Zeitung Heute : Die Seite eins

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Was anders wird. Warum es anders wird. Und eine Sache, die wir niemals verändern werden Die Schriften kommen aus Amerika, das Konzept aus England Der Leitartikel bleibt, neu ist die Glosse zum Tag.

Von Harald Martenstein Wer den neuen Tagesspiegel liest, wird schon beim ersten Wort bemerken, dass sich etwas Entscheidendes verändert hat: die Schrift. Wir möchten, dass unsere Leserinnen und Leser sich ganz auf den Inhalt der Artikel konzentrieren können. Die Schrift soll Ihnen die Lektüre so einfach wie möglich machen.

Nach langer Suche haben wir einen schlichten, klaren Schrifttyp gefunden, der uns besser gefallen hat als unsere alte Schrift „Gulliver“. Sie heißt „Poynter“. Die Poynter wirkt luftiger, weniger grau, sie ist leichter zu lesen als die Gulliver. Überschriften erscheinen künftig in der Schrift „California“. Die California hat der amerikanische Designer Frederic W. Goudy im Jahr 1938 entworfen, später wurde sie ein paar Mal überarbeitet, unter anderem, um sie für Computerbildschirme verwendbar zu machen. Die California wirkt sehr eigenwillig – sie ist elegant und ein bisschen altmodisch.

Die erste Seite ist das Schaufenster unserer Zeitung. Eine farbige Leiste mit Fotos, ganz oben am Kopf der Seite, weist in Zukunft auf die wichtigsten zwei oder drei Themen der jeweiligen Ausgabe hin. So machen es seit Jahren auch die meisten britischen Zeitungen, zum Beispiel die „Times“.

Die Wettervorhersage und das Klima an der Börse erkennen Tagesspiegel-Leser auf einen Blick, beides steht jeweils in einem farbig unterlegten Kasten auf der ersten Seite. Unsere Leitfarben werden warme Rot- und Gelbtöne sein. Die meisten Seiten des Tagesspiegels haben ihren festen Platz, aber es lässt sich nicht vermeiden, dass ein paar unserer Ressorts hin und wieder ihren Platz im Blatt ändern. In Zukunft erfahren Sie mit einem einzigen Blick auf die Seite eins, wo zum Beispiel das Fernseh- und Kinoprogramm, „Wissen & Forschen“ oder die Brandenburgseite zu finden sind.

Neben dem „Aufmacher“, der das unserer Meinung nach wichtigste Thema des Tages aufgreift, steht ein zweiter, kleinerer Aufmacher – das Tagesthema Nummer zwei. Rechts steht, genau wie früher, der Leitartikel. Unten, am Fuß der Seite, finden Sie etwas Neues: die Glosse zum Tag. Wir finden, dass auch auf der ersten Seite einer seriösen Zeitung etwas Unterhaltsames stehen darf. Für unsere Glosse suchen wir uns ein Ereignis des Tages aus. Mal ein wichtiges, mal ein scheinbar unwichtiges. Dann erklären wir uns selber (und damit ihnen, den Leserinnen und Lesern), warum dieses Ereignis typisch war für unsere Zeit, und warum man sich später einmal daran erinnern wird. Der Tag, an dem es furchtbar heiß war. Der Tag, an dem die Türkei den Grand Prix de la Chanson gewann. Der Tag, an dem die Regierung stürzte. Ja, so fängt es immer an: mit der Formulierung „der Tag, an dem“.

Was die meisten nicht auf den ersten Blick merken werden: Die Linien sind weg. Beim „alten“ Tagesspiegel wurden die Spalten jeweils mit einer feinen Linie voneinander getrennt. Jetzt finden Sie nur noch zwischen den einzelnen Artikeln Trennlinien. Auch dadurch wird das Erscheinungsbild luftiger. Fällt Ihnen am Titel der Zeitung etwas auf? Es ist nur eine Kleinigkeit. Als der Tagesspiegel nach dem Krieg gegründet wurde, bestanden die Urväter darauf, dass zwischen den beiden „s“ im Titel eine besonders große Lücke eingeplant wird. Erstes S, großer Abstand, zweites S. Auf diese Weise sollte vermieden werden, dass sich Leser beim Anblick des Wortes „Tagesspiegel“ an eine Naziorganisation erinnert fühlen. Diese Gefahr dürfte inzwischen nicht mehr bestehen, die Lücke wurde geschlossen.

Nicht alles wird anders. Keine Sorge. Die Weltkugel im Titel bleibt. Und das Tagesspiegel-Motto „Rerum cognoscere causas“ bleibt selbstverständlich auch. Den Dingen auf den Grund zu gehen, die Ursachen der Ereignisse herauszufinden – das bleibt die wichtigste Aufgabe der Journalisten, und dabei ist es ganz egal, in welchem Schrifttyp ihre Artikel gedruckt werden.

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