Zeitung Heute : Die Todesgrippe von Köln. Sat 1.

Henryk M. Broder

Es gibt Filme, da reicht es vollkommen, wenn man den Trailer gesehen hat. Dies war so einer. Ich schaltete eine halbe Stunde zu spät an und bekam trotzdem alles mit. Die Frau eines toten Wissenschaftlers, der mit Killerviren gearbeitet hat, wobei ein paar dieser niedlichen Flitzer entwichen sind, versucht die Ehre ihres Mannes zu retten, verkleidet sich als türkische Putzfrau und bricht mit Hilfe ihres Sohnes und einer richtigen Putzfrau in das Labor ein, wo die Viren an Mäusen ausprobiert werden oder auch umgekehrt. Sie klaut einen Aktenordner und entlarvt den Chef des Unternehmens als den wahren Schuldigen, der im letzten Moment - es gibt eine Gerechtigkeit, sogar in einem deutschen Krimi! - von einem seiner Hiwis erschossen wird. Daraufhin sagt die Kriminalkommissarin, die eine falsche Spur verfolgt, weil sie das Drehbuch nicht gelesen hat, zu der tapferen Frau: "Ich glaube, ich muss mich bei Ihnen entschuldigen."

Diesen Satz hätten die Macher des Films gleich zu Anfang an die Zuschauer richten sollen, statt ihnen einen "Thriller" zu versprechen. Oder wenigstens einen "kölschen Thriller": Denn in Köln, da ist alles anders. Da gilt ein "halver Hahn", ein trockenes halbes Brötchen mit einer Scheibe fettem Käse belegt, als Delikatesse, der Karneval als lustig, und wer keinen Bierbauch hat, der wird auch als Politiker nicht ernst genommen. Und da fließt auch ein "Thriller" so dröge durch die Zeit wie der Rhein bei Niedrigwasser unter der Deutzer Brücke.

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