Zeitung Heute : Die Regierung plante in besten Lagen für ihre Bediensteten. Da die Bonner nicht mieten, dürfen nun Berliner rein

Thomas Askan Vierich

Wer das nötige Kleingeld hat, um sich die schönsten Ecken Berlins aussuchen zu können, der vergleicht die Hauptstadt mit einer Uhr. Der Norden ist 12 Uhr, der Süden 6 Uhr und der Westen 9 Uhr. Die beliebtesten und teuersten Gegenden liegen auf der Berliner Uhr in den frühen Abendstunden.

In den vergangenen Jahrzehnten war Bauland zwischen 6 und 9 Uhr dünn gesäht. Doch seit dem Abzug der US-Army kam Bewegung in den exklusiven Immobilienmarkt in Zehlendorf und Dahlem. Die Flächen, auf denen die Amerikaner einst ihre Kasernen hatten, fielen an den Bund. Der plant hier für seine Bediensteten überwiegend Wohnparks der gehobenen Preisklasse. Da jedoch die Nachfrage der Neu-Berliner aus Bonn weit hinter den Erwartungen zurückbleibt, können mittlerweile auch Nicht-Bundesbedienstete kaufen oder mieten.

Bereits bezugsfertig sind die 70 Eigentumswohnungen in neun Stadtvillen auf dem Gelände des ehemaligen amerikanischen Soldatensenders AFN (2; diese wie alle anderen Ziffern auf der Seite beziehen sich auf die Lagekarte auf Seite B 2 der Beilage Wohnparks in dieser Ausgabe). Die Haschtmann Baubetreuungs-Gesellschaft konnte bereits während der Bauphase alle Wohnungen an private Kapitalanleger verkaufen. Zunächst sollten nur Bonner hier einziehen dürfen, doch nun gab die Oberfinanzdirektion 16 Wohnungen an der Saargemünder Straße für alle Mietinteressenten frei. Dabei handelt es sich um Wohnungen mit zwei Zimmern und einer Größe von 63 oder 67 Quadratmetern sowie Dreizimmerwohnungen mit etwas über 80 Quadratmetern. Wohnungen im Erdgeschoss verfügen über einen eigenen kleinen Garten. Der Mietzins für den Quadratmeter im Erdgeschoss liegt etwas über 16 DM kalt, im erstenStock bei 17,80 DM. Die Dachgeschosswohnungen sind bereits alle vergeben.

Einige hundert Meter weiter westlich von der Saargemünder Straße beginnt der Grunewald. Dort baut die Gehag für den Bund zwei Siedlungen: "Am Petersberg" (3) im Hüttenweg 51 und "Am Grunewald" (4) in der Straße Am Waldfriedhof. Die ersten Rohbauten stehen. Wer nicht beim Bund beschäftigt ist, kann in der Anlage "Am Petersberg" noch 28 Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfzimmerwohnungen mit 65 bis 118 Quadratmetern Wohnfläche erwerben: für knapp 5800 DM pro Quadratmeter. Die Wohnungen "Am Grunewald" gab die Oberfinanzdirektion nicht frei. Der Gehag zufolge könnte dies Anfang 2000 erfolgen.

Bezugsfertig ist ein kleinerer Wohnpark der Gehag an der Walterhöferstraße (8) südlich der S-Bahn in Zehlendorf. Die Gehag konnte von den 18 Wohnungen in drei Stadtvillen die Hälfte an Kapitalanleger verkaufen. Die Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen sind 65,13 Quadratmeter und 98,73 Quadratmetern groß und kosten nach Abzug der Subventionen durch den Bund 4600 DM bis 5000 DM pro Quadratmeter, jeder Berliner kann hier mieten für 16 DM kalt pro Quadratmeter und Monat.

Den größten Wohnpark im Süden plant die Berliner Eigenheimbau GmbH auf dem 40 000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Bezirksgärtnerei Tiergarten an der Dahlemer Königin-Luise-Straße / Ecke Im Winkel. Der Baubeginn für die 28 Einfamilien-Reihenhäuser, 44 Eigentumswohnungen und 129 Mietwohnungen samt Tiefgaragen und Privatstraße hatte sich wegen Problemen bei der Grundstücksübertragung immer wieder verzögert. Jüngst stimmte das Abgeordnetenhaus dem Verkauf des landeseigenen Grundstücks an den Bund zu. Noch im Herbst möchte Projektleiter Dino Kirchmeier die alten Gewächshäuser abreißen lassen. Der Hochbau soll im kommenden Frühjahr beginnen, im Sommer 2001 wäre dann alles fertig.

