Zeitung Heute : Die Scheichs von morgen

Die Nachfrage nach Bio-Energien wird für die Agrarwirtschaft eine lukratives Geschäft

Udo Rettberg

Der aktuelle Run auf Bio-Energie hat unterschiedliche Dimensionen. Denn dort, wo die einst von den Vertretern der modernen Industriewirtschaft als bedauernswert belächelte Agrarwirtschaft mit den Vertretern der Energiewirtschaft zusammentrifft, scheinen Konflikte vorprogrammiert.

In den USA spricht man schon heute von einem Kampf der Nahrungsmittel- und Energiebranche um agrarische Rohstoffe. Dabei stehen vor allem Mais, Zucker und Sojabohnen sowie Raps im Vordergrund – also jene Agrar-Rohstoffe, die zur Herstellung von Bio-Energien dienen.

„Ethanol, Ethanol, Ethanol“ – so beantwortet Andreas Benz vom weltweit größten Hedge-Fonds-Unternehmen Man Group plc die Frage nach den Hedge-Fonds-Investments der Zukunft. Die findigen Köpfe dieser modernen Finanzinvestoren sehen in regenerativen Energien ein riesiges Zukunftspotenzial. Und das wiederum freut die Agrarwirtschaft in den bedeutenden Getreideanbaugebieten der USA in Iowa und Illinois.

Nachdem US-Präsident Bush, der sich in der Vergangenheit eher negativ zu regenerativen Energien geäußert hatte, inzwischen zumindest verbal zu ihrem Fan geworden ist, jubeln sie auf den Getreidefeldern der USA.

Die einst von der Öffentlichkeit schief angeschaute Agrarwirtschaft geht heute wieder erhobenen Hauptes und mit breiter Brust. Die Vertreter der Branche wissen, dass die Nachfrage nach verschiedenen Getreidearten und den bekannten Ölsaaten auf lange Sicht zu einem starken Preisanstieg führen dürfte. „Schon bald könnten die einst nicht so recht ernst genommenen Bauern die verhätschelten Scheichs von morgen sein“, heißt es an den Terminbörsen in Chicago.

„Alles hängt dabei allerdings vom Rohölpreis ab“, sagt Dieter Rentsch von der auf Alternativ-Investments spezialisierten Aquila Capital Concepts in Hamburg, der den Markt für Ethanol und Biodiesel als interessant betrachtet. Im „Peak Oil Fonds“ des Unternehmens wurden aus diesem Grund vor geraumer Zeit Aktien von Unternehmen aufgenommen, die Zucker oder Mais herstellen, also jene Rohstoffe, die zur Erzeugung von Ethanol dienen.

Nach Meinung von Fachleuten sind die Rohstoffe Mais und Sojabohnen für Kapitalanleger noch interessanter als die Endprodukte Ethanol und Biodiesel selbst. Denn während der Preis für Zucker – dem in Brasilien für die Produktion von Ethanol genutzten Rohstoff – bereits kräftig in die Höhe geschossen ist, haben Mais und Sojabohnen – in den USA wichtigste Rohstoff für die Erzeugung von Ethanol und Sojabohnen – zuletzt nur leichte Ansätze eines nachhaltigen Preisaufschwungs gezeigt. Anleger, die sich für diese Rohstoffe interessieren, finden sowohl am Chicago Board of Trade (CBOT) die Chance, in Futures und Optionen zu investieren, als auch an der Euwax in Stuttgart Hebelzertifikate und Anlagezertifikate auf diese Produkte ins Depot zu nehmen.

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