Die neue "Museumsinsel" Hollands : Kultur fürs 21. Jahrhundert

Der Museumplein wird nach den Neueröffnungen von Rijksmuseum, Stedelijk Museum und Van Gogh Museum ein Besuchermagnet.

Der Museumplein in Amsterdam hat mit dem wiedereröffneten Rijksmuseum und Stedelijk Museum an profil gewonnen.
Der Museumplein in Amsterdam hat mit dem wiedereröffneten Rijksmuseum und Stedelijk Museum an profil gewonnen.Foto: Arie de Leeuw

Jahrelang galt Amsterdams Museumplein als Kummerkind der Stadt. Und das ausgerechnet dort, wo sie sich am feinsten macht und – wie der Name sagt – sie ihre Museen angesiedelt hat, die bedeutendsten landesweit: das Rijksmuseum, das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum. Für den Besucher stellt sich das Terrain vor allem als überdimensionale Brachfläche dar – mit gepflegten Wiesen zwar und kreuz quer führenden Wegen, aber ohne rechte Funktion im urbanen Raum. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Weder Park noch Knotenpunkt, auch wenn sich die Sonnenanbeter im Sommer auf dem riesigen Rasen tummeln und die überdimensionalen Buchstaben des aufgestellten Werbeschriftzugs „I Amsterdam“ zum Klettern wie Fotografieren reizen. Die Lösung ist auch nach all den Rettungsversuchen der vergangenen Jahre mit Cafés, Sportareal, Kinderspielplatz nicht gefunden. Seit diesem Frühjahr aber gibt es eine neue Perspektive auf den Platz. Und das könnte vielleicht die Dinge zum Besseren wenden.

Das im vergangenen Jahr wiedereröffnete Stedelijk Museum hatte mit seinem neuen Eingangstrakt, der „Badewanne“ von Mels Crouwel, den Anfang gemacht. Das Hauptentree dieses im 19. Jahrhundert erbauten Kastens wurde von der ursprünglichen Seite zur Straße hin auf den Platz verlegt. Das Gebäude richtet sich also vom Platz aus gesehen nun nicht mehr nach hinten, sondern endlich nach vorn. Die riesige gläserne Halle signalisiert sofort Offenheit zum Museumplein. Die sich aus dem dort untergebrachten Restaurant ins Freie verlängernden Sitzbänke laden den Passanten offensiv ein, sich niederzulassen und nach einer Stärkung ins Gebäude einzutreten.

Die Übergänge zwischen öffentlichem Raum und Museumsbau sind gezielt fließend angelegt, um die Schwellenangst zu nehmen. Auch der Museumplein profitiert von dieser Strategie, denn die Belebung durch ankommende Besucher, Gruppen, die sich vor den Toren treffen, strahlt auf den Platz zurück. Einziger Schönheitsfehler: Durch die Einfahrt in die Tiefgarage, den Supermarkt, den Versorgungsturm in unmittelbarer Nähe wirkt die Verbindung zum Museumplein schon wieder verbaut.

Das Stedelijk Museum.
Das Stedelijk Museum.Foto: John Lewis Marshall

Die gleiche Kehrtwendung wie schon das Stedelijk Museum zum Platz wird auch das Van Gogh Museum vollziehen, wenn es 2014 seinen Ausstellungsflügel – den als Halbrund zum Museumplein ragenden Anbau von Kisho Kurokawa aus dem Jahr 1999 – im Unterbereich als Hauptentree nutzt. Wie im Louvre werden dann Rolltreppen unter einem riesigen Glasdach in die Tiefe führen und von dort aus die Besucherströme entweder zur Sammlung im Rietveld-Bau oder zu den Sonderausstellungen im Kurokawa-Flügel weiterleiten.

Kurioserweise hatte sich das Museum schon bei der Erbauung des Anbaus eine Eingangsverlegung zum Museumplein hin gewünscht. Damals wurde dem Haus diese innere 180-Grad-Drehung von den städtischen Planern verweigert; sie passte damals noch nicht ins urbane Konzept. Heute muss für 4,5 Millionen Euro nachgerüstet werden. Eine Schließung wie in den vergangenen sieben Monaten während der Sanierungsarbeiten im Inneren des Hauses – die Schaustücke wurden in dieser Zeit in die Amsterdamer Hermitage ausgelagert und das Publikum temporär dorthin umgelenkt – soll es dann nicht mehr geben. Die Umgestaltung des Entrees wird sich bei laufendem Betrieb vollziehen. Nun aber wird erst einmal die Wiedereröffnung des Van Gogh Museums zelebriert, am 1. Mai – zeitgleich mit dem Thronwechsel – kehrt damit auch das dritte Museum an den Museumplein zurück.

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