Zeitung Heute : Die taz sucht erneut den Aufschwung, der Geld kostet

Joachim Huber

Eine Zeitung ist kein Spielzeug, es sei denn, sie ist die "taz". Die eh und je finanzschwache Unternehmung sucht erneut den Aufschwung, der Geld kostet. Geld, das nicht da ist. Also kommt das beliebte Instrument der Leser-Erpressung in Anschlag. Werden nicht genug neue Abonnenten aufgetrieben, zeigt die "taz" den Lesern den Mittelfinger. Heute wurde er erstmals gereckt. Statt 300 sind nur rund 210 neue Leser zusammengekommen, also erscheint die heutige Ausgabe mit Weißraum an den Stellen, wo sonst die Überschriften platziert sind. Versagen die Interessenten auch in der kommenden Woche bei der Abo-Buchung, wird die Auslands- durch Kiez-Berichterstattung ersetzt. Und so weiter und so fort. Die "taz" will vor Augen führen, was ihren Lesern verloren geht, wenn die Leser nicht spuren. Der einzelne kann, so wenig wie alle Leser, etwas dafür, dass es der Zeitung an wachsendem Zuspruch mangelt. Trotzdem wird die Rache am zahlenden Kunden vollzogen. Mit weniger Zeitung mehr Leser gewinnen - das ist wenigstens tapfer. Und es ist schier infam, den Leser vor die Alternative "friss oder stirb" zu stellen. Der Leser aber, der Leser frisst nicht. Der stirbt auch nicht. Der lässt die "taz" sterben. Nicht sofort, dafür qualvoll. Erst vermisst er keine Überschriften mehr, dann mangelt es ihm nicht an der Auslandsberichterstattung. A la longue wird die "taz" dem Zeitungsmarkt weitere Nichtleser beschert haben. Man möchte noch nicht einmal gratulieren.

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