Zeitung Heute : "Die Risiken werden abgewälzt"

In Elstal sollen Mieter den Bereitstellungspreis f

In Elstal sollen Mieter den Bereitstellungspreis für Warmwasser auch für leer stehende Wohnungen mit tragen. Ist das zulässig?

Nein, weil das Risiko des Vermieters auf den einzelnen Mieter abgewälzt wird. Dieser kann die Kosten aber gar nicht beeinflussen.

Bei solchen Wärmelieferverträgen müssen die Mieter ja auch die Wartung der Anlagen, die Verwaltung und den Gewinn, den der Wärmelieferer machen will, bezahlen. Sind sie generell teurer für die Mieter?

Das denkt man immer, aber das Geschäft der Wärmelieferanten ist gerade die kostengünstige Bereitstellung von Wärme. Dennoch empfehlen wir Vermietern immer, die Kosten im Vergleich zu ermitteln. Sie sollten eine Ausschreibung zwischen verschiedenen Wärmelieferanten machen und dann die Angebote mit einer Versorgung durch den Eigentümer vergleichen.

Wenn ein Wärmelieferant die Heizungsanlage saniert, darf er die Investitionskosten auf die Betriebskosten abwälzen?

Nach der Heizkostenverordnung ist das zulässig. Und damit steigen die Betriebskosten gegenüber einer normalen Versorgung durch den Vermieter. Würde der Vermieter selbst die Heizungsanlage erneuern, würde sich das auf die Kaltmiete auswirken.

Wie seriös sind Wärmelieferanten?

Einige schwarze Schafe agierten am Markt auf Kosten der Mieter. Aber es gibt Energiedienstleistungsprojekte, wo Mieter eine komfortable, hochmoderne und kostengünstige Heizungsanlage bekommen. Dafür gibt es B.E.ST., den Berliner Energiedienstleistungsstandard. Der soll die Umweltvorteile einer modernen Energieversorgung mit der sozialverträglichen Gestaltung von Wärmelieferprojekten koppeln.

Was heißt sozialverträgliche Gestaltung?

Die Gesamtwarmmiete darf bei einer Versorgung durch Energiedienstleister die Summe nicht übersteigen, die eine herkömmliche Versorgung durch den Gebäudeeigentümer kosten würde.

Sind Direktverträge zwischen Lieferanten und Mietern wie in Elstal die Regel?

Nein. Das strebt die Wohnungswirtschaft zwar an, um sich vom gesamten Betriebskostenmanagement und dem Inkasso-Risiko zu entlasten. Aber es ist nicht üblich.

Bringt das Wärme-contracting denn außer Erleichterungen für den Vermieter und Arbeitsplätze in einer neuen Branche auch Energieeinsparungen?

Im Normalfall hat ein Vermieter kein großes Interesse, eine verbrauchsgünstige Heizung zu betreiben, weil der Mieter so oder so die Betriebskosten trägt. Beim Wärmelieferanten wirken die Brennstoffkosten dagegen direkt auf sein Betriebsergebnis. Je weniger Energie er verbraucht, desto geringer sind seine Kosten. Von daher hat er ein klares Interesse, eine möglichst verbrauchsgünstige Heizungsanlage zu betreiben. Was nicht heißt, dass er nicht gleichzeitig möglichst viel Wärme verkaufen will.

Was erhoffen Sie sich von dem Programm B.E.ST.?

B.E.ST. soll das Modernisierungstempo bei Heizungsanlagen im Gebäudebestand erhöhen. Wir haben dies im vergangenen Jahr in Modellprojekten erprobt. Die haben alle dazu geführt, dass ökologisch vorteilhafte und kostengünstige Versorgungslösungen initiiert werden konnten, die sonst in diesem Umfang nicht möglich gewesen wären. Bei der Genossenschaft Bremer Höhe in Prenzlauer Berg wurde zum Beispiel vor kurzem für deren 500 Wohnungen eine Versorgungslösung in Betrieb genommen, die eine kombinierte Wärme- und Stromversorgung durch ein kleines, dezentrales Blockheizkraftwerk beinhaltet. Hier wurde im harten Wettbewerb der Anbieter die kostengünstigste und ökologischste Anlage ausgesucht.

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