Zeitung Heute : Die Polizei kommt per SMS

Gerade zur Ferienzeit will man sein Haus gut behütet wissen: Tipps zu Kauf und Einbau von Alarmanlagen

Wenn Ede hebelt, schlägt der Fenstersensor Alarm. Auch eine laute Innensirene verscheucht Einbrecher. Foto: picture-alliance/gms
Wenn Ede hebelt, schlägt der Fenstersensor Alarm. Auch eine laute Innensirene verscheucht Einbrecher. Foto: picture-alliance/gmsFoto: picture-alliance / gms

Ein Kratzen, ein Klirren, dann greift ein Handschuh nach dem Fenstergriff. Der Hund nebenan hebt in seiner Hütte kurz den Kopf, döst dann aber weiter – genau wie die übrigen Nachbarn. Und so machen sich im Schutz der Nacht zwei dunkle Gestalten ans Werk: räumen Schmuckschatullen aus, durchwühlen Schränke, lassen Fernseher und Computer in einem Minivan verschwinden. Und die Hausherren? Schlummern selig in ihren Hotelbetten, während draußen das Mittelmeer an die Costa Brava brandet.

Urlaubszeit ist Einbruchszeit – auch und gerade in Berlin. Nach der Kriminalstatistik 2009 ist die Zahl der Wohnraumeinbrüche in der Hauptstadt im Vergleich zum Vorjahr um 9,7 Prozent gestiegen. In den Grenzregionen Brandenburgs sind derartige Delikte längst Tagesgespräch – bei einer Zunahme von 107,4 Prozent in den Problemgebieten. Wer sein Hab und Gut schützen will, sollte deshalb vorsorgen: mit einer Alarmanlage.

Einbruchsmelder für den Privatgebrauch gibt es inzwischen von vielen Herstellern. In der Regel haben sie ein Telefon- oder GSM-Modul, über das vorbereitete SMS-Texte oder Ansagen versendet werden. Der Preisrahmen für vernünftige Anlagen beginnt bei 500 Euro – nach oben setzt nur die technische Fantasie Grenzen. Der Trend geht dabei zu drahtlos gesteuerten Modellen. Kabelgebundene Anlagen bieten wegen der permanenten Stromversorgung zwar einen höheren Nutzungskomfort. Doch die Verlegekosten sind erheblich. Allein für eine 60-Quadratmeter-Wohnung muss man gut und gerne mit 4000 Euro rechnen, für Häuser noch mit weit mehr.

Egal welches Modell: Zertifizierte Fachbetriebe erledigen die Installation. Heimwerker mit Computer-Geschick dürften sich den Einbau auch selbst zutrauen. Als Talentprobe gilt: Wer einen Video-HD- Receiver auf die Aufzeichnung aller WM-Spiele einschwören kann, montiert und programmiert auch fachgerecht einen Einbruchsmelder. Er muss nur ein paar Regeln beachten.

ZERTIFIZIERUNG

Erstens: auf die richtigen Zertifikate nach VdS Home, Incert oder NCP achten. Drahtlose Anlagen sind inzwischen störsicher genug und ausreichend sabotagegeschützt. Für sie sind im sogenannten Short Range Devices-Band (SRD) oberhalb von 868 MHz mehrere Frequenzen reserviert, die einen verlässlichen Betrieb ermöglichen. Tests haben ergeben, dass zumindest höherwertige Geräte sich auch nicht durch ein sogenanntes „Jammern“ mit einem Störsender irritieren lassen. Händler sollten die Störfestigkeit garantieren können.

GRUNDAUSSTATTUNG

Zweitens: die richtige Grundausstattung wählen. Drahtlose Anlagen sind modular aufgebaut und lassen sich erweitern. Zur Ausstattung sollten je nach Objektgröße ein oder zwei „tiersichere“ Bewegungsmelder gehören, damit Hund oder Katze auf ihren nächtlichen Wanderungen durchs Haus nicht zum Dauerärgernis werden. Türen und Fenster können mit Sensoren überwacht werden. Sie melden mit einem Lichtsignal an der Zentraleinheit, wenn ein Fenster geöffnet ist. Wie segensreich das sein kann, wissen alle, die bei Gewitter schon mal ein offenes Dachfenster übersehen haben.

