Zeitung Heute : „Die Philharmonie ist nicht hin“

Im Dachstuhl der Berliner Philharmonie ist am Dienstag ein Großbrand ausgebrochen. Wie ist das Dach des Gebäudes beschaffen, Herr Schubert?

Oberhalb des Hauptsaales gibt es eine feste Decke, darüber baut sich dann eine Holzdecke auf, auf der die eigentliche Dachabdeckung aus Blech angebracht ist. Wenn der Rauch nicht nach oben weg kann, dann drückt er nach unten. Man würde durch Luken von innen in den Dachraum hineinkommen. Aber dazu war offenbar die Rauchentwicklung zu stark. Das Dach ist auch ineinander abgesetzt, es gibt verschiedene Höhen. Das Dach musste nun aufgemacht werden, um zu entlasten. Der Rauch muss so herausgelassen werden, damit man von unten nachstoßen kann.

Der Dach der Philharmonie liegt in 50 Metern Höhe. Kommen da herkömmliche Drehleitern überhaupt dran?

Es gibt einen Wendearm, der dafür geeignet ist, normale Drehleitern kommen aber nicht auf diese Höhe.

Gibt es Sprinkleranlagen im Inneren, mit denen sich Brände leichter löschen lassen?

Die gibt es nicht. Es gibt nur draußen an der Fassade eine Berieselung. Die Fassade besteht aus Kunststoff, der brennbar ist. Der Architekt Hans Scharoun hatte beim Bau auf dieser Fassade bestanden. Die Überlegung war aber: Man kann nicht Tausende Menschen in eine brennbare Hülle einschließen. Ich hatte dann die Idee, eine Berieselungsanlage einzubauen. Es gab auch schon einmal einen Brand an der Fassade, bei dem diese Anlage funktioniert hat.

Und warum gibt es sonst keine Berieselungsanlage?

Der Innenraum der Philharmonie ist insgesamt eher brandlastarm. Der Teppich zum Beispiel ist schwer entflammbar. Es gibt eigentlich nicht vieles, was darin brennen kann.

Wenn Teile der Dachkonstruktion aus Holz sind, kann es dann passieren, dass die Statik des Gebäudes gefährdet ist?

Das kann eigentlich nicht passieren. Die Wärme geht nach oben weg. Dachstuhlbrände sind insgesamt sehr eindrucksvoll, aber nicht sonderlich gefährlich. Ich glaube nicht, dass man jetzt sagen kann: Die Philharmonie ist hin.

Könnte der Rauch giftig gewesen sein?

Da ist mir nichts bekannt. Asbest ist sicherlich nicht verwendet worden. Im Brandfall zersetzt sich Asbest ohnehin nicht.

Karl-Heinz Schubert war stellvertretender Landesbranddirektor bei der Berliner Feuerwehr. Mit ihm sprach Fabian Leber.

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