Zeitung Heute : Die Spanische Inquisition erleben

Britta Wauer

Wie eine Ost-Berlinerin die Stadt erleben kann

Als ich frisch nach dem Abitur als Praktikantin in einem Medienbetrieb anfing, dauerte es nur ein paar Tage und ich hatte Genickstarre. Kein Wunder: acht Stunden sitzen, Telefonhörer ans rechte Ohr geklemmt, starrer Blick nach links auf den Computer und nebenbei Notizen machen. Wundersamer war, dass sich die Redakteurin, die mir gegenübersaß, meiner Leiden annahm: Sie begann, meine Füße zu massieren. Sie könne dabei „immer so gut denken“, und so kam ich die nächsten Wochen häufig in den Genuss ihrer Fußreflexzonenmassage. Andere Praktikanten kochten Kaffee oder halfen in der Telefonzentrale aus, ich ließ mir die Füße massieren. Wahrscheinlich war das ein eher ungewöhnlicher Berufseinstieg.

An die fürsorglichen Hände der Kollegin erinnerte ich mich, als ich neulich meine erste Thaimassage bekam – in einem kleinen Laden in Prenzlauer Berg. Wieder ging es um Energieströme und Meridiane im Körper, und wieder kam ich nur durch Zufall in den Genuss.

Der Masseur war wortkarg und erkannte mich gleich als schwierigen Fall. Dabei war ich gar nicht verspannt; aber ich wirkte wohl etwas skeptisch. Mit wenigen Sätzen umriss er sein Vorhaben: traditionelle Thaimassage nach der 2500 Jahre alten Methode von Buddhas Leibarzt. Man benutzt kein Öl, man trägt weiche, weite Kleidung. Manchmal könne es wehtun, sagte der Masseur, aber das sei kein Grund zu verkrampfen oder gar abzubrechen. Man könne in den Schmerz auch „hineinatmen“. Das Wichtigste sei: Fallenlassen.

Er begann, an jedem Zeh zu drücken, zu kneten, zu ziehen, dann Beine, Arme, Rücken. „Yoga für Faule“ hat es mal jemand genannt. Patrick, der Masseur, hat das alles in Thailand gelernt, er kombiniert es mit Shiatsu und bildet auch selbst aus. Weil Europäer von Natur aus nicht so beweglich sind, werden die thailändischen Dehnübungen mit anderen ergänzt. Eine Stellung nennt sich „Spanische Inquisition“: Wie gefangen liegt man vor dem Masseur, der seinen Ellenbogen in die Fußsohle rammt. Erstaunlich: Danach geht es einem richtig gut. Sollte ich mal verspannte Praktikanten beschäftigen, weiß ich schon, von wem ich sie ein wenig foltern lasse.

Traditionelle Thaimassage: www.bodyworkpool.de, Telefon 0177-4314457

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