Da das Grundstück dem Bund gehört, haben Bundesbedienstete Vorrang bei Erwerb oder Miete. 60 Prozent der Reihenhäuser gingen an Bundesbedienstete. Das Reihenhaus mit Dachterrasse und 140 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche kostet zwischen 900 000 und 950 000 DM. Von den Eigentumswohnungen in freistehenden Stadtvillen blieben nach dem Vergabeverfahren der OFD mehr als die Hälfte übrig. Alle Wohnungen sind mit Fußbodenheizung und Parkettböden ausgestattet und kosten im Schnitt 7000 DM pro Quadratmeter. Wie viele der Mietwohnungen an den Markt gehen, ist noch offen. Sie werden etwa 16 DM pro Quadratmeter kalt kosten.

Nicht alle Bauvorhaben in Zehlendorf subventioniert der Bund. Einige Bauträger errichten Wohnparks, bei denen Bundesbedienstete kein Erstkaufsrecht haben. Auf dem Gelände des ehemaligen amerikanischen Document Centers, am Wasserkäfersteig (6) in der Nähe der Krummen Lanke, baut und saniert Hochtief. Der Konzern erwarb das Grundstück von der Post, nicht vom Bund. Die Wohnungen im sanierten Altbau aus den 30er Jahren sind alle verkauft: für rund 6000 DM pro Quadratmeter. Die ruhige Lage im Grünen sei so schön, dass hier jeder gerne selber wohnen möchte, wirbt Projektleiterin Uta Küchler.

Neben dem Altbau entstehen drei Stadtvillen mit Eigentumswohnungen. Zehn Reihenhäuser, 107 bis 140 Quadratmeter groß, mit einer Galerie im 3. Stock ergänzen das Ensemble. Der Quadratmeter in den Neubauten kostet zwischen 7000 DM und 8000 DM. Dafür bekommt der Käufer eine Fußbodenheizung, auf Wunsch ein Marmorbad und kann im Wohnbereich zwischen Buchen- und Eichenparkett wählen.

Solche exklusive Eigentumswohnungen in Stadtvillen baut auch die Botag in der Roonstraße (1). Sie ist typisch für Zehlendorf: Von großen alten Bäumen gesäumt, reihen sich hier die Villen aneinander. 15 Prozent der Wohnungen konnte die Botag verkaufen. Im November soll die erste Musterwohnung in der größten der sieben Villen fertig sein. Zu den Interessenten gehören laut Botag Mitglieder des Hockey- und Tennisvereins "Zehlendorfer Wespen". Er unterhielt auf dem Gelände früher Tennisplätze. 7300 bis 8500 DM müssen die Tennisspieler für den Quadratmeter Wohneigentum bezahlen. Kapitalanlegern bietet die Botag Mietgarantien. Wie hoch die Mieten sein werden, steht noch nicht fest. Um die 20 DM kalt dürften es sein.

In der Zehlendorfer Glockenstraße herrscht eine ähnlich großbürgerliche Atmosphäre wie in der Roonstraße. Hier errichtet RI Wohnungsbau Schröer Stadtvillen mit Eigentumswohnungen (5). Vor einigen Wochen war Baubeginn; im Sommer 2000 sollen die ersten Wohnungen fertig sein. Wer jetzt schon kauft, kann noch Einfluss nehmen auf die Gestaltung der Grundrisse nehmen. Wer möchte, kann seine Wohnung zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 7700 DM über zwei Etagen anlegen oder zwei kleinere Einheiten zu einer großen, repräsantiven zusammenlegen.

Besonders an diesem Wohnpark ist auch der Conciergedienst. Der kostenpflichtige Service befreit wie in einem Hotel die Bewohner vom täglichen Mühsal: Ein Chauffeur holt den Ehepartner vom Flugplatz ab oder bringt den Smoking zur Reinigung. Der Service ist ausbaubar bis zur altengerechten Betreuung in der eigenen Wohnung. Konkurrenz macht erfinderisch.

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