Zeitung Heute : Die nächste Pisa-Welle rollt auf Berlin zu

Der Tagesspiegel

Susanne Vieth-Entus

Während Berlins Schulen noch hoch gespannt auf die Länderergebnisse von Pisa 2000 warten, wirft bereits die zweite internationale Vergleichsstudie ihre Schatten voraus. Anfang Mai beginnen die Voruntersuchungen für „Pisa 2003“. Berlin gehört zu den vier Bundesländern, die mit je 16 Schulen an diesen Tests teilnehmen. Anders als bei Pisa 2000 liegt der Schwerpunkt diesmal auf dem mathematischen Bereich.

Mit Hilfe der Voruntersuchungen will das deutsche Pisa-Konsortium noch vor den Haupt-Testsim nächsten Jahr herausfinden, „welche Fragen funktionieren und welche nicht“, heißt es im Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Uni Kiel.Hier ist die Nationale Projektleitung für Pisa 2003 verankert, während Pisa 2000 vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung betreut wird. Das Kieler Institut bat die Berliner Schulen bereit im Februar um ihre „aktive Mitarbeit“ und sicherte zu, dass „alle Auswertungen vollständig anonymisiert“ vorgenommen werden und „keine Rückzuordnungen auf einzelne Schulen oder Klassen möglich sind.“

Die Schulen selbst können allerdings erfahren, wie sie abgeschnitten haben. Und das begrüßen die Lehrer. „Es ist doch gut zu wissen, wo man steht“, sagt etwa Ekkehard Pohle, Fachbereichsleiter für Mathematik an der Kreuzberger Lina-Morgenstern-Gesamtschule. Seine Schule nimmt mit rund 100 Schülern und zwölf Lehrern an der zwei- bis dreitägigen Untersuchung teil.

Offen für die Vergleichstests ist auch Mira Lammers, stellvertretende Leiterin der Morgenstern-Schule. Das schlechte Abschneiden Deutschlands bei Pisa 2000 sieht sie als „Argument“ für ihre Forderungen nach einer besseren Ausstattung der Schulen. Endlich sei es leichter geworden, eine Lobby für die Bildungsbelange zu bekommen. Frau Lammers sieht in der Folge von Pisa auch eine steigende Bereitschaft der Schulen ihre Arbeit zu evaluieren und zu entwickeln. Noch gebe es allerdings viele Lehrer, „die sich nicht gern den Spiegel vorhalten lassen“.

Wenn im Juni 2002 die Voruntersuchungen in den 16 Schulen abgeschlossen sind, werden die Kieler Pädagogik-Forscher um Professor Manfred Prenzel die Erfahrungen der Schulen mit den Tests auswerten und die endgültigen Fragebögen erstellen. Im kommenden Jahr dann werden sich wieder 32 Staaten – von Österreich bis Mexiko, von Finnland bis Japan – mit zehntausenden 15jährigen Schülern an die Aufgaben setzen. Wie schon bei Pisa 2000 geht es um die Kompetenzbereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, wobei dieses Mal Mathematik „Schwerpunktgebiet“ ist. Im Jahr 2000 ging es vor allem um die Erfassung des Leseverständnisses; Mathematik und Naturwissenschaften waren „Nebenkomponenten“. Im Jahr 2006 sollen die Naturwissenschaften im Vordergrund stehen, wie Landesschulrat Hansjürgen Pokall mitteilte. Erst im Juni wird bekannt gegeben, wie die einzelnen Bundesländer bei Pisa 2000 abgeschnitten haben. Aufgrund Berlins Bevölkerungsstruktur wird damit gerechnet, dass die Hauptstadt ganz hinten landet. Deutschland lag international auf dem 21. von 32 Plätzen.

Weitere Infos unter www.ipn.uni-kiel.de/projekte/pisa

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