• Die sich weit aus dem Fenster hängen Königin Luise konnte von Pelargonien nicht genug bekommen – in Charlottenburg wird daran erinnert

Zeitung Heute : Die sich weit aus dem Fenster hängen Königin Luise konnte von Pelargonien nicht genug bekommen – in Charlottenburg wird daran erinnert

Bilder einer Ausstellung: Pelargonium hermanniaefolium (oben), Pelargonium bicolor (links) und Pelargonium echinatum (unten) gehören seit gestern zu den Stars in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg. Der Volksmund bezeichnet sie auch als Geranien. Fotos: Tassilo Wengel
Bilder einer Ausstellung: Pelargonium hermanniaefolium (oben), Pelargonium bicolor (links) und Pelargonium echinatum (unten)...

Sie schmücken monatelang mit ihrer Pracht und Vielfalt Balkone und Blumenrabatten. Eine Fülle von Blüten, Blattformen und Farben, dazu teilweise betörende Düfte ihrer Blätter: Pelargonien (Pelargonium) – im Volksmund „Geranien“ genannt – gehören zu den beliebtesten Sommerblumen. Während heute vorwiegend Züchtungen verwendet werden, begann man im 17. und 18. Jh. damit, vor allem aus Südafrika stammende Wildarten in Botanischen Gärten oder Hofgärtnereien zu kultivieren.

Erst zu Beginn des 19. Jh. entstanden durch Kreuzung der Arten zahlreiche Sorten. Die Wildarten wurden stärker verdrängt und blieben vor allem in Sammlungen erhalten. In Berlin-Charlottenburg sind diese Arten heute noch vorhanden. Seit gestern erinnert eine Pelargonien-Ausstellung in der Kleinen Orangerie des Schlosses Charlottenburg an diese Zeit (noch bis zum 2. Mai). Es war vor allem das Verdienst von Hofgärtner Georg Steiner (1774–1834), dass in Charlottenburg eine umfangreiche Pelargonien-Sammlung entstand. Steiner war ein unehelicher Sohn des Prinzen von Preußen, dem späteren König Friedrich Wilhelm III., und wurde von ihm in seiner beruflichen Laufbahn unterstützt. Mit 27 Jahren erhielt er die Charlottenburger Hofgärtnerstelle und begann, eine umfassende Pflanzensammlung anzulegen. König Friedrich Wilhelm III. sorgte durch großzügige finanzielle Unterstützung auch dafür, dass immer mehr Pflanzen angeschafft werden konnten. Nach einem Verzeichnis von 1804 umfasste die Sammlung Steiners bereits nach zwei Jahren 38 Pelargonien-Arten, von denen viele erst kurz davor in Europa eingeführt wurden. Dazu gehörten zum Beispiel Pelargonium acerifolium, P. cotyledonis, P. crispum, P. echinatum und P. tetragonum. Es war auch die Zeit der Regentschaft von Königin Luise, die sich sicher auch an den zarten Blüten und den betörenden Düften der Blätter von Pelargonien erfreute.

Traditionell wurden in Charlottenburg vor allem Kübelpflanzen wie Zitrusarten (Citrus) kultiviert, aber auch Lorbeerbäume (Laurus), Granatäpfel (Punica granata), Oleander (Nerium oleander), Immergrüner Schneeball oder Myrten (Myrtus communis), die über Sommer den Schlossgarten schmückten und über Winter in der Orangerie untergebracht waren. Zweifellos nutzte man die Orangerie auch dazu, die vielen Pelargonien zu überwintern, die sich im Laufe der Jahre aufgrund der Pelargonium-Leidenschaft des Hofgärtners angesammelt haben. Seit sechs Jahren ist diese Orangerie bereits Schauplatz einer Ausstellung, die mit mehr als 50 historischen Pelargonien-Arten und -Sorten an die Zeit der Königin Luise erinnert. In diesem Jahr handelt es sich um einen besonderen Anlass, denn es jährt sich zum 200. Mal der Todestag der sehr beliebten Königin. Als die ersten Wildpelargonien im 17. Jh. durch französische Seefahrer nach Europa gelangten, faszinierten die Menschen vor allem die unterschiedlichen Düfte. Sie reichen von Apfel (Pelargonium odoratissimum) über Pfefferminze (Pelargonium tomentosum), Muskat (Pelargonium fragrans), Orange (Pelargonium citriodorum), Rosen (Pelargonium graveolens) bis Zitrone (Pelargonium crispum) und auch heute noch bietet der Handel ein umfangreiches Sortiment von Duftpelargonien an. Träger der Düfte sind ätherische Öle, die den Drüsenhaaren auf der Blattunterseite entströmen und sich durch leichtes Berühren oder Streichen verstärken lassen.

