Zeitung Heute : Die Rückkehr der Korbball-Ritter

Der Tagesspiegel

Mach’ mal Pause – Coca-Cola? Das mag für gewöhnlich Sterbliche gelten, für einen der Harlem Globetrotters gilt es nicht. Schon gar nicht für Meadowlark Lemon, in den sechziger Jahren der Clown der Truppe. Ein vergilbtes Foto im Tagesspiegel aus dem Juni 1963, das einstimmen sollte auf den Doppelauftritt der Globetrotters in der Deutschlandhalle, zeigt ihn in voller Aktion beim Umdribbeln der Gegner, übers ganze Gesicht strahlend, als wäre das ein Riesenspaß, dazu kostümiert mit einem Schlapphut und in der Linken eine Cola-Flasche. Was könnte die damalige Rolle der legendären Basketball-Mannschaft als Symbolfiguren des American Way of Life besser illustrieren?

Längst sind die Globetrotters Stammgäste in Berlin, heute kommen sie erneut in die Stadt ihres deutschlandweit größten Triumphs: Vor 75 000 Zuschauern waren sie 1951 im Olympiastadion aufgetreten, das ist seither Basketball-Freiluftrekord in Deutschland. Korbball dürfte hierzulande damals noch der üblichere Name für diesen Sport gewesen sein. Spiele unter offenem Himmel waren nicht ungewöhnlich, das Zeitungsarchiv verzeichnet Auftritte bei Rot-Weiß in Grunewald oder in der Waldbühne, wo früher ja auch geboxt wurde. Die Deutschlandhalle war immer wieder Spielort der Globetrotters, selbstverständlich auch der Sportpalast oder die Eissporthalle, wo sich 1975 eine Harlem-Auswahl der Herausforderung der Truppe des Soldatensenders AFN stellen musste. Keine Frage, wer den Kürzeren zog.

Showeinlagen gehörten schon immer zum Spiel der Globetrotters, ob in der Arena oder außerhalb, wo sich einer wie Meadowlark Lemon schon mal mit zwei kleinen Hunden den Ball zuwarf. Ballzauberer, Ballkünstler, Ballartisten – die Ehrentitel, die der Mannschaft verliehen wurden, lassen schon ahnen, dass es hier um anderes geht als nur um schweißtreibende Leibesübungen. Wobei die große Bedeutung des Spaßfaktors bei Auftritten der Globetrotters keineswegs bedeutet, dass es nicht allesamt Top-Athleten sind. Man nehme nur einen wie Michael „Wild Think“ Wilson, unter den Stars der aktuellen Showmannschaft der Guinness-Rekordler: 1997 erreichte er beim „slam dunk“ – so heißt die Kunst der langen Kerle, den Ball von oben in den Korb zu hämmern – 11 Fuß, 11 Zoll, später wurden es sogar 12 Fuß. Das sind gut 3,65 Meter.

Und noch ein Weltrekord ist den Globetrotters kaum zu nehmen: Sie sind das reiselustigste Team der Welt, mit 115 Ländern, die seit der Gründung 1927 besucht wurden. 120 Millionen Fans haben die Auftritte der Globetrotters gesehen.

Derzeit touren die Basketballer samt mitgebrachtem Gegner für sechs Wochen durch Europa, besuchen nach dem Deutschland-Gastspiel erstmals auch Estland und Lettland. Gefeiert wird das 75-jährige Jubiläum der Globetrotters, die 1993 von dem Ex-Spieler Mannie Jackson gekauft wurden und seither wieder auf Erfolgskurs sind. Möglich, dass sich der eine oder andere Fan auf das Spiel durch eine Stunde vor einem alten Flipper-Gerät einstimmen wird. 1979 hatte die Spielgerätefirma Bally ein Gerät „Harlem Globetrotters on Tour“ vorgestellt, das in der Szene als „zeitloser und gefragter Klassiker“ gilt. Wenn es zum Globetrotter also nicht reicht, dann vielleicht zum Pinball Wizard. Andreas Conrad

Heute, 19 Uhr, Max-Schmeling-Halle

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