Zeitung Heute : Die Party fängt erst an

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Profitable Dotcom-Unternehmen? Da können Analysten nur lachen. In der Tat. Die meisten Dotcoms bissen in den vergangenen zwei Jahren ins Gras. Ein paar Überlebende gibt es dennoch und manche machen sogar Kasse. Das Geheimnis? Sie gehören zur richtigen Branche, waren einer der ersten auf dem Markt oder wussten besser hauszuhalten als viele der Start-ups, die Wagniskapital für frivole Parties und Werbe-Gags aus dem Fenster warfen. Von den rund 200 an der Börse gehandelten Internet-Unternehmen, die das Debakel der New Economy überlebten, schreiben inzwische etwa 25 Prozent schwarze Zahlen.

Weitere 15 bis 20 könnten im nächsten Jahr dazu kommen. Unter den Gewinnern finden sich sowohl Unternehmen der Reisebranche wie Expedia.com als auch Online-Broker wie Schwab.com. Mit ein Grund, warum die Online-Reisebranche gutes Geld macht: Flug- und Hotelreservierungen bestehen aus Daten, die keine Transportkosten verursachen. Auch hat sich Expedia, dessen Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 97 Prozent zulegte, mit Hotels.com und Priceline inzwischen das Feld aufgeteilt und Konkurrenz verdrängt oder aufgekauft. Und: Um die schmalen Margen beim Verkauf von Flugtickets auszugleichen, steigen die Unternehmen inzwischen sogar ins lukrativere Geschäft des Pauschaltourismus ein.

Wenn die Medien- und Anzeigenbranche auch schwer danieder liegt, schreiben auch dort inzwischen acht der 50, an der Börse gehandelten Internet-Unternehmen schwarze Zahlen. Darunter finden sich Giganten wie AOL Time Warner, aber auch Arbeitsvermittler Monster.com, eine der populärsten Websites. Im Finanzsektor glänzen Online-Broker wie Schwab.com und E-Trade, auch wenn inzwischen viele Investoren die Finger von der Börse lassen und die Day-Trader, die anfänglich für kräftige Kommissionen sorgten, nahezu ausgestorben sind. Die Branche hat die gleichen Vorteile wie die Reisebranche: Es werden nur Daten übers Netz bewegt.

Wo Güter bewegt werden, führt 1-800 Flowers. com (der nordamerikanische Fleurop) die Liste an. Amazon.com, das als Online-Buchhändler startete und nun indischen Curry ebenso wie Hundefutter anbietet, hofft bis Ende des Jahres dem exklusiven Club beizutreten. Drastische Sparmaßnahmen – Werbekosten sanken von 10,7 Prozent in 1999 auf 3,8 Prozent in diesem Jahr – und wachsender Umsatz sollen dieses Ziel erreichen helfen. Doch nicht alle Analysten sind überzeugt, dass ein Gemischtwarenladen Erfolg verspricht.

Geschickter scheint das Auktionshaus Ebay die Vorteile des Internets umzusetzen: Es ist inzwischen einer der größten Online-Marktplätze, ohne selbst Güter zu bewegen. Es ist nicht nur profitabel (bis 2005 wird ein Umsatz von drei Milliarden Dollar und ein Gewinn von 600 Millionen Dollar angestrebt). Es hat auch keine Schulden. Nun soll auch die Produktpalette erweitert werden. Auf Websites in 14 Ländern soll ein Drittel des Umsatzes durch Festpreisverkäufe statt Auktionen erzielt werden. Missgeschicke passierten jedoch auch bei Ebay. So war das Unternehmen zu langsam, um seinen Kunden den Zahlungsverkehr online zu erleichtern. PayPal, eine Geldtransfer-Firma, war schneller und nahm den Millionenmarkt mit.Rita Neubauer

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