Zeitung Heute : Die neue Wirtschaftszeitung will für Gesprächsstoff an der Börse sorgen

Gregory Lipinski

Was ist die "Farbe der Wirtschaft"? Die Antwort: "Financial Times Deutschland". Mit diesem Slogan bringen die beiden Verlagsgiganten Pearson und Gruner + Jahr am 21. Februar nach fast einjähriger Vorbereitungszeit eine neue börsentäglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung an die Kioske. Sie soll das bisherige Monopol der deutschen Wirtschaftszeitungen brechen. Die Financial Times Deutschland (FTD) richtet sich vornehmlich an Führungskräfte aus Unternehmen sowie an die junge Erbengeneration, deren Interesse an Wirtschaftsinformationen stark gestiegen ist. "Unser kurzfristiges Auflagenziel von 50 000 und das mittelfristige Ziel von 100 000 Exemplaren sind angesichts der Größe dieser Zielgruppe realistisch", beteuert FTD-Chefredakteur Andrew Gowers. Bereits in vier bis fünf Jahren will die neue Wirtschaftszeitung bei einer verkauften Auflage von 120 000 Stück die Gewinnschwelle erreichen. Damit wären aber die Anlaufverluste von "weit unter 300 Millionen Mark" noch nicht verkraftet, die sich die beiden Verlagshäuser teilen.

Im Gegensatz zu vielen Tageszeitungen mit ihren ausgedehnten Wirtschaftsteilen wie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Süddeutschen Zeitung", "Welt" und dem direkten Konkurrenten "Handelsblatt"hat die FTD, die sich nicht als deutschsprachiger Ableger ihre britischen Schwesterzeitung versteht, eine andere Blattstruktur: Ihr erstes Buch beginnt mit dem Unternehmensteil. Erst dann folgen die Rubriken Politik, Finanzen, persönliche Geldanlage (Portfolio), Management und Leute. "Dass wir mit dem Unternehmensteil beginnen, ist ein Novum in der deutschen Presse", betont Gowers. Das Blatt soll sich durch einige Neuerungen von der Konkurrenz abheben und so eine eigene Marktposition erobern. "Unsere beiden Schlüsselwörter heißen Auswahl und Urteil", sagte Chefredakteur Andrew Gowers. Die FTD werde sich bei einem Umfang von 36 bis 48 Seiten auf die wesentlichen Ereignisse konzentrieren. Bei der Berichterstattung über Konzerne und ihre Macher legt die FTD besonderes Gewicht auf die Wachstumsbranchen Computer, Software, Internet, E-Commerce, Medien, Biotechnologie und Finanzdienstleistungen. "Wir wollen noch schneller auf den Punkt kommen. Unsere Zeitung soll investigativer, prägnanter, internationaler und dadurch besser sein", erklärt der FTD-Chefredakteur. Dafür soll ein Team von 130 Redakteuren sowie rund 500 Korrespondenten und Redakteuren der britischen Schwesterzeitung sorgen. So soll die FTD täglich mit einer Exklusivgeschichte Gesprächsstoff für die Börse liefern. Mit dem Start der FTD können Abonnenten die Zeitung und deren gesamten Inhalte auch direkt über das Internet abrufen, ohne die druckfrische Ausgabe anzuschauen. Sie zahlen dafür denselben Preis wie für eine druckfrische Ausgabe, die per Post zugestellt werden soll. Das Blatt erscheint wie das britische Vorbild auf lachsfarbenem Papier und kostet am Kiosk 2,50 DM. Für die gedruckte Ausgabe ist die Verquickung mit dem Online-Bereich ein wesentliches Bestandteil des Blattkonzepts. Der Grund: Die FTD hat einen deutlich ausgedünnteren Kursteil als andere Tageszeitungen. Denn die Leser der neuen Wirtschaftszeitung sollen ihre Kursinformationen über das Internet per Computer oder über ihr Handy abrufen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben