Zeitung Heute : Die schwierige Königin

Rosen sind schön. Und ganz schön empfindlich

Ursula Friedrich

Es gibt nichts Schöneres als eine voll erblühte Rose in ihrer Pracht. Die Steigerung ist höchstens ein ganzes Beet voller Rosen, ein von Rosenbögen gesäumter Weg, ein lauschiges Eck mit Rosensträuchern, die über eine Bank hängen und duften. Egal welche Sorte – Edelrosen, Mauerrosen, Polyantharosen, englische Rosen, die jetzt wieder so modern sind – sie sind alle wundervoll. Wer etwas davon versteht, kann es einrichten, dass immer wenigstens eine Sorte blüht.

Ich verstehe nichts von Rosen. Das muss ich jetzt endlich einmal zugeben. Ich gehöre zu den Kunden der berühmtesten deutschen Rosenzüchter. Aber es ist ganz egal, ob ich mir exquisite Neuzüchtungen kommen lasse oder im Supermarkt ein Containerexemplar mitnehme – die rechte Pracht will sich bei mir nicht entwickeln. Ich befolge jeden Ratschlag. Sogar ein Buch von englischen Kräuterhexen habe ich mir gekauft, die schwören drauf, Rosen mit schmutzigem Geschirrspülwasser zu gießen. Mach ich. Den weiteren Rat aus England, tote Katzen unter einem Rosenstrauch zu vergraben, habe ich bisher nicht befolgt, weil ich keine Katzen habe. Nur den Kanarienvogel habe ich so beerdigt, ohne sichtbaren Erfolg. Rosen mögen Fleisch und Fett, sagen die Kräuterhexen. So ein Kanarienvogel ist vielleicht zu mager.

Was mache ich bloß falsch? Meine Rosen wachsen, kriegen Triebe und dann bald schwarze Flecken. Das heißt Sternrußtau. Auch Krankheiten mit schönen Namen sind schwer zu behandeln. Blattläuse zerquetsche ich mit den Fingern, damit die Rosen auf keinen Fall Gift abbekommen. Ich decke sie im Winter zu. Vielleicht schneide ich sie im Frühling zu früh oder zu kurz oder an den falschen Augen. Rosen haben Augen an ihren Stängeln, hab ich alles gelernt. Aber möglicherweise doch nicht richtig.

Ob es zu windig ist an den Plätzen, an die ich sie setze? Dünge ich zu viel, zu wenig? Gieße ich zu viel? Soll man nicht. Mein Hausarzt, ein Gärtner aus Leidenschaft, hat vielleicht die richtige Diagnose. „Rosen mögen keine anderen Blumen neben sich. Sie wollen allein sein, sie sind eifersüchtig.“ Kann das stimmen? Sind sie eifersüchtige Königinnen? Mögen keine Dahlien und keinen Phlox neben sich, höchstens etwas Lavendel? Ich muss es ausprobieren. Letzter Versuch.

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