Zeitung Heute : Die Party zieht um

Der Tagesspiegel

„Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen.“

Fast schon zu oft wurde dieser Slogan von „Kraftwerk“, den Geburtshelfern der modernen Dancemusic, verwurstet. Für die Berliner Clublandschaft trifft die Zeile aber noch immer zu. Aktuell in doppelter Hinsicht. Das WMF hat am Freitagmorgen seine Halle an der Ziegelstraße in Mitte geschlossen. Aber der Club will weitermachen. Die sechste Auflage sei bereits in Vorbereitung, sagt WMF-Geschäftsführer Gerriet Schultz, ein neuer Ort bereits gefunden. Traditionell bleibt der jedoch geheim. Allerdings: In diesem Jahr ist mit einer Eröffnung des dann sechsten WMF am neuen Standort wohl nicht mehr zu rechnen. In der Halle hatten es die WMF-Macher länger ausgehalten als geplant. Zuletzt verliefen sich die Gäste jedoch in der weitläufigen Halle. Schultz sieht denn auch die Schließung nur als „Refreshing“ des Clubs: „Das gehört zu unserem Konzept“.

Über die Bemühungen der „No Ufos“ - Veranstalter, endlich in ihrem eigenen Club sesshaft zu werden, sagt die Kraftwerk–Zeile alles. Fünf Jahre lang bauten sie zumeist für ein Wochenende ihr Soundsystem in alten Gemäuern und längst vergessenen Orten auf. Jetzt haben sie sich mit dem „Polar.TV“ zwischen Hamburger Bahnhof und der Baustelle für den Glasbaukasten Lehrter Bahnhof dauerhaft angesiedelt und sind dort noch allein auf weiter Flur.

„Mit viel Glück sind wir auf diese Halle gestoßen“, sagt Karina Mertin von „No Ufos". Gleich nach dem E- Werk-Wochenende im vergangenen Sommer, das „die deprimierendste Erfahrung der letzten Jahre war.“ Sie bauten das altgediente E-Werk über mehrere Wochen um, mussten alle Konzessionen erfüllen und hatten sich in ein finanzielles Abenteuer gestürzt. „Der ganze Aufwand hat nur Verluste eingebracht“, sagt Mertin. Die Frustration steckte noch in den Knochen, da wurde kurze Zeit später den „No Ufos“ eine alte Lagerhalle in der Heidestraße angeboten. Die Suche hat sich letztendlich gelohnt. Die um die Jahrhundertwende entstandene Stückguthalle bietet Platz für zwei große Räume, so dass in dem einen DJs auflegen und in dem anderen elektronische Liveacts auf einer professionellen Bühne spielen. „Wir wollten diese Kombination aus funktionierendem Dancefloor und experimenteller elektronischer Musik im Konzertraum“, sagt Mertin. Zu dem von der DB - Immobilien übernommenen Gelände gehört außerdem noch eine große Freifläche. Hier wollen die „No Ufos“ künstlerische Aktionen veranstalten.

Die futuristische Inneneinrichtung im „Polar.TV“ könnte der Berliner Clublandschaft das i-Tüpfelchen aufsetzen. Ein festes Team so genannter Visual Artists, die sich um die Lichtgestaltung und Videoprojektionen kümmern, wird dabei den Club bespielen. „Mit dem Zusatz ,TV` meinen wir ja, musikalische Inhalte bildlich umzusetzen“, sagt Mertin. Endlich habe man einen Ort, wo Kunst und Clubkultur dauerhaft aufeinander treffen können. krau/oew

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