Zeitung Heute : Die Psion-Flaggschiffe der Serie 5mx PRO sind Minicomputer für hohe Ansprüche

Holger Schlösser

Wer etwas auf sich hält, hält seine Daten in der Hand. Das neue Kultgerät der Informationsgesellschaft ist klar der Handheld-Computer. Auch wenn PDA-Pionier Psion gegenüber der Konkurrenz von Palm Pilot und Windows CE einen schweren Stand hat, die Mini-Rechner made in britain haben Kultcharakter.

Psion-Besitzer wollen das Büro im Taschenformat. Schon der Einstiegspreis von knapp 1600 Mark für den aktuellen Psion Serie 5mx PRO signalisiert: Hier wird schwer gearbeitet, mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank, Fax und E-Mail - alles bereits vorinstalliert.

Dank der hervorragenden Tastatur, die sich beim Aufklappen aus dem Gehäuse schiebt, kann man mit diesen Office-Programmen fast wie auf einem kleinen Notebook arbeiten. Der Anschlag ist überraschend weich, wenngleich man sich auf das Tippen mit zwei Fingern beschränken muss. Leider versäumten die Macher, eine echte deutschsprachige Tastatur zu bauen, so dass man nach Umlauten und geläufigen Sonderzeichen oft suchen muss. Spaß macht der Touchscreen, der sich mit einem Stift oder schnell mit dem Zeigefinger bedienen läßt, wenn auch die 16 Graustufen, die er darstellen kann, nur wenig überzeugen.

Neben der Tastatur ist die Office-Kompatibilität ein Pluspunkt des Psion. Die Kommunikation mit PCs, Mobiltelefonen und Modems ist denkbar einfach. Zum Lieferumfang gehört eine Docking-Station und die PC-Connectivity-Software PsiWin. Mit Hilfe dieser Software lassen sich E-Mails, Kontakte und Termine leicht auf dem PC sichern und mit den entsprechenden Anwendungen des PCs abstimmen. Ist der Psion verbunden, taucht im Windows-Explorer neben dem Laufwerk des PCs auch der Psion auf. Dokumente können einfach von einem Ort zum nächsten hin und hergezogen werden und - falls gewünscht - ins Microsoft Word-Format konvertiert werden. Noch einfacher wird es, wenn man die Kommunikationsfunktionen des Psion mit den Mobiltelefonen der neuen Generation kombiniert. Diese Telefone haben integrierte Infrarot-Modems, die mit dem Psion über dessen Infrarotschnittstelle kommunizieren können.

Unverständlich ist jedoch, warum der WAP-Browser für den Psion nur vage für das erste Quartal 2000 angekündigt ist. Bei den mageren Übertragungsraten, die derzeit übers Handy möglich sind, ist WAP schließlich eine echte Alternative zum Surfen durch das World Wide Web. Bei den elektronischen Assistenten haben die beiden Organizer Ericsson MC218 und Compaq Aero 1520 einen solchen bereits an Bord. Zum Abrufen von E-Mails reicht allerdings die heutige Geschwindigkeit aus, da die Software zunächst die Betreffzeile und Absender der E-Mail herunterlädt. So kann man gezielt wichtige Mails von Web-E-Mails unterscheiden, bevor man eine teure Verbindung zum Provider über das Handy aufbaut.

Mit einem Hauptspeicher von 32 Megabyte (MB) lassen sich auf dem neuen Psion auch umfangreichere, Java-basierte Anwendungen nutzen - ein Feature, dass ihn von seinem Vorgänger unterscheidet. Das bietet natürlich Platz für Tausende von Adressen und DIN-A4-Textseiten. Mit Hilfe der kompakten Memory-Cards kann der Speicher darüber hinaus um derzeit bis zu 96 MB erweitert werden.

Das sind Features, die das Gerät schon fast in die Preisregion von Notebooks katapultieren. Knapp die Hälfte dessen, was das Psion-Flaggschiff kostet, muss man für den kleinen Bruder, den Psion Revo, auf den Tisch blättern. Der Organizer mit dem ausgefallenen Design ist kleiner und flacher und passt einfach in die Hemdentasche. Der Speicher ist nur 8 MB groß und auch auf einen Slot für Memory-Cards wurde verzichtet. Immerhin gibt es eine Infrarotschnittstelle. Bei der mitgelieferten Software gibt es glücklicherweise kaum Unterschiede. Nur 200 Gramm leicht, bietet der Psion Revo sowohl die klassischen Anwendungen wie Textverarbeitung, Kalender, Adressdatenbank als auch ein E-Mail-Programm und einen Webbrowser.

Die winzige Tastatur ist gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber überraschend gut und schlägt die Texteingabe bei normalen PDAs um Längen. Der Revo verfügt über einen Touchscreen mit klarer und kontrastreicher Darstellung, hat allerdings keine Hintergrundbeleuchtung. Das System enthält zwei wiederaufladbare Akkus, die für eine Woche normalen Gebrauch ausreichen.

Fazit: Das Flaggschiff von Psion, die Serie 5mx PRO, erinnert weniger an einen Organizer als an ein Notebook im Westentaschen-Format. Das hat allerdings seinen Preis und auch das entsprechende Gewicht. Der Revo dagegen ist auch von seinen Ausmaßen bei den PDAs à la Palm Pilot oder Windows CE angesiedelt und ist dank seiner überdurchschnittlich guten Tastatur eine echte Alternative zur Konkurrenz. Der Psion 5mx PRO kostet mit einem Speicher von 32 MB und einer CompactFlash-Card mit 16 MB etwa 1599 Mark, der Revo ist zum Preis von etwa 899 Mark im Handel.Aus der Serie "Minicomputer Im Handflächenformat"

Weitere Daten im Internet unter

www.psion.de

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