. Die Förderung ist überall gleich. Für Gutverdiener lohnen sich vor allem die Steuervorteile. Wer wenig verdient, profitiert mehr von den staatlichen Zulagen, sofern er sie auch beantragt, was rund ein Drittel der Sparer nach neuesten Zahlen trotz Aufforderung erstaunlicherweise nicht tut.

In diesem Jahr bekommt ein Riester-Sparer für sich 76 Euro und für jedes seiner Kinder 92 Euro. 2005 werden maximal 1050 Euro Jahresbeitrag gefördert.

Betriebliche Vorsorge

Geldsorgen im Alter lassen sich aber nur vermeiden, wenn man noch mehr macht als „Riester“. Oft sind betriebliche Angebote als nächster Baustein attraktiver als eine rein private zusätzliche Vorsorge, weil sie steuerlich gefördert werden. In diesem Jahr können Arbeitnehmer Beiträge bis zu 2496 Euro steuerfrei und bis 2008 auch sozialabgabenfrei einzahlen. Wer keine Direktversicherung mit Pauschalsteuer bespart, darf weiter 1800 steuerfrei ansparen, muss darauf aber Sozialabgaben zahlen.

Gibt der Arbeitgeber zu einer betrieblichen Altersversorgung etwas dazu, ist sie auf jeden Fall zu empfehlen.

Fünf Wege stehen zur Verfügung: Pensionskassen, Pensionsfonds, Direktversicherung, Unterstützungskassen und Direktzusagen. Der Arbeitgeber darf entscheiden, was es in seinem Unternehmen gibt. Größere Firmen bieten ihren Arbeitnehmern manchmal eine Auswahl.

Rürup-Rente

Seit 2005 gibt es noch eine weitere staatlich geförderte Altersvorsorge: die Rürup-Rente. Wie die Riester-Rente ist sie nach ihrem Erfinder benannt, in diesem Fall nach dem Wirtschaftsprofessor Bert Rürup, der die Bundesregierung bei der Rentenreform beraten hat.

Anders als bei der Riester-Rente wird die Rürup-Rente nicht direkt vom Staat mit Zulagen bezuschusst, sondern über Steuervorteile gefördert: Jeder Vorsorgesparer kann einen Teil der Aufwendungen für die Rürup-Rente als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Die spätere Auszahlung ist voll steuerpflichtig.

Für Selbstständige, die nicht rentenversicherungspflichtig sind, ist die Rürup-Rente die einzige Möglichkeit, steuerbegünstigt für die Rente zu sparen. Denn die Riester-Förderung können sie genauso wenig nutzen wie Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge.

2005 können alle Steuerzahler 60 Prozent der gesamten Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur landwirtschaftlichen Altersversorgung, zu einer berufsständischen Versorgung und zur Rürup-Rente bis zu einem Höchstbetrag von 12 000 Euro bei Alleinstehenden und 24 000 Euro bei Ehepaaren steuerlich geltend machen. Der abzugsfähige Anteil erhöht sich bis 2025 jährlich um zwei Prozentpunkte auf dann 100 Prozent. Die Rentenbeiträge des Arbeitgebers lässt das Finanzamt bei der Rechnung aber außen vor.

Lebensversicherung

Alle weiteren Geldanlageprodukte sind rein privat. Der Staat fördert sie nicht oder kaum. Bis 2004 war die Kapitallebensversicherung bei den Deutschen das Anlageprodukt Nummer eins für ihre private Zusatzvorsorge. Das galt, obwohl die Lebensversicherungsbranche seit Jahren unter einer Ertragsschwäche leidet. Waren früher Renditen von sieben Prozent gängig, gibt es seit einiger Zeit kaum mehr als den Garantiezins, der für Neuverträge seit 2004 bei 2,75 Prozent liegt.

Seit Jahresbeginn können Kunden die Beiträge für die Neuverträge Lebensversicherungen nicht mehr absetzen. Eine einmalige Auszahlung ist nicht mehr steuerfrei, wenn der Vertrag zwölf Jahre lief und der Kunde mindestens fünf Jahre eingezahlt hat, sondern nur noch, und dann auch nur die Hälfte der Erträge, wenn der Kunde bei Vertragsablauf mindestens 60 Jahre alt ist. Kapitallebensversicherungen nach alter Form dürfte es deshalb künftig kaum noch geben.

