Zeitung Heute : Die mit der kultivierten Duftnote

Zitruspflanzen stammen aus dem Südosten Asiens. Hierzulande fühlen sie sich im Sommer richtig wohl.

Die Zitronatzitrone ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zitruspflanzen in der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Weitere Bezeichnungen sind u. a. medischer Apfel, Apfel aus Medien, Judenapfel, Zedernfrucht und
Die Zitronatzitrone ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zitruspflanzen in der Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Weitere...

Zitrusgewächse ziehen die Menschen schon lange in ihren Bann. Der betörende Duft der Blüten, die attraktiven Früchte und das schöne Laub sind Eigenschaften, die den verschiedenen Arten aus der Gattung Citrus ihren Reiz verleihen. Hierbei handelt es sich um uralte Kulturpflanzen, die wahrscheinlich schon vor mehr als 4000 Jahren aus Wildarten ausgelesen und in Kultur genommen wurden. Im Mittelmeerraum mit seinem günstigen Klima werden Zitrusgewächse schon seit vielen Jahrhunderten angepflanzt. Dorthin gelangten sie zur Zeit Alexanders des Großen (356–323 v. Chr.), denn ihre eigentliche Heimat liegt in Ost- bis Südostasien. Von dort brachten die Griechen zuerst die Zitronat-Zitrone (Citrus medica) mit, die vor allem zu medizinischen Zwecken genutzt wurde. Später folgten weitere Arten und um 200 n. Chr. fanden bereits Zitronenbäume (Citrus limon) als Zierpflanzen Verwendung, die in durchlöcherten Gefäßen kultiviert und zum Schmuck römischer Villen und Gärten vorwiegend in Säulengängen aufgestellt wurden.

Nördlich der Alpen sind Zitrusfrüchte seit dem frühen Mittelalter bekannt. Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) erwähnte die Zitrone in ihren Schriften ebenso wie der Dominikanermönch und Naturforscher Albertus Magnus (1193–1280). Bereits Mitte des 16. Jh. berichtete der Botaniker Hieronymus Bock in seinem 1539 erschienen „Kreutterbuch“ über „Judenöpffel, Citrinaten, Limonen“ über die Anzucht. „Etlich Teutschen haben diß geschlecht von den kernen auffgezielet/ mit fleissiger wartung / also dz nün mehr auch beumlein zu finden seind in vnseren Landen.“

Anfangs nur vereinzelt kultiviert, gehören Zitrusgewächse in Mitteleuropa seit dem 17. Jh. zu begehrten Kübelpflanzen. Im Sommer schmückten sie Terrassen oder fürstliche Gärten, wo sie mit duftenden Blüten und attraktiven Früchten gleichzeitig einen Hauch mediterranes Flair verbreiteten. Im Winter erfreute man sich an den Früchte tragenden Pflanzen in den Orangerien.

Vor allem in der Zeit zwischen 1600 und 1860 verwendete man besonders Orangen und Zitronen als Zierpflanzen. Damals gab es kaum einen fürstlichen Garten, in dem keine Zitruspflanzen in Kübeln kultiviert wurden und selbst in den Gärten reicher Bürger waren teilweise ansehnliche Sammlungen vorhanden. Viele Schriften mit ausführlichen Kulturbeschreibungen und zahlreichen Abbildungen von Früchten geben Auskunft über diese Liebhaberei.

Besonders prachtvoll ist das 1708 erschienene Werk von Johann Christoph Volckamer (1644–1720) mit dem Titel „Nürnbergische Hesperides oder gründliche Beschreibung der edlen Citronat-, Citronen- und Pomeranzen-Früchte“.

In dieser Zeit entstanden die Orangerien als Wintergärten mit exotischen Pflanzen, denn die höfische Gesellschaft legte besonderen Wert auf die wohlriechenden Blüten und wohlschmeckenden Früchte. Waren es damals vor allem Pomeranzen, Zitronen und Orangen, erfuhr das Sortiment inzwischen mehrfach Bereicherungen.

