Zeitung Heute : „Die russischen Truppen müssen weg“

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Herr Botschafter, Präsident Putin will den KSE-Vertrag aufkündigen. Ihr Land ist davon unmittelbar betroffen. Haben Sie Angst vor Russland?

Wir haben nur ein Problem mit Russland, und das heißt Transnistrien. In diesem Teil unseres Landes stehen nach wie vor 1500 russische Soldaten, nicht weit von der EU-Grenze entfernt. Transnistrien gleicht einem gigantischen Waffendepot und ist zudem ein Paradies für Schmuggler. Das kann so nicht weitergehen.

Russland boykottiert seit dem vergangegen Jahr die Einfuhr moldauischen Weins.

Ja, davon sind 80 Prozent unseres Exports betroffen. Die Russen behaupteten, es gebe „Qualitätsprobleme“. Aus unserer Sicht ist das vorgeschoben und entspricht nicht der Realität.

Sehen Sie im Verhalten Russlands Moldau gegenüber Parallelen zu anderen Staaten in Osteuropa?

Natürlich. Schauen Sie sich nur mal die Energiepolitik Russlands an. Russland will seine Gaspreise bei uns bis 2011 im Vergleich zum Jahr 2000 verdreifachen. Dann müssen wir genauso viel bezahlen wie etwa Deutschland.

Was können Deutschland und die EU tun, um den Transnistrienkonflikt zu lösen?

Nach den in Istanbul getroffenen KSE-Vereinbarungen ist Russland verpflichtet, Munition und Soldaten zurückzuziehen. Wir sind froh darüber, dass diese Position von Europa geteilt wird. Schon lange bemühen wir uns, in der letzten Zeit auch mithilfe der EU und den USA um eine Lösung. Da es sich weder um einen ethnischen noch um einen religiösen Konflikt handelt, müssen und können wir das Problem politisch lösen. In unserer Hauptstadt Chisinau leben mehr Russen als in ganz Transnistrien! Das Argument, dass die Russen in Transnistrien geschützt werden müssten, ist nicht relevant. Wir hoffen, dass die EU und Deutschland uns auch weiterhin bei der Suche nach einer Lösung unterstützen.

Wie wollen Sie das Transnistrienproblem lösen?

Wir sind bereit, dieser Region eine breite Autonomie anzubieten. Gleichzeitig steht die Integrität unseres Landes außer Frage.

Ihr Land gilt als ärmstes Land Europas.

Die Statistiken stimmen nicht immer mit der Realität überein. Wir bemühen uns, die Wirtschaft voranzutreiben und uns den europäischen Standards zu nähen. Zurzeit hat die Republik Moldau ein Partnerschaftsabkommen und einen Aktionsplan mit der EU, den wir umsetzen möchten. Unser Land will ein assoziiertes Mitglied der EU werden – mit dem Ziel, später ein vollwertiges Mitglied der Union zu werden.

Wie wichtig sind für Sie die Beziehungen zu Deutschland?

Am 30. April dieses Jahres haben wir das 15-jährige Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern gefeiert. Deutschland ist für uns ein sehr wichtiger Partner – und wir hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Mit Igor Corman sprachen Sebastian Bickerich und Moritz Schuller.

Igor Corman ist seit 2004 Botschafter der Republik Moldau in Deutschland. Seit dem Bürgerkrieg 1992 ist die an Rumänien grenzende Ex-Sowjetrepublik faktisch geteilt.

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