Zeitung Heute : Die Nachbarn tun’s auch

Freistellungsregeln anderer europäischer Länder

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Bildungsurlaub ist keine deutsche Erfindung. In Italien, Belgien, Frankreich und den skandinavischen Ländern gibt es ebenfalls Freistellungsregelungen. Das Ziel, lebenslanges Lernen zu fördern und die Beteiligung bildungsbenachteiligter Bevölkerungsgruppen zu verbessern, geht auf eine Initiative der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zurück. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen verabschiedete 1974 ein „Übereinkommen über den bezahlten Bildungsurlaub“, das zwei Jahre später von der Bundesregierung ratifiziert wurde. Die Ansätze anderer europäischer Länder unterscheiden sich zum Teil erheblich, wie der Verein „Arbeit und Leben“ anlässlich der Fachtagung „Bildungsfreistellung in Europa – Eine Strategie zur Förderung lebenslangen Lernens?“ herausgearbeitet hat. Aus den Studien geht zum Beispiel hervor:

Während in Deutschland hauptsächlich für politische und berufliche Weiterbildung Bildungsurlaub gewährt wird, ist die Freistellung in Belgien auch zur Prüfungsvorbereitung und fürs Studium möglich. In Frankreich stehen Soziales und Kulturelles in Vordergrund, in Italien das Nachholen von Schulabschlüssen. Die Finanzierungsinstrumente reichen von einer Fondsregelung in Frankreich über begrenzte Lohnfortzahlung in Belgien (mit Refinanzierung durch einen Fonds von Staat und Arbeitgebern) bis hin zur Alimentierung aus der Arbeitsverwaltung in Dänemark und Beihilfesystemen in Finnland und Schweden. Die Dauer der Freistellung reicht von zwei Wochen in zwei Jahren in Deutschland bis zur unbestimmten Zeitvorgabe in Schweden. Dazwischen liegt ein nach Weiterbildungsbereichen abgestuftes System in Belgien, ein einjähriger Anspruch in Frankreich und Dänemark und zwei Jahren in Finnland. Zu einem relevanten Instrument der Weiterbildung ist Bildungsurlaub in keinem Land geworden. Die Beteiligung in Deutschland entspricht dem europäischen Durchschnitt, sie liegt bei etwa 1,5 Prozent der Anspruchsberechtigten (Brandenburg ist mit 0,1Prozent Schlusslicht, Bremen erreicht 4,3 Prozent). rch

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www.arbeitundleben.de

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