Zeitung Heute : Die steigende Kriminalität macht Berlin nicht unsicherer

Der Tagesspiegel

In der Berliner Kriminalitätsentwicklung ist der am Montag veröffentlichten Statistik zufolge für das vergangene Jahr eine deutliche Verlagerung der Kriminalitätsfelder zu beobachten. Obwohl die Zahl der Straftaten um 2,7 Prozent von 557 001 Delikten im Jahr 2000 auf 572 272 im vergangenen Jahr stieg, muss man nicht mehr Angst vor Straftaten haben als in den Vorjahren. Im Gegenteil: Bei den meisten Delikten, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger beeinträchtigen, ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen.

Zwar stiegen die „Rohheitsdelikte“ – dazu zählen Körperverletzung, und Raubtaten – insgesamt um knapp 2300 Delikte (3,6 Prozent), aber die Zahl der Raubüberfälle sank deutlich. Bei Handtaschenrauben, denen vorwiegend ältere Menschen zum Opfer fallen, ist ein Rückgang von knapp 30 Prozent zu verzeichnen. Es wurden 558 Fälle registriert, die niedrigste Zahl seit der Wiedervereinigung. Die Aufklärungsquote von 21 Prozent liegt allerdings deutlich unter dem Durchschnitt von 49, 8 Prozent.

Einen großen Anteil an den Rohheitsdelikte machen die Körperverletzungen aus, bei denen eine Zunahme von 6 Prozent (2420 Taten) auf 42 712 registrierte Delikte zu verzeichnen war. Dies ist die höchste Zahl seit 1990. Der steigende Trend besteht seit der Wende. Lediglich im Jahr 2000 war ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Schläger haben jedoch kaum Chancen, der Polizei zu entkommen: Die Aufklärungsquote liegt mit über 80 Prozent außerordentlich hoch: Vier von fünf Tätern werden gefasst. Über ein Drittel von Tätern und Opfer kannten sich bereits vor der Tat.

Positiv ist nicht nur die Entwicklung bei den Handtaschenrauben, sondern auch – wie bereits berichtet – bei Banküberfällen (minus 28,1 Prozent) und Überfällen auf Geschäfte (minus 13,1 Prozent). Auch die Zahl der Überfälle in Wohnungen ist um knapp 20 Prozent von 345 auf 277 Taten gesunken. Dies ist der niedrigste Stand seit 1990. Gleichzeitig erreichte die Aufklärungsquote mit knapp 68 Prozent ihren Höchststand seit der Wiedervereinigung.

Seit rund acht Jahren gehen auch die Diebstahlsdelikte kontinuierlich zurück: Die Zahl der gestohlenen Autos lag im vergangenen Jahr mit 9700 Fällen auf dem niedrigsten Stand seit 1993 (damals wurden über 28 000 Autos gestohlen). Im Verhältnis zum Jahr 2000 ist sie um fast 13 Prozent gesunken.

Überdurchschnittlich gestiegen sind die Betrugsdelikte und die Computerkriminalität. Seit 1999 ist ein kontinuierlicher Anstieg des Betruges mit Scheckkarten festzustellen: 1999 waren es noch 6400 Fälle, im Jahr darauf bereits 10 300 Delikte und 2001 über 18 400. Der entstandene Schaden lag im Vorjahr bei 25,1 Millionen Mark (12,8 Millionen Euro). Auch hier könne der Handel durch Sicherheitsvorkehrungen dazu beitragen, die Kriminalität zu senken, sagte Polizeivizepräsident Gerd Neubeck. Beim Bezahlen mit Scheck- oder Kreditkarte müsse nur jedesmal der Ausweis vom Kunden verlangt werden. Viele Geschäfte verzichten allerdings darauf. Auch der Versand von Kreditkarten und Geheimzahl durch die Banken und Geldinstitute mit der Post bietet Dieben und Betrügern noch immer günstige Gelegenheit, an Geldkarten zu kommen und sich von fremden Konten zu bedienen.weso

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