Seit einigen Jahren sind immer häufiger Zwergorangen (x Citrofortunella mitis) als Topfpflanzen im Handel erhä ltlich, die vor allem in Florida und Honduras in großen Mengen herangezogen werden. Es handelt sich dabei um eine Kreuzung aus Citrus mit Fortunella species, die als „Calamondin“ bezeichnet wird. Sie blüht bereits als kleine Pflanze vom Frühjahr bis Herbst reich und schmückt sich mit vielen orangefarbenen Früchten.

In letzten Jahren kam die Kumquat dazu, die sowohl als Obst im Lebensmittelgeschäft wie auch als Topfpflanze im Gartencenter erhältlich ist. Kumquatbäumchen tragen viele kleine orangefarbene Früchte, die man ganz essen kann. Aus Kumquat und Zitrone entstand die Limequat, deren Früchte ein zitronenähnliches Aroma besitzen. Zwei Jahre haften die kleinen gelben Bittorangen an der Chinotto, einer Zitruspflanze mit myrtenähnlichem Laub und kompakten Wuchs.

Ganz gleich, für welche Pflanze man sich entscheidet, immer sollten als Winterstandort helle Räume wie das Treppenhaus, eine Veranda oder der Wintergarten gewählt werden.

Die günstige Überwinterungstemperatur für alle Zitrusgewächse beträgt fünf bis sieben Grad Celsius. Limetten sind empfindlicher und stehen im Winter besser bei Temperaturen über 15 Grad Celsius.

Die Menge der Wassergaben hängt von den Temperaturen ab. Stehen die Pflanzen kühl, benötigen sie nur sehr wenig Wasser, allerdings darf der Wurzelballen nicht vollkommen aus trocknen. Die Folge wäre der Abwurf der grünen Blätter. Werden die Blätter gelb oder sind gelb geadert, dann ist Staunässe die Ursache. In solchen Fällen ist das Gießen stark einzuschränken, und notfalls muss das Zitrusgewächs in sandiges Substrat verpflanzt werden. Normal ist dagegen der Blattfall im Herbst und beim Neutrieb.

Das Umsetzen der Pflanzen erfolgt am besten im Frühjahr von März bis April in lockere, humose Erde. Gut geeignet ist dafür im Handel erhältliche Einheitserde, der etwas Sand und Lehm beigemischt wird. Um die Wurzeln der Zitruspflanzen zu schonen, muss die Pflanze vorsichtig aus dem Gefäß genommen werden, zumal es sich um Flachwurzler mit relativ wenigen Wurzeln handelt. Sobald der Mai gekommen ist, können Zitrusgewächse ins Freie gestellt werden. Allerdings sollten sie anfangs mit Leinen, alten Gardinen oder Zeitungspapier geschützt und allmählich an die intensiven Sonnenstrahlen gewöhnt werden. Während der Sommermonate ist reichlich zu gießen, ohne stauende Nässe zuzulassen. Besonders an kühlen und regnerischen Tagen ist die Ballenfeuchtigkeit zu kontrollieren, bevor gegossen wird. Von Mai bis August empfiehlt sich die wöchentliche Gabe eines Volldüngers, wobei sich ein stickstoffbetonter Flüssigdünger besonders eignet. Der Reichtum an Kernen beim Genuss von Zitrusgewächsen verleitet gelegentlich dazu, die Anzucht selbst auszuprobieren. Geduld ist allerdings gefragt, denn es dauert mindestens acht Jahre, bis die Pflanzen das erste Mal blühen und Früchte bilden.

Man sät im März oder April einzelne Samenkörner in kleine Töpfe oder mehrere in Kästen mit durchlässigem, humosem Substrat. Bei Temperaturen von 20 Grad Celsius und gleichmäßiger Bodenfeuchte keimen die Samen nach etwa zehn Tagen. Sobald sich zwei Blattpaare entwickelt haben, topft man die Pflanzen aus den Kästen in kleine Töpfe mit Einheitserde, die mit etwas Lehm und Sand angereichert wurde. Bei hellem Stand, jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung, wachsen die Jungpflanzen heran und können im darauf folgenden Sommer schon im Freien stehen und mehr Sonne erhalten.

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