Zeitung Heute : Die Schröder-Satire darf nicht wiederholt werden

Der Fernsehsender RTL 2 darf den umstrittenen "Kanzler-Sketch", in dem eine "Schröder-Puppe" mit weiblichen Brüsten zu ihren sexuellen Vorlieben befragt worden war, nicht wie geplant wiederholen. Dies verfügte am Montag die Landesanstalt für Privaten Rundfunk Hessen (LPR). Der im Erotik-Magazin "peep" gezeigte Beitrag sei eine derart schwerwiegende Persönlichkeits- und Ehrverletzung Gerhard Schröders, dass die Grundrechte der Medien- und Kunstfreiheit zurücktreten müssten. Mit der Ausstrahlung habe RTL gegen Rundfunkrecht verstoßen. Die Einleitung eines zusätzlichen Ordnungsverfahrens werde noch geprüft, voraussichtlich gebe es für eine Geldbuße jedoch keine rechtliche Handhabe, ergänzte eine LPR-Sprecherin auf Anfrage.

In der "peep"-Sendung am 5. September hatte Moderatorin Nadja Abdel Farrag - genannt Naddel - die Schröder-Puppe zu ihren sexuellen Vorlieben befragt. Die Puppe entblößte sich mit weiblichen Brüsten und "Lustklemmen" an den Brustwarzen, und ein Schröder-Stimmenimitator sagte dazu: "Ich genieße die Kraft meiner Lenden". Außerdem machte die Schröder-Puppe Sex mit einer "Kellnerinnen-Puppe". Dadurch werde dem Kanzler eine rücksichtslose und "völlig übersteigerte sexuelle Triebhaftigkeit" unterstellt, stellte die LPR fest. "Diese Darstellung entbehrt jeglicher konkreter Bezüge zur Person von Gerhard Schröder."

Besonders kritisierte die LPR in ihrer mit den anderen Landesmedienanstalten abgestimmten Eilentscheidung, dass sich der Beitrag nicht gegen den Politiker, sondern gegen den Privatmann Schröder richte. "Der Schutz der persönlichen Ehre lässt Härten in der Auseinandersetzung dann nicht mehr zu, wenn die Intimsphäre eines Politikers ohne erkennbaren Bezug zu seinem politischen Wirken betroffen ist", heißt es.

RTL 2 wollte am Montag zu der Entscheidung noch nicht Stellung nehmen. Das Eilverfahren war nötig geworden, weil RTL 2 den Beitrag ursprünglich am Dienstag wiederholen wollte. Schröder hatte mit rechtlichen Schritten gedroht. Abdel Farrag entschuldigte sich in ihrer Sendung am Sonntagabend erneut bei Schröder. Laut "Bild am Sonntag" verlor die Moderatorin wegen ihres Interviews einen Werbevertrag für einen Kosmetikhersteller über 1,5 Millionen Mark. In einer Umfrage lehnte eine große Mehrheit der Bürger den "Kanzler-Sketch" ab, weil er die "Grenzen des guten Geschmacks" überschreite.

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