Die Schavan-Nachfolgerin : Johanna Wanka: "Ich habe Respekt vor der Aufgabe"

Mit Johanna Wanka kommt eine Frau ins Bildungsministerium, die über sich selbst sagt: „Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert.“ Wenn es um Hochschulen geht, macht ihr kaum einer was vor. Und: Sie hat einen guten Draht zur Kanzlerin.

Johanna Wanka. Ihren Politikstil beschrieb sie einmal so: „Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert.“
Johanna Wanka. Ihren Politikstil beschrieb sie einmal so: „Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert.“Foto: dpa

Das Telefonat ist kurz, freundlich, aber bestimmt. Sie bitte um Verständnis, dass sie sich zurückhalten wolle bis zur Ernennung nächste Woche. Die Frau, die seit Samstag designierte Bundesbildungsministerin ist und Annette Schavan beerben soll, lässt sich nur einen Satz entlocken. „Ich habe Respekt vor der Aufgabe“, sagt Johanna Wanka, Jahrgang 1951, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, in Potsdam lebend, zuletzt Wissenschaftsministerin in Niedersachsen, davor neun Jahre in Brandenburg.

Respekt. Das passt zu ihr. Das sei keine dahingeworfene Floskel, bestätigen Wegbegleiter. Den hatte sie stets in der ungewöhnlichen Karriere, die die durchsetzungsstarke Ostdeutsche mit leisen Tönen machte. Mit Charme, elegantem Auftritt, den Ehrgeiz geschickt hinter Zurückhaltung versteckend. Eine, die das Ziel nie aus den Augen verliert, aber jeden Schritt nüchtern abwägt, was ihr die einen als Risikobewusstsein zugutehalten, weniger freundliche Stimmen auch als Übervorsicht. Ihren Politikstil beschrieb sie einmal so: „Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert.“ Und:  „Man sollte fair sein und Siege teilen können.“ Da ist die Naturwissenschaftlerin zu spüren. Als sie 2010 nach Hannover gerufen wurde, war sie die erste Ostdeutsche überhaupt, die in ein westdeutsches Kabinett wechselte. Langjährige Erfahrungen halfen, dass es reibungslos lief, sie in Niedersachsen erfolgreich war. Zuletzt koordinierte sie, seit ihrer Zeit als Präsidentin der Kultusministerkonferenz bundesweit bestens vernetzt, CDU-Länder bei bundesweiten Wissenschaftsthemen.

Ein guter Draht zu Kanzlerin Angela Merkel wird Wanka schon länger nachgesagt. Wenn es um Hochschulen geht, macht ihr kaum einer was vor. Das war schon als Wissenschaftsministerin in Brandenburg so, anerkannt bei den Hochschulen wie in der Politik, selbst der damaligen Linke-Opposition. Es war ein Schock für Wanka, als Matthias Platzeck nach der Landtagswahl 2009 mit den Linken weiterregierte, es verletzte sie tief, das nahm sie persönlich. Entdeckt hatte sie einst Manfred Stolpe, der frühere Ministerpräsident in Brandenburg. Als sein Vize und Innenminister Jörg Schönbohm im Jahr 2000 die Spitze des CDU-geführten Wissenschaftsministeriums neu besetzen musste, machte Stolpe ihn auf Wanka aufmerksam. Damals war die Professorin, noch parteilos, Rektorin der Fachhochschule Merseburg, wo sie in den Wendetagen das Neue Forum mitgründete. Geboren in Rosenfeld, hatte sie an der Universität Leipzig Mathematik studiert und promoviert: „Lösung von Kontakt und Steuerungsproblemen mit potential-theoretischen Mitteln“. Vielleicht ist das ihr Erfolgsgeheimnis.

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