Zeitung Heute : Die neue Freiheit

Morgen beginnt die 32. Berliner Bildungsmesse – und zeigt, dass sich die Branche mitten im Umbruch befindet

Roland Koch

LERNEN FÜR DIE JOBS VON MORGEN: BERUF UND BILDUNG

Mit Peter Hartz kamen die Gutscheine – und seit im Januar die Ideen des Arbeitsmarkt-Reformers umgesetzt wurden, hat sich einiges getan in der beruflichen Bildung. Mit den Bildungsgutscheinen beispielsweise müssen sich Arbeitslose jetzt selbst eine Weiterbildung suchen. Das soll die Freiheit, aber auch die Eigenverantwortung forcieren. Doch zunächst haben die Änderungen die Bildungslandschaft ordentlich durcheinander gewirbelt und das wird ab morgen auf der 32. Berliner Bildungsmesse wohl eines der Hauptthemen sein.

Im Haus am Köllnischen Park präsentieren von Donnerstag bis Sonnabend knapp 100 Bildungsanbieter ihre aktuellen Angebote zur beruflichen Qualifizierung. Sie kommen aus nahezu allen Branchen: aus dem kaufmännischen Bereich, aus den Dienstleistungen, der Technik oder Beratung. Das bietet den erwarteten 10 000 Besuchern einerseits einen Überblick und eine direkte Vergleichsmöglichkeit der Offerten. Andererseits wird die gegenwärtige Umbruchsituation auf dem Bildungsmarkt für Gesprächsstoff sorgen. Denn Arbeitsmarktexperten und Bildungsanbieter informieren hier über die Änderungen, die seit Januar gelten. Dabei geht es unter anderem um Bildungsgutscheine, Minijobs oder die Ich-AG.

In Berlin und Brandenburg stehen in diesem Jahr rund 630 Millionen Euro für Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung. „Bis Ende Mai haben wir 4825 Bildungsgutscheine ausgegeben“, sagt Olaf Möller, der Pressesprecher des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg. Über die Erfahrungen damit könne man noch nicht viel sagen. Fünf Monate nach der Einführung sei man noch in der Anlaufphase. „Ich glaube aber, dass wir mit den Gutscheinen ein geeignetes Mittel haben, um in offene Stellen hinein zu qualifizieren“, meint Möller.

Dass die Maßnahmen zielgenauer verteilt werden, befürwortet auch Sabine Venske, die Pressesprecherin des Weiterbildungs-Anbieters Forum Berufsbildung. Zwar müsse man stärker um die Kunden werben, was teuer sei. Und man müsse oft neue Kurse konzipieren, denn die Gutscheine gelten nicht mehr automatisch für eine komplette neun- oder zwölfmonatige Maßnahme, sondern oft nur noch für spezielle Module, etwa für den Erwerb bestimmter Sprach- oder PC-Kenntnisse. Doch könne jetzt genauer festgestellt werden, wie viel Qualifikation ein Teilnehmer tatsächlich brauche.

„Wie man die neue Situation einschätzt, hängt davon ab, wie man damit umgeht“, sagt Venske. „Natürlich gibt es hier und da Probleme. Zum Beispiel mit der Verkürzung mancher Kurse.“ Gegen eine genauere Kontrolle des Bedarfs und der Qualität sei aber nichts einzuwenden – im Interesse aller.

Die Bildungsmesse richtet sich in erster Linie an Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen. „Aber auch wer einen Job hat und sich nebenberuflich fortbilden will, findet hier umfassende Infos“, sagt Michael Leinhoß, der Geschäftsführer von Fair Events, dem Veranstalter.

Begleitet wird die Messe von einem Rahmenprogramm, in dem es Vorträge und Diskussionsrunden rund um die Bildungsreformen, aber auch um neue Berufe oder Wege in die Selbstständigkeit gibt. Hier kann man erfahren, warum der Beruf des Podologen Zukunft haben soll, welche Jobchancen es außerhalb Deutschlands gibt oder welche Karrierechancen sich derzeit im Bereich Marketing und Werbung eröffnen.

Darüber hinaus sollen sich Unternehmer angesprochen fühlen. „Von den Bildungsanbietern können sie erfahren, wann welche Fachkräfte zur Verfügung stehen“, sagt Leinhoß. Da kann man den Teilnehmern der Messe nur wünschen, dass auch diese Anbieter zahlreich erscheinen.

Weitere Infos im Internet:

www.bildungsmesse-berlin.de

www.arbeitsamt.de

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