Zeitung Heute : Die Stadt erkunden

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Dieses Wochenende müssen Sie mal ohne einen Veranstaltungshinweis auskommen. Ich bin zwar noch nicht im Urlaub, aber lege trotzdem schon mal langsam die Füße hoch. Mein Vorschlag: Werden Sie kreativ und stellen Sie sich das Wochenend-Programm ausnahmsweise selbst zusammen. Nutzen Sie dafür mal ein anderes Medium: den sehr zu empfehlenden Stadtführer „Berlin - Szenen einer Stadt“, der soeben veröffentlicht wurde, und der bei dem Zeitschriftenhändler ihres Vertrauens ausliegt. Die Berliner Zeitschrift für angewandte Club-Kultur, „Groove“, hat das Büchlein produziert. Eine wunderbare Idee, denn auch wenn es bereits dutzende Berliner Reiseführer gibt - einen gut recherchierten Guide, der von Partygängern für Partygänger geschrieben wurde, ist bislang nicht erschienen.

Handlich und praktisch finden sich im „Groove“-Reiseführer all die Clubs, Boutiquen, Galerien, Museen sowie Bars, Restaurants und Frühstückslokale, die das Leben in Berlin für moderne Feier-Fans so attraktiv macht. Der Blick richtet sich auf die vier relevanten Innenstadtbezirke, über die auch an dieser Stelle regelmäßig berichtet wird: Mitte, Kreuzberg, Friedrichshain und Prenzlauer Berg. Zu jedem Stadtteil gibt es eine kurze aber sehr informative Einführung zur Lage und Geschichte, und dann folgen Empfehlungen, Tipps und Tricks sowie ausführliche Statements lokaler Szene-Größen zu ihren ganz persönlichen Berlin-Vorlieben. Sehr schön auch: Die Foto-Seiten. Etwa, die Auszüge aus dem hervorragenden Buch „Temporary Spaces“, in dem ehemalige Club-Legenden wie das E-Werk, der Tresor oder das 103 abgebildet sind - da kommt richtig Wehmut auf. Aber vor allem für die Jetzt-Zeit macht der Reiseführer wirklich Lust auf Erkundungen.

Haben Sie sich zum Beispiel nicht schon ganz lange vorgenommen, einmal das Nachtleben von Friedrichshain zu testen? Der „Groove“-Reiseführer gibt bequem Einblicke: Ein Foto, eine kurze Erklärung und schon weiß man Bescheid über Ambiente, Publikum und Musikprogramm diverser Bars und Clubs. Seien Sie versichert: Die „Groove“-Redakteure wissen selbst die ausgefallensten (sub)kulturellen Zonen haargenau zu deuten - es kann Ihnen also mit diesem Reiseführer ganz sicher nicht passieren, dass Sie in einen Club gehen, der für Lounge-Musik empfohlen wird und dann spielt der DJ nur härtesten Tech Step-Drum n’Bass. Das Gleiche gilt für das Warenangebot in Boutiquen, und andere Empfehlungen, wo es auf Geschmackssicherheit ankommt. Natürlich findet sich unter den vielen Einträgen auch eine ganze Menge, das man schon lange Jahre kennt, aber überrascht wird man oft auch von den vielen unbekannten Adressen, die sich mitunter sogar gleich um die eigene Häuser-Ecke befinden, und die man bislang einfach nicht wahrgenommen hat. Ein Grund mehr also, den Reiseführer in die Hand zu nehmen und zum Touristen in der eigenen Stadt zu werden. Und das nicht nur an diesem Wochenende.Daniel Haaksman

„Stadtguide Berlin - Szenen einer Stadt“, herausgegeben von Groove-Magazin, 7 Euro.

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