Zeitung Heute : Die Mischung macht’s

Auf dem Wochenmarkt am Rathaus Lankwitz ist die Atmosphäre familiär – das schätzen die Kunden und die Händler gleichermaßen

Günter Bartsch

„Radikale Preissenkung" – auf rotes Papier hat Barbara Lehmann die beiden Worte geschrieben. Jetzt prangt das Schild an ihrem Schuhstand auf dem Wochenmarkt am Rathaus Lankwitz und soll Kunden anlocken. Das ist gar nicht so leicht, jetzt im Winter, sagt die Markthändlerin, die manchmal auch lieber im Warmen säße. Mit einer Mütze auf dem Kopf und Standnachbarin Christiane Walther an ihrer Seite hält sie trotzdem durch, den Stammkunden zuliebe.

Es nieselt. Vor den dünnen Tropfen ist Barbara Lehmann unter der rot-weiß-gestreiften Plane geschützt. Aber Wind und Kälte dringen ungehindert hinein. Sie schützt sich mit offenen Handschuhen, aus denen die Fingerspitzen herausschauen, damit sie besser zupacken kann. Das sei eben der Nachteil, wenn man „sein eigener Herr“ sei: Man müsse auch bei schlechtem Wetter raus, um Geld zu verdienen – selbst wenn an solchen Tagen deutlich weniger Kundschaft komme.

„Aber wenn wir Händler nicht regelmäßig da sind, dann kommen auch unsere Kunden nicht mehr“, sagt Christiane Walther, die am Stand gegenüber Kleidung verkauft. Der Lankwitzer Wochenmarkt funktioniere da noch sehr gut. „Eine gute Mischung“ gebe es hier: Obst und Gemüse, Fleisch und Wurst, Fisch, Käse, türkische Feinkost, Blumen, Eier, einen Bäcker, Strümpfe und manches mehr.

„Einige Händler kommen schon seit Jahrzehnten“, berichtet Barbara Lehmann, die selbst schon 14 Jahre an der Leonorenstraße steht – ihre Freundin Christiane Walther sogar noch fünf Jahre länger.

In so vielen Jahren lernt man seine Kunden kennen. „Von vielen weiß ich die Größen und den Stil“, sagt die Schuhverkäuferin. Viele schätzten den Service der Händler, den man im Kaufhaus nicht bekomme: „Die Kunden können die Sachen zum Probieren mit nach Hause nehmen und beim nächsten Mal bezahlen, wenn sie ihnen passen und gefallen“, sagt Barbara Lehmann. Ab und zu helfe sie auch schon mal mit ein paar Euro aus, wenn jemand sein Geld vergessen habe: „Das ist kein Problem, wir kennen unsere Kunden ja.“ Und manche Menschen, etwa die Bewohner des nahen Altenheims, seien auch mal froh, mit jemandem reden zu können.

— Marktzeiten: Mo. und Fr.

8 bis 13 Uhr (S-Bhf. Lankwitz)

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