Zeitung Heute : "Die Spesenritter" - ein fast zu freundlicher Film (Fernsehkritik)

Uta-Maria Heim

Die Spesenritter (ARD). Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Denn auf diese Politsatire folgt direkt ein Porträt des deutschen Außenministers. Und da müssen wir uns dann schon fragen: Trauen wir Joschka solche Mitarbeiter im Auswärtigen Amt zu wie die, die wir eben in Jörg Grünlers Fernsehfilm gesehen haben? Vor Joschkas an die Wand genageltem Konterfei verprassen sie schamlos Steuergelder. Und gleich hinterher erleben wir Joschka Fischer in Israel, wir vergleichen sein tiefgründig seriöses Auftreten mit den läppischen Strohmännern der vorangegangenen Spielfilmhandlung und wir sagten laut: Nein. Nein, Joschka, mit denen hast du nichts am Hut. Oder etwa doch?

Das Ganze einmal programmatisch betrachtet: Joschka Fischer meets endlich Harald Juhnke. Das hat in diesem Jahrhundert irgendwie noch sein müssen. Die beiden haben zumindest eines gemeinsam: Sie sind ungeheuer zäh. Auch Juhnke startet noch einmal durch, in diesem fast zu freundlichen Film, in dem ein Buchhalter vor dem Ruhestand in Südafrika gründlich einen draufmacht. Das Drehbuch schrieb Leo P. Ard, die Pointe ist zugeschnitten auf Harald Juhnke: Wo es selbst den Schlechtesten gut geht, da geht es ihm, dem einzigen Guten, zum Schluss sogar noch besser. Nach einigen Wirren allerdings. Vielleicht verbindet auch dieses Joschka mit Juhnke in der Rolle des Pedanten - eine Weste wirkt sauberer, wenn sie richtig sitzt.

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