Zeitung Heute : Die RTL-Comedy-Serie über die Schröders sorgt für Verstimmung im Kanzleramt

Oliver Küch

"Wie war ich, Doris?", die erste Fernsehserie über einen deutschen Bundeskanzler, die auch das Privatleben des Regierungschefs nicht aussparen will, hat zu einer Verstimmung zwischen dem Bundeskanzleramt und dem Kölner Privatsender RTL geführt. Obwohl Bundeskanzler Schröder kürzlich verärgert ein mit dem Sender vereinbartes Interview abgesagt hat, will RTL die Serie nicht verändern. Sie soll im Herbst wie geplant ausgestrahlt werden. RTL-Pressesprecher Wolfgang Osinski sagte auf Anfrage: "Der Kanzler regiert vielleicht die Bundesrepublik, aber nicht RTL."

RTL-Chefredakteur Hans Mahr sagte dem Tagesspiegel, man habe mit "einigem Amüsement aber auch mit Betroffenheit reagiert". "Jeder ärgert sich mal. Auch ein Kanzler", sagte er. Doch Mahr betont, dass die Reaktion "nicht fair" und der Ärger in diesem Fall wohl mit dem Kanzler "durchgegangen sei". Die Absage eines politischen Interviews wegen "einer Satire-Sendung, deren Inhalt noch nicht bekannt ist", dokumentiere eine "neue Art des Verständnisses von Politik und künstlerischer Freiheit, von dem wir nicht glauben, dass es das Ihre ist", heißt es in einem Brief der RTL-Geschäftsführung an Schröder. Darin wird der Kanzler gebeten, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. Der geplante RTL-Sechsteiler befaßt sich in humorvoller Weise mit den politischen Verhältnissen in Berlin.

Als das Kanzleramt vor einer Woche von den RTL-Plänen erfuhr, hieß es aus dem Bundespresseamt zunächst, man wolle erst eine Stellungnahme abgeben, nachdem die erste Sendung gezeigt worden sei. Doch schon sechs Tage später kam die heftige Reaktion, ohne dass man im Kanzleramt die Serie je gesehen hat. Noch von seinem Urlaubsort in Italien aus sagte Schröder das für kommenden Dienstag geplante Interview unter Hinweis auf die Comedy ab.

Schröder, so teilte sein Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye mit, sei "milde gesagt verärgert", weil er befürchte, dass seine Frau Doris mit in die politische Auseinandersetzung hineingezogen werde. Damit, so Heye, "sei eine Grenze überschritten worden".

Das sieht man in Köln nicht so. Beispiele aus dem Ausland zeigten, dass man dort mehr Humor besitze. In der britischen Puppen-Serie "Spitting Image" sei Margaret "Maggie" Thatchers Gatte ja auch stets als Betrunkener dargestellt worden, und in "Hurra Deutschland" (WDR) war auch eine Hannelore Kohl zu sehen, sagte Mahr: "Selbst der dünnhäutige Kohl hat damals nicht derartig reagiert." FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle versicherte Sat 1, er werde dem Sender trotz "Veräppelung" in der Sat 1-Wochenshow weiterhin Interviews geben.

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