Zum Ein- und Ausschalten der Anlage dienen Tastatur- oder Schlüsselschalter im Eingangsbereich. Mehr Komfort bieten kleine Handsender, wie man sie von der Autoverriegelung kennt. Die zentrale Steuereinheit der Alarmanlage sollte am Computer einstellbar sein – wobei das Programm am besten selbsterklärend ist und in deutscher Version vorliegt. Im Idealfall können die am PC festgelegten Einstellungen dann mittels USB-Stick auf die Anlage übertragen werden.

Weitere Spielereien wie Kameras, Glasbruchsensoren oder ständige Internetanbindungen können zwar Technik-Freaks begeistern, gehen aber stark ins Geld. Den Schutz der Wohnräume erhöhen sie kaum. Der Beratungsdienst der Berliner Polizei empfiehlt stattdessen, zunächst in die mechanische Sicherung zu investieren und Schlösser und Riegel zu verstärken. Alarmanlagen bieten dann die zusätzliche Absicherung.

STATUSKONTROLLE

Drittens: die Statuskontrolle. Sie ist für den Betrieb das A und O. Die drahtlosen Module von Alarmanlagen werden über Batterien oder Akkus versorgt. Sie müssen mit einer grünen LED ihre Betriebsbereitschaft signalisieren oder mit Rot einen Batteriewechsel fordern. Die Zentraleinheit wird aus dem Stromnetz gespeist und muss einen Akku besitzen, der gegen Stromausfälle absichert. Ohne klar erkennbare Statuskontrolle hätte man nie die Gewissheit, dass alles funktioniert. Rund um die Uhr, jahrelang.

EINSTELLUNG

Regel Nummer vier: die richtigen Einstellungen vornehmen. Alarmanlagen müssen nach dem Einbau kalibriert werden. Fachleute haben das in der Regel schnell im Griff. Der Selfmade-Mann hingegen darf nicht unterschätzen, wie viele Versuche mitunter nötig sind, um die Anlage punktgenau zu justieren. Denn nichts ist lästiger als eine „elektronische Mimose“, die bei jeder Gelegenheit losjammert.

ALARMSIGNALE

Richtig Alarm schlagen lautet vielmehr die Devise. Eine an der Außenwand montierte Leuchte mit Sirene beeindruckt vielleicht die Nachbarn, gewiefte Ganoven werden dagegen nur vorgewarnt. Mehr Sinn macht eine laute Innensirene: 100 und mehr dB(A) dürfen es schon sein, dazu ein Lichtsignal. Aller polizeilichen Erfahrung nach geben Einbrecher auf, wenn sie von dem elektronischen Wachhund „verbellt“ werden. Auch für die eigene Sicherheit ein wichtiger Punkt: Nach der Statistik sind bei jedem zehnten Einbruch die Bewohner im Haus. Deshalb ist ein Nottaster im Schlafzimmer, der den Alarm auslöst, als Zubehör auf jeden Fall zu empfehlen.

Das Herzstück einer zeitgemäßen Alarmanlage ist aber das Telefonmodul, über das mit einem „stillen Alarm“ Hilfe mobilisiert wird. Für verschiedene Situationen – Feuer, Einbruch, offenes Fenster – kann man unterschiedliche Sprachansagen oder SMS vorbereiten, die dann an Nachbarn, Freunde, Hausmeister, aber auch an Sicherheitsdienste, Feuerwehr oder Polizei verschickt werden. Doch Achtung: Für Fehlalarme wird ordentlich Geld verlangt. Daher sollte man sich vorher mit den Dienststellen abstimmen und die Signale nur bei besonderen Gefährdungslagen einrichten.

Manche Alarmanlagen lassen sich auch auf Statusmeldungen programmieren – etwa die tägliche Routine-SMS „Zu Hause alles in Ordnung, guten Urlaub“. Na denn, schöne Tage im Süden!

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