Zeitung Heute : Die Provisionen von Fluggesellschaften schrumpfen - als Ausgleich soll bereits Beratung kostenpflichtig werden

Alexander Ratz

Sonst droht Arbeitsplatzverlust, befürchten die Verbände - Preise bis 100 DM sind in PlanungAlexander Ratz

Wer in Urlaub fahren will, der geht ins Reisebüro. Dort bekommt er, wenn auch nicht immer, so doch oft fachkundige Beratung bis ins letzte Detail - unentgeltlich und ohne Zwang zum Buchen. Der Verbraucher freut sich, in der Branche aber rumort es. Gebühren bis zu 100 Mark für bislang kostenlose Leistungen sind im Gespräch. Hintergrund ist einerseits die Ansicht, dass eine Dienstleistung bezahlt werden sollte. Zum anderen aber stöhnen Reisebüros über immer weniger Provisionen, die sie von Anbietern wie etwa der Lufthansa erhalten.

Der Bundesverband mittelständischer Reiseunternehmen (ASR) befürchtet gar, dass mittelfristig 10 000 Reisebüros mit 30 000 Arbeitsplätzen in Gefahr sind. Nach Angaben von Sprecher Frank Weigand regt sich die Branche derzeit hauptsächlich über die Lufthansa auf. Die will die Provision auf innereuropäischen Flügen vom 1. Januar 2000 an von neun auf fünf Prozent, die für Interkontinentalreisen von neun auf sieben Prozent drücken und dafür leistungsorientierte Komponenten einführen. Die möglichen Verluste müssten sich Reisebüros dann beim Kunden zurückholen, sagt Weigand. "Wir sehen die Gefahr, irgendwann gezwungen zu werden, Gebühren zu erheben."

Beim Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) wird derzeit eine Empfehlung für eine Gebührenerhebung diskutiert. Laut Geschäftsführer Leonhard Reeb soll eine interne Kommission bis Ende September eine Entscheidung darüber getroffen haben. Fest steht jedenfalls, dass Gebühren ausschließlich Individualreisen und nicht den Pauschaltourismus betreffen würden. Wer bucht, der bekommt die Gebühr mit dem Reisepreis verrechnet. Kunden, die nicht buchen, sollen für ein komplett zusammengestelltes Reiseangebot bis zu 100 Mark zahlen.

Damit können sogar Verbraucherschützer grundsätzlich leben. Dirk Klasen von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Bonn betonte allerdings, die Höhe des Entgelts müsse transparent sein. Zudem sei mit Stichproben zu prüfen, ob die Beratungsqualität eines Reisebüros die Gebühr rechtfertige. Dass der Kunde aber für einen Konflikt zwischen Anbietern und Reisebüros wie bei den Provisionskürzungen gerade stehen solle, sei nicht akzeptabel.

Wie die Lufthansa will auch die Deutsche Bahn die Provisionen ändern. Dazu verhandelt das Unternehmen derzeit mit den Reisebüros. Nach Auskunft von Martin Katz, Sprecher der DB Reise & Touristik, liegt die bis Ende des Jahres gültige Provision bei durchschnittlich zehn Prozent. Die Bahn wolle keine simple Reduzierung, sondern plane ein differenziertes System. So sollen bei saisonalen Angeboten höhere Prozentsätze gezahlt werden als bei normalen Tickets, die sich der Kunde aus dem Automaten besorgen könne. Bis zum 1. Januar jedenfalls soll sich bei Bahn und Lufthansa nichts ändern. Danach aber könnten die Gebühren in den Reisebüros flächendeckend kommen. Offenbar am weitesten dabei ist die Lufthansa City Center (LCC), die laut Fachzeitschrift "FVW International" schon eine Empfehlung an ihre Franchisenehmer ausgesprochen hat.

Danach sollen die LCC-Reisebüros für Angebotserstellungen und Dienstleistungen Gebühren verlangen. Die unverbindliche Richtlinie empfehle etwa ein Entgelt von 25 Mark für die Vermittlung eines Hotels und von 50 Mark für die Beschaffung eines Visums. Eine LCC-Filiale in Frankfurt am Main bestätigte dies. Dort werden nach Angaben einer Mitarbeiterin für eine Bahnauskunft fünf Mark verlangt und für andere Dienste je nach Arbeitsaufwand zwischen zehn und 100 Mark.

Andere Unternehmen halten sich bedeckt. Der Sprecher der Hapag Touristik Union (HTU), Mario Köpers, betonte, die Thematik sei zwar ein "alter Hut", wegen der Provisionsfrage aber wieder akut. Die HTU habe entgegen anders lautender Berichte jedoch noch keine Entscheidung über generelle Servicegebühren bei ihren Reisebüro-Töchtern First, Hapag Lloyd und TUI-ReiseCenter getroffen. Auch die Deutsche Reisebüro GmbH (DER) hat noch keine konkreten Planungen, ob, wann und in welcher Form generelle Servicegebühren eingeführt werden sollen. Allerdings werde das Thema diskutiert, sagte DER-Sprecherin Antje Zimmermann.
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