Zeitung Heute : Die richtigen Triebe kappen

An frostfreien Tagen bekommen Obstbäume ihren Winterschnitt. So tragen sie mehr Früchte und bilden eine schöne Krone

Mut zur Lücke. Ein Auslichten ist auch wichtig, damit die Früchte genug Sonne bekommen. Außerdem trocknet die Krone nach einem Regenschauer schneller, was wiederum Pilzbefall verhindert. Foto: picture alliance/Arco Images
Mut zur Lücke. Ein Auslichten ist auch wichtig, damit die Früchte genug Sonne bekommen. Außerdem trocknet die Krone nach einem...Foto: picture alliance / Arco Images G

Frostfreie Tage im Winter sind gut geeignet, um im Garten verschiedene Arbeiten zu erledigen: Komposthaufen umsetzen, das letzte Gemüse wie Grünkohl, Porree oder Rosenkohl ernten oder junge Obstbäume zum Schutz gegen Wildverbiss mit Manschetten aus Maschendraht oder Kunststoff schützen. Eine wichtige Arbeit ist auch der Winterschnitt bei Obstbäumen – mit Ausnahme von Steinobst wie Pfirsichen, Kirschen, Pflaumen und Aprikosen; sie werden erst im Sommer geschnitten.

Zunächst unterscheidet man zwischen Pflanz- und Erziehungsschnitt. Der Pflanzschnitt erfolgt bei Herbstpflanzung ab Ende Februar. Bei Frühjahrspflanzung wird gleich im Anschluss geschnitten. Er dient dazu, die Grundlage für eine gut aufgebaute Krone zu schaffen. Man belässt dabei einen senkrechten Trieb als Leittrieb und drei gut verteilte Triebe als Leitäste. Sie schneidet man etwa einen Zentimeter über einer nach außen zeigenden Knospe kräftig zurück. Um das Wachstum der Leittriebe zu bremsen, bindet man sie waagerecht.

Wurde der Pflanzschnitt fachgerecht durchgeführt, erfolgt etwa fünf bis acht Jahre lang im Winter der Erziehungsschnitt. Dabei werden alle Konkurrenztriebe sowie zu dicht stehende entfernt. Auch Triebe, die auf den Oberseiten der Äste wachsen, schneidet man ab. Anschließend bindet man neu gebildete Triebe waagerecht, sofern sie nicht bereits waagerecht stehen. Anschließend schneidet man Mitteltrieb und Leitäste zurück.

Die Stärke des Rückschnitts hängt von der Wuchsstärke ab. Sein Sinn liegt darin, möglichst alle Knospen entlang der Triebe zum Austreiben anzuregen. Schneidet man zu zaghaft, treiben nur die obersten Knospen aus und der Leitast bildet zu wenig Fruchtholz. In den folgenden Jahren erfolgt der Rückschnitt nach dem gleichen Prinzip. Dazu kommt, dass man an den Leitästen nach und nach Seitenäste erziehen muss.

Als Faustregel gilt: je Leitast drei Seitenäste, die nach links, nach rechts und nach vorn gerichtet sein sollen. Beim jährlichen Erziehungsschnitt werden alle Konkurrenztriebe am Mitteltrieb sowie an den Leit- und Seitenästen entfernt. Auch steil aufrecht stehende Jungtriebe an der Oberseite der Äste schneidet man ab. Stehen sie etwas schräg, kann man sie waagerecht binden und so zu Fruchttrieben umfunktionieren. Allerdings muss dafür genügend Platz sein.

Anschließend schneidet man alle Verlängerungstriebe von Stamm, Leit- und Seitenästen zurück. Als Faustregel gilt: Schwache Triebe werden um die Hälfte, kräftige um ein Drittel zurückgeschnitten. Wichtig ist dabei immer, oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe zu schneiden. Auf diese Weise bildet sich ein Baum mit gut aufgebauter Krone aus Mittelast, drei kräftigen Leitästen und zahlreichen Seiten- und Fruchtästen.

Winterschnitt ist auch bei älteren Obstbäumen wichtig, bei denen die Krone im Laufe der Jahre zu dicht geworden ist und die Früchte nicht ausreifen, weil sie zu wenig Sonne erhalten. Ein Auslichten der Krone dient im Übrigen auch dem Pflanzenschutz. Denn lichte Kronen trocknen nach sommerlichen Regenfällen schneller, Feuchtigkeit liebende Pilzkrankheiten finden so weniger Angriffsfläche.

Diese Arbeiten können bis in den März hinein erfolgen, sofern die Temperaturen nicht unter minus fünf Grad Celsius fallen. Zunächst werden alle dürren und kranken Äste entfernt. Anschließend schneidet man alle Äste heraus, die sich überkreuzen oder zu dicht auf anderen aufliegen. Ist die Krone sehr verwahrlost, muss kräftig ausgelichtet werden. Diese Arbeit verteilt man am besten auf zwei bis drei Jahre, um die starke Bildung von Neutrieben – auch Wasserschosser genannt – zu reduzieren. Vorrang hat dabei, hohe Kronen auf tiefer stehende Äste herabzusetzen. Anschließend beseitigt man das dichte Gewirr von Trieben, mit dem Ziel, eine lichte, durchlässige Krone zu erreichen. Eine ideale Kronenform erreicht man zwar nicht mehr. Aber vor allem kommt es darauf an, dass ausreichend Licht und Sonne in das Kroneninnere vordringen. Nach getaner Arbeit sollte die Krone dann eine stumpf-pyramidale Form bekommen haben.

Ist der Baum überaltert, trägt nur noch kleine Früchte oder bringt kaum noch Neutriebe, erzielt man durch Auslichten keine vernünftige Krone mehr. In diesem Fall sollte man den Baum radikal verjüngen. Dazu können starke Äste bedenkenlos um ein Drittel bis zur Hälfte auf nach außen stehende Nebenäste zurückgeschnitten werden. Die Krone hat danach die Form einer Pyramide. Größere Wunden, die durch Sägen entstanden sind, schneidet man an den Rindenpartien nach und bestreicht die Wunden mit Baumwachs.

Der Baum wird in der folgenden Saison sehr kräftig austreiben. Deshalb muss man im nächsten Winter mit dem Neuaufbau der Krone durch Auslichten beginnen. Dabei schont man alle flachen, nach außen zeigenden Triebe und schneidet alle nach innen gerichteten sowie steil aufwärts stehenden Triebe weg. Nun muss man in den folgenden Jahren nach dem oben beschriebenen Prinzip des Erziehungsschnittes dem Baum wieder eine luftige Krone geben, die reichlich Fruchtäste bildet.

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