In einigen Gegenden Frankreichs pflanzt man Duftpelargonien in großen Mengen an, um Graniol zu gewinnen. Als Grundstoff für Massageöle, Salben und Parfüm lässt es sich als Ersatz für teures Rosenöl verwenden. Hauptlieferant dafür ist die Rosenpelargonie (Pelargonium graveolens), die auch zum Sortiment Steiners gehört und schon lange als Topfpflanze in Bauernhäusern oder in Bauerngärten verbreitet ist.

Diese robuste Art hat tief gelappte, dunkelgrüne Blätter und kleine rosalila Blüten mit dunklen Flecken. Sie wird etwa 60 Zentimeter hoch und verholzt im unteren Bereich leicht. Bald wurden die ersten Wildpelargonien auch miteinander gekreuzt. Es war um 1800, als man vor allem Arten wie Pelargonium grandiflorum, Pelargonium inquinans, Pelargonium peltatum und Pelargonium zonale für die Züchtung verwendete. Aus ihnen entstanden unsere heutigen, weit verbreiteten, aufrecht wachsenden Pelargonium-Zonale-Hybriden, die hängenden Pelargonium-Peltatum-Hybriden und die „Edelgeranien“ genannten Pelargonium-Grandiflorum-Hybriden.

Die Gattung Pelargonium umfasst rund 280 Arten von Einjährigen, Stauden und Halbsträuchern und gehört zur Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Bis in das frühe 19. Jh. wurden die Pelargonien botanisch zur Gattung Geranium gerechnet, womit sich auch der heute noch gebräuchliche Name „Geranie“ für die Pelargonien erklärt. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Gattungen sind die Blüten. Während bei Pelargonium die beiden oberen Blütenblätter dominant und die drei unteren Blütenblätter meist kleiner sind, ist die Blüte bei Geranium aus fünf gleichmäßig angeordneten Blütenblättern aufgebaut.

Obwohl einige Pelargonium-Arten in Australien, Neuseeland, Vorderasien und Madagaskar vorkommen, liegt die Hauptverbreitung der Gattung in Südafrika.

Diese heimatlichen Standortfaktoren müssen bei der Kultur beachtet werden. Obwohl alle Pelargonien das ganze Jahr über im Zimmer stehen können, sind Balkon, Terrasse und Garten über Sommer die besseren Plätze. Sie benötigen in dieser Zeit viel Wasser und einen sonnigen Standort.

Gelegentliche Gaben eines Volldüngers sorgen für optimales Wachstum. Sobald die ersten Fröste zu erwarten sind, beziehen sie das Winterquartier. Man kürzt die Pflanzen etwa zur Hälfte bis zwei Drittel ein und stellt sie in einen hellen Raum, in dem Temperaturen zwischen zehn und zwölf Grad Celsius herrschen. Ideal sind Treppenhäuser oder Veranden, auch andere kühle Räume sind geeignet. Während dieser Zeit gießt man die Pflanzen erst dann, wenn sie richtig trocken sind. Die gelegentlich empfohlene dunkle Überwinterung im Keller ohne Wasser ist nicht ideal, weil die meisten Pelargonien keine natürliche Ruhephase haben. Jungpflanzen kultiviert man besser bei etwa 15 Grad Celsius am Zimmerfenster. Alle ein bis zwei Jahre verpflanzt man in eine lockere, humose Substratmischung, der etwas Lehm und Sand beigemischt ist. Gut geeignet ist auch mit etwas Sand angereicherte Einheitserde. Auskunft über die Kultur von Pelargonien geben Gärtnerinnen der Schlossgärtnerei Charlottenburg. Gegen eine Spende kann man auch Pelargonien für den Garten erwerben.

Die Ausstellung findet vom 23. April bis 2. Mai 2010 in der Kleinen Orangerie des Schlosses Charlottenburg statt und ist täglich von 11-17 Uhr geöffnet; der Eintritt beträgt 2 €; ermäßigt 1 €. Informationen auch unter www.spsg.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!