Zeitung Heute : Die Pferde beherrschen ihr Metier Förderung durch therapeutisches Reiten

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Ein Pferd als idealer Therapeut? Das klingt merkwürdig. Was soll ein Pferd schon besser können als ein Mensch? „Vieles“, ist sich Marco Vohmann vom Betheler Reitstall Enon sicher. Er selbst habe eine Ausbildung zum Heilpädagogen absolviert, gegen seine Pferde könne er aber nicht konkurrieren. „Auftreten, Aussehen, Vorgeschichte und soziale Prägung der Menschen interessiert das Pferd nicht. Es wertet nicht und kennt keine Vorurteile.“ Darüber hinaus seien Therapiepferde, die ihren „Beruf“ erlernt hätten, nervenstark und trotzdem sensibel, nie frustriert und zu allen Menschen gleichermaßen freundlich. Deshalb, so Marco Vohmann, profitieren vor allem verhaltensauffällige, psychisch kranke oder behinderte Menschen vom Heilpädagogischen Reiten.

Wie die Hippotherapie oder der Reitsport für behinderte Menschen ist auch das Heilpädagogische Reiten ein Teilbereich des Therapeutischen Reitens. Alle drei Angebote arbeiten mit dem „Medium Pferd“, haben aber unterschiedliche Zielsetzungen und Zielgruppen. Die Hippotherapie ist Krankengymnastik auf dem Pferderücken. Beim Reitsport für Menschen mit Behinderung steht der sportliche Aspekt im Vordergrund. Heilpädagogisches Reiten ist eine pädagogische Hilfe mit dem Pferd. Der Mensch wird gleichermaßen körperlich, emotional und sozial angesprochen. Ziel ist die individuelle Förderung. Der Bewegungsablauf des Pferdes und seine Körperwärme wirken sich bei epilepsiekranken Menschen sehr positiv auf den Gleichgewichtssinn und das Körpergefühl aus.

Reitpädagogen weisen neben einer pädagogischen Ausbildung auch eine reiterliche Qualifikation vor. Sie suchen die geeigneten Pferde und bilden sie auch aus. „Das Pferd muss ruhig sein, darf nicht beißen und ausschlagen. Den epileptischen Anfall eines Patienten zum Beispiel muss es aushalten können“, sagt Marco Vohmann. Seine Tiere beherrschen ihr Metier, so dass das Reiten ein wichtiger Bestandteil des Therapieangebots in Bethel werden konnte. pivo

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