Zeitung Heute : Die neue Rechtschreibung bleibt

Der Tagesspiegel

Die neue Rechtschreibung ist nach einem Expertenbericht schon weitgehend im Alltag angekommen. 80 Prozent aller neu erschienenen Bücher im vergangenen Jahr seien bereits in der Neuschreibung verfasst, sagte der Vorsitzende der Zwischenstaatlichen Kommission zur Einführung der neuen Rechtschreibung, Professor Gerhard Augst, am Donnerstag dem Tagesspiegel. Selbst Stichproben in Leserbriefen von Privatpersonen hätten gezeigt, dass in 66 Prozent davon schon die reformierte Schreibweise verwandt werde. In den Zeitungen werde die Neuschreibungen sogar zu 96 Prozent richtig angewandt.

Damit dementierte Augst anderslautende Zeitungsberichte, wonach der turnusmäßige Bericht umfangreiche Änderungen vorschlage und die Reform mehr als drei Jahre nach Inkrafttreten noch immer nicht Fuß gefasst habe. „Wir haben an keiner Stelle gesagt, dass sich die Schreibweise erneut ändern soll", sagte Augst auf Nachfrage. Ein eigens eingesetzter Beirat mit 16 Vertretern aus Interessengruppen, darunter Journalisten und Verleger, Lehrerverbände und die Akademie hätten den Bericht bestätigt.

„Teilweise kann man offensichtlich von Gewöhnungseffekten sprechen", meinte Augst zu den Befunden. „Schreibweisen beruhen eben auf Konventionen." Irritationen gebe es beispielsweise noch an den Grundschulen, wo die Kinder in alten Büchern ein teilweise anderes Schreibbild sähen als in ihren Heften.

Die Kommission berichtet den Kultusministern alle zwei Jahre über den Stand der Rechtschreibung. Der nächste Bericht wird nun entscheidend: Im Jahr 2005 läuft die von den deutschsprachigen Staaten vereinbarte Umsetzungsfrist ab. Im nächsten Bericht sollen daher alle notwendigen Änderungen enthalten sein, sagte der Sprachwissenschaftler. „Wenn Änderungen, dann zu diesem Zeitpunkt!“

Man wolle sich beispielsweise noch über die Streitfälle einigen, die durch die Eigenregelungen von Zeitungen und Nachrichtenagenturen entstanden sind. Strittig ist beispielsweise noch, ob man „Schwarzes Brett" oder „schwarzes Brett" schreibt, „schwarzer Koffer“ oder „Schwarzer Koffer“, „doppelte Buchführung“ oder „Doppelte Buchführung“. Die alten Regeln sahen vor, solche Ausdrücke als festen Begriff groß und sonst klein zu schreiben. „Weil das völlig inkonsequent angewandt wurde, wird es nach neuer Schreibweise einheitlich klein geschrieben. Die Agenturschreibweise bleibt aber für 40 Begriffe bei der Großschreibung. „Darüber wollen wir uns dringend einigen.“rt

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