Wer sich seine Geld als Rente auszahlen lässt, muss aber weiterhin davon nur den Ertragsanteil versteuern. Bei Rentenbeginn mit 65 Jahren heißt das inzwischen, nur 18 Prozent davon zählen für den Fiskus. Oft bleibt die Rente steuerfrei, weil Rentner hohe Freibeträge haben. Der große Vorteile einer privaten Rentenversicherung ist, dass sie Auszahlungen bis zum Lebensende des Kunden garantiert. Dafür können Hinterbliebene nichts vom Restkapital erben, sofern dies nicht vertraglich vorgesehen ist. Um Angehörige abzusichern, ist die Rentenversicherung aber nicht das richtige Produkt. Der Einschluss solcher Rückzahlungsmodalitäten drückt die Rendite der Versicherung.

Alternativen

Gegen eine private Rentenversicherung spricht, dass sie völlig unflexibel ist. Ein vorzeitiger Ausstieg aus einem laufenden Vertrag bringt dem Kunden erhebliche Verluste. Mit Investmentfondssparplänen ist ein Sparer zum Beispiel sehr flexibel. Er kann einen oder mehrere Fonds besparen, am besten monatlich. Er kann seine Sparraten jederzeit stoppen, senken oder erhöhen und kann immer an sein Geld heran. Die Stiftung Warentest beobachtet den riesigen Fondsmarkt ständig, um Interessenten einen Überblick zu ermöglichen. In jeder Ausgabe der Zeitschrift FINANZtest können die aktuellen Ergebnisse des Fondsdauertests nachgelesen werden.

Fondsanlagen bieten selten Garantien. Doch auf lange Sicht sind gute Renditen drin. Ältere sollten mehr auf gemischte Fonds, die in Aktien und Zinspapiere investieren oder auf reine Rentenfonds, denn schlechte Börsenphasen können sie im Vergleich zu jüngeren Leuten kaum aussitzen.

Wer in Aktienfonds investiert, muss nur auf Dividenden Steuern zahlen und das auch nur zur Hälfte. Bei Rentenfonds fallen wie bei Festzinsprodukten Steuern auf Zinsen an, sobald diese den Freibetrag übersteigen.

Eigenheim

Viele stecken ihr Geld aber noch lieber in ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung. Dann müssen sie mit ihren Einkünften haushalten, um über viele Jahre Zinsen und Tilgung aufzubringen. Nicht alle halten durch und machen ein gutes Geschäft. Bringt der Käufer zu wenig Eigenkapital mit, können ihn die Kreditraten überfordern, besonders wenn er seinen Arbeitsplatz verliert. Vielleicht hat er sein Haus auch zu teuer gekauft. Dann wäre ein späterer Verkauf verlustreich. Oder unvorhergesehene Sanierungskosten lassen das finanzielle Gleichgewicht einer Familie wanken. Im Alter ist das Eigenheim zwar meist abbezahlt, aber für ein Rentnerehepaar allein oft zu groß. Betriebskosten fallen immer noch an, zusätzlich vielleicht schon hohe Instandsetzungskosten.

Sparen mit ALG II

Krankheit oder Arbeitslosigkeit können die Sparanstrengungen fürs Alter bedrohen. Arbeitslosengeld II wird erst ausgezahlt, wenn der Betroffene seine finanziellen Reserven weitgehend aufgebraucht hat.

Eine selbst genutzte Immobilie müsste ein Arbeitsloser nicht verkaufen, um sich ein Anrecht auf Arbeitslosengeld II zu bewahren. Eine betriebliche Altersvorsorge kann er nicht auflösen. An eine Riester-Rente müsste ein Sparer vom Gesetz her nicht herangehen.

In einen Rürup-Vertrag kann er übrigens Geld in unbegrenzter Höhe einzahlen, ohne seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II zu verlieren.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar