Zeitung Heute : Die Pläne für den Wiederaufbau gibt es schon

Experten rechnen mit großem Wachstumspotenzial im Irak – Mineralölkonzerne stehen bereit, Bauunternehmen erwarten Aufträge

-

Der Krieg hatte noch gar nicht begonnen. Schon gab es Planungen für den für einen Wiederaufbau des Landes und für die Zeit danach. Die Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI), die sich mit ihrer Analyse auf in der Region tä tige Manager stützt, hält das irakische Wachstumspotenzial nach dem Krieg für „sehr bedeutend“. Mit seinen 23 Millionen Einwohnern und gut ausgebildeten Fachkräften, die während der Sanktionszeit Meisterleistungen bei der Reparatur zerstörter Versorgungseinrichtungen erbrachten, verfüge der Irak über hohe Entwicklungschancen. Außerdem, so meinen die befragten Manager, seien im Irak marktwirtschaftliche Basisstrukturen wie eine funktionierende Börse erhalten geblieben. Vor diesem Hintergrund planen verschiedene Institutionen und Länder bereits Programme zum Wiederaufbau: Die Uno soll dabei eine Schlüsselrolle übernehmen.

Bis jetzt spielt der Irak für die Industrieländer nur eine untergeordnete Rolle als Handels oder Investitionspartner. Allenfalls als Lieferant von Erdöl ist das Land von Interesse. Doch das Embargo der letzten Jahre brachte die Geschäftsbeziehungen praktisch zum Erliegen. Ähnlich erging es der italienischen Eni, die ebenfalls Lizenzen im Irak erworben hatte. Der französische Mineralölkonzern Total war in den90er Jahren mit vorbereitenden Arbeiten auf zwei Ölfeldern tätig. Nach einer Aufhebung des UN-Embargos werde sich das Unternehmen wiederum die Ausbeutung von Ölvorkommen in Irak bewerben. Einen Ausschluss wegen der französischen Irak-Politik fürchtet Total nicht.

Nach dem Willen der USA und Großbritanniens könnte Uno-Generalsekretär Kofi Annan die irakischen Öleinkünfte verwalten. Das „Öl-für-Lebensmittel"-Programm erbrachte dem Irak in den vergangenen acht Jahren Einkünfte von mehr als 60 Milliarden Dollar, die überwiegend für humanitäre Zwecke ausgegeben wurden. Annan könnte nun darüber wachen, dass dieses Geld in den Wiederaufbau fließt. Französische und russische Diplomaten unterstützen diesen Plan. Auch die deutsche Bundesregierung macht sich für die Uno als Organisation stark, die den Wiederaufbau koordinieren soll.

In den USA ist bereits ein Aufbauplan vorgestellt worden, den die Internationale Entwicklungsagentur (AID) im Auftrag der Regierung ausgearbeitet hat. Er umfasst Reparaturen irakischer Häfen, des internationalen Flughafens von Basra und von etwa 2300 Straßenkilometern. Entsprechende Aufträge mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar sollen noch in diesem Monat von der US-Regierung vergeben werden. In dem AID-Plan werden Ziele für das Jahr nach Ende des Krieges genannt. Darunter die medizinische Grundversorgung von 25 Prozent der Bevölkerung des Landes innerhalb von 60 Tagen. Die Gründung von Privatbanken innerhalb von 18 Monaten und die Sicherung der Wasserversorgung in 15 Städten innerhalb von sechs Monaten. Die Bush-Regierung hat keine Angaben dazu gemacht, wieviel der Aufbau kosten wird. US-Experten rechnen mit Kosten zwischen 30 und 105 Milliarden Dollar.

Noch nicht entschieden ist auch der Bauauftrag über 900 Millionen US-Dollar, den Washington vor einigen Tagen ausgeschrieben hatte – natürlich nur für amerikanische Firmen. Einer der Kandidaten ist Halliburton, dessen Vizechef der US- Vizepräsident Dick Cheney war. fo/pf/HB

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben