Zeitung Heute : Die Nahtstelle

Susanna Nieder

Zehn Jahre groß in Mode: Die Designerschule Esmod feiert Jubiläum. Viele Kreative haben hier ihr Handwerk gelernt

„Die jungen Leute sind das Kapital von Berlin“, sagt Silvia Kadolsky. Etwas früher am Montagabend stand die Chefin der Modeschule Esmod noch auf dem Laufsteg in der Treptower Arena und dankte den Eltern der Absolventen für ihr Vertrauen. Jetzt herrscht im Szenelokal Cookies Cream in der Charlottenstraße eitel Freude; Modeschüler, Eltern und die Mitglieder der internationalen Jury plaudern entspannt und stoßen auf die getane Arbeit an.

Esmod steht für „Ecole superieure des Arts et Techniques de la Mode“, existiert in Frankreich seit über 160 Jahren und hat Schulen in der ganzen Welt. In München gibt es sie seit 15 Jahren, in Berlin seit zehn – auch das galt es an diesem Abend zu feiern. Seit einem Jahrzehnt mischen Silvia Kadolsky und ihr Mann Klaus Metz, der mit ihr zusammen die Schule leitet, in der Berliner Modeszene mit und zeigen mit ihren Schülern mehr Präsenz als irgendeine andere der fünf Berliner Modeschulen. Von Anfang an haben sie auf das kreative Potenzial der Stadt gesetzt und sich nie mit Klagen über die Wirtschaftslage aufgehalten. Entsprechend groß war ihre Begeisterung, als vor anderthalb Jahren mit der Ankunft der Modemessen „Bread and Butter“ und „Premium“ klar wurde, dass Berlin wieder auf dem Weg ist, die wichtigste deutsche Modestadt zu werden.

Grund zur Freude ist auch der Erfolg einiger Designerinnen, die sich in den letzten Jahren nach dem Abschluss bei Esmod Berlin selbstständig gemacht haben. Stolz wurden vor der traditionellen Diplom-Schau am Montag die Berliner Labels „Maison Anti“, „Immer“, „Smeilinener“, „Kaviar gauche“, und „Hartbo & L’wig“ präsentiert, von denen es einige ins Finale des deutschlandweit ausgelobten Wettbewerbs „Moët et Chandon Fashion Debut“ geschafft hatten, von MTV im „Designerama“ präsentiert wurden, an „Bread and Butter“ oder „Premium“ teilnehmen durften und in kürzester Zeit ein eigenes Geschäft zum Laufen gebracht haben. Man könnte sich vorstellen, dass einigen Absolventen dieses Jahrgangs ebenfalls ein guter Einstieg gelingt. 27 sehenswerte Diplomkollektionen wurden gezeigt.

Die Privatschule Esmod ist teuer und verlangt viel von ihren Schülern. 6700 Euro kostet jedes der drei Ausbildungsjahre, das Material nicht eingerechnet. Für Unterricht, Workshops und Spezialisierungen gehen gut und gerne 50 Wochenstunden drauf, doch wer bis zum Diplom durchhält, hat gute Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Bei Adidas und Puma, bei Burberry, Jil Sander, Hugo Boss und Tommy Hilfiger sind Absolventen der beiden deutschen Esmod-Schulen untergekommen.

Durch die außerordentlich praxisnahe Ausbildung bekommen die Schüler Kontakte und ein Gefühl dafür, was im wirklichen Leben von ihnen verlangt wird. Auch ein Teil der Diplomnoten wird von einer internationalen Jury vergeben. Diesjähriger Präsident war der Designer John Rocha, der unter anderem die Schauspielerin Anjelica Houston und die Sängerin Marianne Faithfull einkleidet. Auch das ist eine Stärke der Berliner Esmod: Internationale Modemacher wie Paco Rabanne, Olivier Theyskens oder Dean und Dan Caten von Dsquared2 nach Berlin zu holen, Kontakte für ihre Schüler zu knüpfen und gleichzeitig die Stadt nach außen bekannt zu machen. Nach wie vor sind Kadolsky und Metz, die in Kreuzberg leben und arbeiten, begeistert vom unfertigen Charme Berlins: „Von unseren Gästen ist noch keiner gleichgültig weggegangen.“

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