Zeitung Heute : Die Suche nach fossilen Energien beginnt erneut

Die Quellen der Zukunft kommen aus großer Tiefe

Katja Gartz

Der weltweite Energieverbrauch steigt in rasantem Tempo, aber die Vorkommen an fossilen Brennstoffen wie Erdöl und Erdgas sind begrenzt. Alternativen wie bisher unerschlossene Energiequellen sind daher gefragt.

So könnte Öl künftig nicht mehr nur aus den traditionellen Förderregionen, sondern aus der Arktis kommen. Nach einer Studie der amerikanischen Regierung befinden sich dort im Meeresboden immense Öl- und Gasvorkommen. Gewonnen werden kann Öl auch aus Ölsand, der vor allem im Tagebau ausgebeutet wird. Die größten Vorräte dieser Ölressource gibt es in Venezuela und Kanada. Ölschiefer, Gesteine, die Öle enthalten, liefern ebenfalls das „schwarze Gold“. Es kommt in vielen Ländern vor und wird in Estland bereits seit Jahrzehnten genutzt. Die damit beheizten Kraftwerke decken 90 Prozent des estnischen Strombedarfs. „Zwar lassen sich aus Ölsanden und Ölschiefer auf Grund der Vorratssituation große Mengen Öl gewinnen, aber der Energieaufwand ist hoch und die Emission von Treibhausgasen steigt“, berichtet der Experte für Energieressourcen und ehemalige Geografieprofessor der Universität Greifswald, Jens Uwe Gerloff. Die Nutzung dieser Energiequellen hänge von neuen Technologien ab, die Emissionen verhindern oder auffangen können. Laut Gerloff sind Ölsande und Ölschiefer Reserven für die Zukunft, aber langfristig kein Ausgleich für das schwindende Erdöl.

Auch außerhalb der Arktis wird ein Großteil der nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen in großer Tiefe unter den Ozeanen vermutet. So schwimmen auf den Weltmeeren Spezialplattformen, die bis zu einer Wassertiefe von 2400 Metern sowie einer Bohrtiefe bis zu 7620 Metern nach den begehrten Rohstoffen suchen. Beispielsweise betreibt allein der brasilianische Ölkonzern Petrobras 109 Plattformen.

Doch die Tiefen der Ozeane haben noch mehr zu bieten: Methanhydrat, auch Gashydrat, Methaneis oder brennendes Eis genannt. Die brennbare Substanz aus gefrorenem Wasser und Methan gilt als Energiequelle der Zukunft. In Methanhydraten sind in fester, eisähnlicher Form gewaltige Mengen an Erdgas gespeichert. „Erdgas ist die umweltfreundlichste Quelle für fossile Energien“, erklärt Professor Klaus Wallmann vom Kieler Forschernetzwerk „Ozean der Zukunft“. Die Verstromung sei effizient, es entstünden weder Staub noch Schwermetalle und der Ersatz von Kohle- durch Gaskraftwerke habe eine positive Klimawirkung. „Beim Erdgas wird pro Einheit gewonnener Energie nur etwa halb soviel Kohlendioxid emittiert wie bei der Verstromung von Kohle“, erklärt Wallmann. Im Rahmen eines im September gestarteten und von der Bundesregierung geförderten Projekts, werden innovative Methoden entwickelt, um Erdgas aus submarinen Lagerstätten zu gewinnen. Laut Wallmann enthalten die natürlichen Gasvorkommen auf dem Meeresgrund mehr Energie und Kohlenstoff als alle konventionellen Lagerstätten von Kohle, Öl und Gas auf der Erde.

Auch Algen, die grünen, glitschigen Gewächse, sollen zu Treibstofflieferanten aufgebaut werden. Verstärkt zur Energieerzeugung beitragen soll ebenso die Wasserkraft des Meeres. Beispielsweise entsteht in Südkorea ein neues Gezeitenkraftwerk, dessen Turbinen durch die Strömung angetrieben werden.

Strom und Wärme können zunehmend auch aus der Tiefe der Erde kommen. Dabei spielt die Geothermie nicht nur in Deutschland eine wichtige Rolle. So fließt im Alpenvorland heißes Thermalwasser in etwa 3000 Metern Tiefe, das an die Oberfläche gepumpt und als Energieträger genutzt werden kann.

Katja Gartz

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