Zeitung Heute : Die Schönheit der Frauen

Studie: Warum Männer zu Prostituierten gehen

Maria Klüger

„Ich habe herausgefunden, warum ein Mann für eine Frau bezahlt: Er will glücklich sein.“ In seinem Buch „Elf Minuten“ lässt der Schriftsteller Paulo Coelho seine Protagonistin Maria, eine Prostituierte, diese Erkenntnis in ihr Tagebuch schreiben. Ob sie wissenschaftlichen Untersuchungen standhält, verrät ein Buch der HU-Genderwissenschaftlerin Sabine Grenz mit dem Titel „(Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen“.

Sexarbeit stellt mit 14 Milliarden Euro Jahresumsatz einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor in Deutschland dar. Doppelmoral, Scheinheiligkeit und Ausgrenzung sind dabei nach wie vor an der Tagesordnung. Sabine Grenz analysiert die feministische Debatte über Prostitution und die Verwicklungen von Macht und Erotik in Interviews mit Freiern, die sexuelle Identität und das „wahre“ Begehren der Freier. Untersucht hat sie auch die soziologischen Verhältnisse in der Prostitution – zwischen Geld, Macht, Potenz, Konsum und Geschlecht.

Bis in die 70er Jahre ging es in der Forschung darum, Abweichungen zu untersuchen. So wurden Körper von Prostituierten vermessen, um die Ursache für die Wahl der Erwerbsquelle herauszufinden. Freier betrachtete die Wissenschaft nur pathologisierend. Ein Perspektivwechsel ergab sich dann im Spannungsfeld zweier Bewegungen, die mit der sexuellen Liberalisierung einhergingen: In der feministischen Diskussionen wurden Prostituierte als Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse gesehen. Die Hurenbewegung verwahrte die sich gegen diese Annahme.

Inzwischen hat eine rege Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Prostituierten stattgefunden, und auch die Freier wurden in die Forschung aufgenommen. Die „Schönheit“ der Frauen scheint für sie eine ebenso große Rolle zu spielen, wie das Gefühl, mit ihren sexuellen Bedürfnissen angenommen zu werden. Auf diese Weise trägt die sexuelle Dienstleistung zur geglückten „Herstellung von Männlichkeit“ bei.

In der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am 13. Mai 2006 liest Sabine Grenz mit dem Schauspieler Laszlo Somogji um 23 Uhr aus ihrem Buch im Audimax, Hauptgebäude der Humboldt-Universität.

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