Zeitung Heute : Die Spreespeicher sind schon fast zur Hälfte gefüllt

Der Tagesspiegel

Kreuzberg. Der Baubeginn der „Neuen Spreespeicher“ an der Cuvrystraße in Kreuzberg ist in greifbare Nähe gerückt. Matthias Zipser, Geschäftsführer der zur „Industrie-Verwertungsgesellschaft“ (IVG) gehörenden Unternehmensgruppe Wert-Konzept, rechnet mit der Genehmigung für das 90 Millionen Euro teure Projekt noch in diesem Monat und mit dem ersten Spatenstich Anfang Mai.

Architekt Reinhard Müller hat für das 10 000 Quadratmeter große Grundstück am Spreeufer, das jahrzehntelang nur spärlich genutzt worden war, zwei mächtige, 30 Meter hohe backsteinverkleidete Flügelgebäude entworfen, die an hanseatische Speichergebäude erinnern sollen. Vom Fluss aus laufen sie keilförmig auf die Schlesische Straße zu und werden dort durch eine Glashalle verbunden. In den vorderen Teil an der Straße soll ein Drei-Sterne-Hotel einziehen. Für den hinteren Teil sind Büro- und Wohnlofts sowie kleinteiliger Einzelhandel vorgesehen. Ein Uferweg soll arkadenfömig in die beiden Gebäude integriert werden.

Franz Schulz, Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, hält den Entwurf für „alternativlos“, da nur er den freien Blick zum Städtebau des gegenüberliegenden Ufers ermögliche und somit zur Homogenität des Spreeraums beitrage. Noch vor zwei Jahren wollte die inzwischen von der IVG geschluckte Botag ein massiges, architektonisch fragwürdiges Einkaufszentrum mit 49 000 Quadratmetern Geschossfläche und einem Parkhaus errichten und war damit auf den Widerstand von Gewerbetreibenden und Bezirksamt gestoßen. 2001 übernahm Wert-Konzept die Planungen. Im Vergleich zu dem Botag-Vorhaben wirkt das neue Konzept abgespeckt und elegant. Im Wrangelkiez, wo man jahrelang gegen die „Planungskatastrophe“ der Botag gekämpft hat, verursachen die neuen Pläne aber immer noch Unbehagen. Peter Berz von der Anwohnergruppe Cuvrystraße hat Bedenken: „Wir wollen vor allem, daß der Neubau kiezvertäglich ist – in einer der ärmsten Gegenden Berlin. Der Investor hat beispielsweise noch kein konkretes Nutzungskonzept für die ,Neuen Spreespeicher’, sondern begnügt sich mit Zweckoptimismus.“ Peter Tschada, Architekt und Anwohner der benachbarten Schlesischen Straße 31, befürchtet: „Dort werden nur schicke Flächen für Arbeitsplätze, aber keine Arbeitsplätze geschaffen.“

Bei Wert-Konzept sieht man das anders. Matthias Zipser erwartet viel von der Universal-Ansiedlung am anderen Spreeufer in diesem Sommer: „Wir haben umfangreiche Marktanalysen durchgeführt. Universal braucht dringend ein Hotel.“ Wenn der Musikriese erst mal da sei, würden sich mindestens 20 Firmen in dessen Gefolge ansiedeln; für 44 Prozent der Ladenfläche habe er bereits Zusagen, so Zipser. Und Franz Schulz erinnerte letzte Woche im Bauausschuss des Bezirksamtes, der sich auf Druck der Anwohner noch einmal mit dem Vorhaben beschäftigte, an die Investitionssituation Berlins: „In so einer Lage spekuliert kein Projektentwickler mehr mit einer Investitionsruine, sondern baut erst, wenn er sich sicher ist, dass er Haus auch voll bekommt.“ Ein anderes Problem, bei dem sich Anwohner und Investor unversöhnlich gegenüberstehen, ist die Verschattung der Nachbargebäude, da die Neuen Spreespeicher mit acht Geschossen die umliegenden Häuser um drei Stockwerke überragen werden. Udo Badelt

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben