DIE SCHULE : Wikis für guten Unterricht

Angela Ittel
Angela Ittel möchte die Teamkultur weiter stärken: Gemeinsam können Schüler mehr erreichen. Fotos: TU Presse/U. Dahl
Angela Ittel möchte die Teamkultur weiter stärken: Gemeinsam können Schüler mehr erreichen. Fotos: TU Presse/U. DahlFoto: Technische Universitaet Berlin/U

Wie wird Schule in 30 Jahren funktionieren? Wie wird im Zeitalter von Computer, Internet, Geräten wie iPhone und iPad gelehrt und gelernt? Wie muss sich die Ausbildung der Lehrkräfte verändern, um den Anforderungen zeitgemäßer Bildungsinhalte gerecht zu werden?

Fragen über Fragen zur Schule der Zukunft, die ich mir in meiner Forschung zur Pädagogischen Psychologie häufig stelle. Lohnt es sich überhaupt zu spekulieren, angesichts genügend offener Fragen – etwa zum Umgang mit der wachsenden Heterogenität in unserer Gesellschaft oder zur Integration von lebensnahem Lehren und Lernen in unser jetziges Schul- und Ausbildungssystem?

Rettender Anker ist mein fast zehnjähriger Sohn, der derzeit in der fünften Klasse eines Gymnasiums lernt. Das hat sich zum Ziel gesetzt, „leistungsorientiert“ zu sein und doch ein „persönlich geprägtes pädagogisches Verhältnis“ zu kultivieren – ein durchaus klassisch anmutendes Ziel.

Dieser Sohn und seine Mitschülerinnen und Mitschüler haben jüngst die Aufgabe erhalten, ihre Wünsche für die Schule der Zukunft zu skizzieren. Ich war natürlich brennend interessiert an ihren Antworten und habe durch meinen Sohn folgendes erfahren. Kinder wünschen sich für ihre zukünftige Schulzeit nette Lehrer, weil sie dann am besten lernen. Sie wünschen sich, mit den Kindern ihrer Klasse zusammenzubleiben und nicht durch wachsende Differenzierung immer wieder in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt zu werden. Sie wünschen sich Entspannung, Bewegung und mehr Computer, weil sie da richtig was fürs Leben lernen.

Hinter diesen Wünschen steckt etwas höchst Ursprüngliches für Bildung und Schule, das sich auch in 30 Jahren durch den vermehrten Einsatz von elektronischen Geräten im Schulalltag nicht verändern wird: Die Vision des gemeinsamen, entspannten und interessenorientierten Lehrens und Lernens.

Ein Schlüsselwort dieser Vision lautet Teamkultur. Teamkultur im Sinne des gemeinsamen Erreichens eines Ziels mit allen Beteiligten, und zwar gleichberechtigt. Teamkultur wird heute viel beschworen. Dass Kinder in der Schule Teamdenken erlernen sollen, ist inzwischen akzeptiert. Dass Lehrer sich in Kollegien mehr austauschen müssen, hört man auch. Teams im Bildungswesen können aber viel mehr bewirken, vor allem wenn sie schul- und einrichtungsübergreifend agieren.

Dazu gehört aber vor allem Transparenz in der Gestaltung und Umsetzung von Bildungsinhalten nach dem Prinzip des geteilten Wissens, der „Wikinomics“. Dies auf das Bildungswesen zu übertragen und Menschen an vielen Standorten so zu vernetzen, dass sie gemeinsam ein großes Ganzes entstehen lassen, erfordert Grips und Engagement, kann aber funktionieren. Natürlich ist es mühsam, Lehrinhalte Woche für Woche transparent zu planen und zu dokumentieren. Doch was hilft brillanter Unterricht, wenn er nur eine einzige Klasse erreicht?

Er muss übergreifend festgehalten werden: Welche Inhalte motivieren die Schüler? Wie misst man jeweils ihren Fortschritt? Es wird die Arbeit anderer Lehrer und zukünftiger Jahrgänge auf ein anderes Niveau heben, sich über diese Inhalte fächer- und schulübergreifend auszutauschen. Intensive elektronische Kommunikation ist dafür eine Voraussetzung. Persönliche Treffen sind noch wichtiger. Dazu kommt, nicht zu vergessen, eine große Portion Liebe für den Beruf – und Humor.

Die Autorin ist Professorin für Pädagogische Psychologie am Institut für Erziehungswissenschaft der TU Berlin.

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