Zeitung Heute : Die Stadt, die sich viele leisten wollen

Besuchern bietet Berlin für wenig Geld einmalige kulturelle Vielfalt, sagt Tourismus-Chef Kieker

Rainer W. During

Für Touristen wird Berlin seit Jahren immer attraktiver. „Die Stadt hat gute Chancen, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen.“ Das sagt Burkhard Kieker, seit Jahresbeginn Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). Gerade in einer Zeit schmaler Brieftaschen biete die Stadt ihren Besuchern ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das wird auch der Mittelpunkt eine neuen Werbekampagne, die in diesen Tagen startet.

Nach einer langen Schönwetterperiode habe er „das Boot zu einem Zeitpunkt übernommen, zu dem es schon etwas höhere Wellen aushalten muss,“ sagt der neue Fremdenverkehrs-Chef. Jetzt gehe es darum, dass der Berlin-Tourismus „möglichst ungeschoren“ durch die nächsten Monate kommt, bis sich die Situation wieder normalisiert. „Wir müssen uns sehr schnell auf die geänderten Rahmenbedingungen einstellen“, betont Kieker. „Wir können die Besucher nicht mehr wie in den vergangenen Jahren durchwinken, heute müssen wir die Gäste heranwinken und für den Besuch Berlins motivieren.“

Bevor er an die BTM-Spitze wechselte, hat der in Gummersbach aufgewachsene gelernte Journalist elf Jahre lang die Berliner Flughäfen und insbesondere den neuen Airport BBI vermarktet. Unter seiner Regie wurden die ersten Langstreckenflüge, aber auch die Billigfluglinien nach Berlin geholt. Als Low-Cost-Metropole soll Berlin im Gegensatz zu anderen Städten jetzt profitieren, „Value for Money“ lautet der Arbeitstitel der Kampagne, deren Zielgebiet in den europäischen Nachbarländern und in Deutschland selbst liegt. „Bei den Städten, wo man für sein Geld am meisten bekommt, liegen wir ganz vorn in Europa“, sagt der 48 Jahre alte Burkhard Kieker. Berlin sei nicht billig, aber man könne es sich im Vergleich zu anderen europäischen Großstädten eben leisten. „Selbst wenn London die Preise halbiert, ist es immer noch doppelt so teuer.“ Dabei habe doch auch die deutsche Metropole ihren Gästen eine einmalige kulturelle Vielfalt zu bieten.

Auf großes weltweites Interesse stoßen schon heute die geplanten Veranstaltungen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. „Wir müssen in Berlin mit Emotionen arbeiten, Berlin ist emotional“, betont Kieker. „Die Menschen draußen sehen Berlin schon viel mehr als Weltstadt als wir Berliner das bisher mental verarbeitet haben. Wir haben keinerlei Anlass zur Überheblichkeit, aber jede Menge Anlass zu Selbstbewusstsein. Die Leute sagen, fahren wir lieber nach Berlin, da wissen wir, was wir haben.“

Berlin habe gute Chancen, der „urbane Hot-Spot“ zu werden, für eine lange Reihe von Jahren, glaubt der BTM-Chef. Wichtig sei, dass die Stadt ihre „Ecken und Kanten“ pflege, tolerant und offen bleibe. „Vorne Chrom und hinten Weltkriegseinschlagsloch, diese Mischung muss bleiben.“

Auch beim Kongresstourismus räumt er Berlin gute Chancen ein: „Die Firmen fahren nicht mehr nach Tahiti, sie werden bodenständiger und wollen dennoch eine Tagung mit Flair.“ Mit Hilfe des Kongressbüros „Berlin Convention Center“ sei es gelungen, Berlin zur weltweiten Nummer zwei bei Verbandstagungen hinter Wien und noch vor Barcelona und Singapur zu machen. Es ist eben die Mischung, die Berlin so attraktiv für Touristen macht.

www.visit-berlin.de

Berlin hat gute Chancen, der urbane Hot-Spot zu werden, für eine lange Reihe von Jahren. Wichtig ist, dass die Stadt ihre Ecken und Kanten pflegt, tolerant und offen bleibt. Vorne Chrom und hinten Weltkriegseinschlagsloch, diese Mischung muss bleiben.“

Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH

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