Zeitung Heute : Die sieben Todsünden im Assessment-Center

Personalberater warnen: Welche Fehler Sie unbedingt vermeiden müssen, wenn Sie weiterkommen wollen

Alexander Visser

Beraterfirmen nutzen Recruitment-Veranstaltungen, um Bewerbern ihr Unternehmen vorzustellen. In anderen Branchen setzen Firmen lieber auf Assessment-Center („Gruppenauswahlverfahren“). Dabei prüfen die Personalentscheider, ob die Kandidaten ins Unternehmen passen. Sie beobachten, wie sich die Bewerber in einem simulierten Arbeitsalltag verhalten: zum Beispiel bei Gruppenprojekten und Diskussionen. Für Recruitment-Events und Assessment-Center gilt: Wer eine gute Figur machen will, sollte bestimmte Fehler vermeiden.

DREISTIGKEIT

Klar, ihr zukünftiger Chef sucht durchsetzungsfähige Persönlichkeiten. Aber für die Bewerber geht es vor allem darum, Teamfähigkeit zu beweisen. Wer sich ständig als erster zu Wort meldet, und in den Mittelpunkt stellt, vermindert seine Chancen. „Zu dominantes Verhalten ist genauso schädlich wie zu viel Zurückhaltung“, warnt Karriereberater Jürgen Hesse.

SCHÜCHTERNHEIT

Auch wer immer nur die anderen reden lässt, kann keine Punkte sammeln. Zwar geht es um Teamfähigkeit, Sie sollen also auch die Kollegen zu Wort kommen lassen. Aber der Arbeitgeber will auch herausfinden, welchen Beitrag sie in das Team einbringen. Lassen Sie also bloß nicht immer nur die anderen zu Wort kommen. Vornehme Zurückhaltung ist fehl am Platz.

LÄSSIGKEIT

Eine Empfehlung lautet: Verhalten Sie sich im AC doch einfach „ganz natürlich“. Das ist Quatsch. „Wer in der Kundengesprächs-Übung auf die Beschwerde eines maulenden Kunden mit einer ebenso patzigen Antwort reagiert, kann ein gutes Ergebnis abschreiben“, warnen die Fachbuchautoren Püttjer und Schnierda. Gefragt ist situationsangemessenes Verhalten. Wer sich gut auf das AC vorbereitet, weiß, welche Situationen auf ihn zukommen und hat dort entsprechend bessere Überlebenschancen.

ÄNGSTLICHKEIT

„Ich habe schon oft erlebt, dass sich Kandidaten im Assessment-Center durch ihre Angst selbst blockieren“, sagt Personalberater Manfred Faber. Ihm zufolge kann man sich vorbereiten, in dem man folgenden Satz verinnerlicht: „Sie sind ein Mensch mit Ecken und Kanten, wenn diese nicht zu dem Unternehmen passen, dann passt auch das Unternehmen nicht zu Ihnen!“

BESSERWISSEREI

Selbst wenn Sie es besser wissen als die anderen Bewerber – bleiben sie höflich. Bringen Sie sachliche Kritik durch die Blume an: „Das ist eine interessante Idee, aber...“ Wer gegenüber seinen Mitbewerbern auftrumpft, sammelt vielleicht Ego-Punkte, bekommt aber keine Stelle.

SCHAUSPIELEREI

Ein bisschen Schauspielerei gehört zum Assessment-Center dazu. Aber es darf nicht so weit gehen, dass man sich verstellt. „Man tut sich keinen Gefallen, wenn man eine Stelle erhält, weil man für jemand gehalten wird, der man eigentlich gar nicht ist“, sagt Manfred Faber.

ÜBEREIFER

Der Arbeitgeber sucht kompetente und motivierte Mitarbeiter. „Aber oft entscheiden die Sympathiepunkte“, betont Karriereberater Hesse. Wer sich auf lange Fachdiskussionen einlässt, steht vielleicht als Experte da, aber auch als Nervensäge.

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