Zeitung Heute : Die schönste Zeit des Jahres zum Beruf machen

Regina Köthe

Nach endlosen nasskalten Wochen sehnt sich der Deutsche nach Urlaub. Mediterrane Sonnenziele liegen nach wie vor im Trend - und wenn sich am 16. März die Tore der Internationalen Tourismus Börse (ITB) öffnen, werden die Besucher ins Wunderland "Urlaub" eintauchen.

"Ich arbeite gerne im Reisebüro", sagt Reiseverkehrskaufmann Thomas. Ihm gefällt es, seine Kunden auf die Reise zu schicken. Sie sind mit ihm zufrieden. Im Laufe der Jahre habe sich ein großer Kreis an wiederkehrenden Kunden und Bekannten entwickelt. "Es ist schwieriger geworden", sagt Thomas, "aber das liegt eher an der Konkurrenz auf dem Markt als an den Kunden."

Trotz Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Engpässe, das Produkt "Reise" lässt sich nach wie vor gut verkaufen. Immer noch ist der Tourismus einer der stärksten Wirtschaftszweige und hat mit seinen zirka 2,8 Millionen Beschäftigten und über 100 000 Ausbildungsplätzen eine enorme Bedeutung auf dem Beschäftigungsmarkt. "Die Branche ist sicher und schafft neue Arbeitsplätze", so Ulrich Rüter, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). Deshalb ist auch ein neuer Ausbildungsberuf geplant mit dem vorläufigen Titel "Kaufmann für Freizeit und Tourismus", der vor allem für die Mitarbeit im Kur- und Bäderbereich sowie in Freizeitparks qualifizieren soll.

Wer die "schönsten Tage im Jahr" zum Inhalt seines Berufslebens machen will, der braucht zuallererst eine Ausbildung- entweder als Reiseverkehrskaufmann oder in einem Ausbildungsberuf des Hotel- und Gastronomiegewerbes. "Aber das allein reicht nicht", sagt Ulrich Rüter. Wenn man Karriere machen will, ist Fort- und Weiterbildung angesagt. Der Kunde ist wählerischer, aufgeklärter und kostenbewusster als vor 15 Jahren. Die Mitarbeiter müssen immer qualifizierter sein - vor allem bei Service und Beratung. Durch gezielte und berufsbegleitende Weiterbildung kann man seinem beruflichen Aufstieg eine solide Basis geben.

Auf der ITB werden allein 48 Bildungseinrichtungen aus neun Ländern ihr Angebot präsentieren. Von Reisekaufleuten erwartet man eine professionelle Verkaufstechnik. "Das bedeutet, das sie dem Kunden nicht irgendeine Reise verkaufen, sondern herausfinden, wohin der Kunde reisen will", sagt Peter-Wolfgang Klose, der für die Cologne Business School den Studiengang Tourismus Betriebswirt aufgebaut hat. Ob im Reisebüro oder im Hotel, die Mitarbeiter müssen in kommunikativen Techniken und Gesprächsführung geschult werden. "Das Verkaufstraining ist ausbaufähig", sagt Ulrich Rüter vom BTW. Im Trend liegen deshalb die Kurse für Rhetorik, Kundengespräche, Verhandlungsführung und Beschwerdemanagement. Das bestätigt Gabi Hartmann vom Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT): "Motivation, Teambildung und Rhetorik sind wichtiger geworden. Gerade diese sozialen Kompetenzen werden in den Ausbildungen und Studiengängen wenig behandelt. Das wird in Weiterbildungsseminaren dann aufgefrischt und vertieft." Das Internet und der harte Wettbewerb machen es nötig, im Reisebüro einfallsreicher zu werden.

Das althergebrachte Reisebüro mit ein paar sonnenvergilbten Plakaten und Pappmaché-Dekoration ist passé. Der Urlaub beginnt im Reisebüro, lautet heute das Motto. "Es hängt von der jeweiligen Kreativität des Geschäftsführers ab, wie aktiv und lebendig ein Schaufenster wird", meint Rüter.

Wechselnde Dekorationen und Mottowochen können einen Vorgeschmack auf den Urlaub bieten. "Die Erlebniswelt Reisebüro wird viel zu wenig genutzt", sagt Wolfgang-Peter Klose: "Was hält einen denn davon ab, auf einem strapazierfähigem Fußboden mal Sand auszustreuen, um zwei Wochen lang für eine bestimmte Destination zu werben?"

Informationen zu Weiterbildungsangeboten: Deutsches Seminar für Tourismus, www.dsft.de; Weiterbildungsinformationssystem der IHK und HWK, www.wis.ihk.de; Wissenschafts-Zentrum auf der ITB in Halle 5.3

Jobs für Globetrotter. Wer nach dem Besuch der ITB keine Lust mehr auf grauen Büroalltag hat, kann sich Hilfe und Anregung holen in dem Buch "Jobs für Globetrotter und Weltenbummler" von Uta Glaubitz (Campusverlag, 15 Euro 90). Rund 70 Wege werden vorgestellt, aus Fernweh einen Beruf zu machen. Interviews mit den Auslandskorrespondenten Gabriele Krone-Schmalz und Gerd Ruge und dem Survivaltrainer Rüdiger Nehberg ergänzen Reportagen - jeweils mit Adressen, Internetlinks und weiteren Tipps von Insidern.

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