Zeitung Heute : Die Spur der Jahre

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Was man gegen Falten tun kann

Hartmut Wewetzer

Vor dem Spiegel. Da sind sie, die Falten. Kleine Furchen im scharfen Morgenlicht. Wenige zwar. Aber unübersehbar. Was tun?

Keiner gräbt tiefer in unserer Haut als die Sonne. Sie ist derjenige Faktor, der unsere Haut mit Abstand am stärksten altern lässt. Die richtig tiefen Falten sind das Werk der Sonne. „Vergleichen Sie die Haut von Gesicht und Gesäß, dann sehen Sie den Unterschied, den die Jahre an der Sonne machen“, sagt Gisela Albrecht, Hautärztin am Klinikum Berlin-Spandau. Wer die Sonne meidet oder nur in gesunden Maßen genießt, dessen Haut bleibt länger jung. Wer dagegen Wert auf „gesunde“ Bräune legt und sich wochenlang in die Sonne legt, bekommt die Quittung. Die Haut vergisst nicht.

Auch von Rauchen und zu viel Alkohol sollte man natürlich tunlichst die Finger lassen, nicht nur wegen der Haut. Manchmal werden Fisch (vor allem Lachs), Soja, Kakao, Obst und Gemüse empfohlen. Zwar ist gegen alle diese Lebensmittel nichts zu sagen. Aber ob sie wirklich helfen, die Haut länger frisch zu halten, muss als unbewiesen gelten. „Da werden Ergebnisse aus dem Forschungslabor einfach auf den Menschen übertragen“, sagt die Faltenexpertin Albrecht. „Doch das Altern der Haut ist ein zu diffiziles Problem, um es mit einem Nahrungsmittel in den Griff zu bekommen.“

Feuchtigkeitscremes lassen die obere Hautschicht aufquellen, die Haut wirkt dadurch praller. Mehr als diesen rein kosmetischen Effekt bewirken Cremes mit Retinoiden, Abkömmlingen des Vitamins A. „Sie können in begrenztem Maße sogar oberflächliche Sonnenschäden rückgängig machen“, sagt Albrecht. Eher mäßige Effekte schreibt sie dagegen Substanzen wie den „Radikalenfängern“ Vitamin C und Coenzym Q10 oder kollagenfördernden Wachstumsfaktoren und Pentapeptiden zu.

Womit wir bei den rabiateren Verfahren wären. Mit Laserstrahlen, Peeling oder Dermabrasion (Abschleifen) kann man die oberste Hautschicht entfernen, um durch diesen Reiz die Bildung von glättenden Kollagenfasern zu fördern. Völlig anders wirkt Botox: das Nervengift lähmt Muskeln für einige Monate. So kann man zum Beispiel die Stirn nicht mehr in Falten legen. Beim Facelifting wird die ganze „Pelle“ vor dem Ohr aufgetrennt, abgelöst, straff gezogen und überschüssige Haut weg geschnitten. Auch das hält nicht ewig. Haut erschlafft.

Zu einer Wissenschaft für sich sind die Faltenfüller geworden. Inzwischen gibt es mehr als 50 „Filler“, die in die Falten gespritzt werden. Besonders beliebt ist die Hyaluronsäure, die sich mit der Zeit auflöst und dann erneuert werden muss.

Welche Behandlung die richtige ist (und ob überhaupt), hängt von den Ansprüchen, dem Geldbeutel, den Lebensjahren und der Persönlichkeit ab. Nichts kann die Uhr zurückdrehen. Schließlich: wie alt jemand erscheint, ist nicht nur eine Frage von glatter Haut. Da sind Mimik, Beweglichkeit, Haare, Kleidung. Und die Augen – sie können vor Leben sprühen und die Jahre vergessen machen, auch wenn das Gesicht schon zerfurcht ist. Achten Sie mal drauf.

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