Zeitung Heute : Die tun was: Wo die Wirtschaft Motor ist

Unternehmen, Initiativen, Stiftungen für Schulsponsoring zu gewinnen, ist gar nicht so einfach. Doch es gibt schon eine Menge Ausnahmen

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IHK BERLIN

Seit kurzem ist sogar die berühmte Neuköllner Rütli-Hauptschule dabei: 130 Verträge zwischen Unternehmen und Schulen hat die Berliner Industrie- und Handelskammer seit 2000 organisiert – mit der Initiative „Partnerschaft Schule-Betrieb ". Mit dem Projekt will die IHK Schülern einen praxisnahen Zugang zur Wirtschaft ermöglichen. Ziel ist, Schüler mit den Anforderungen vertraut zu machen, die in der Berufsausbildung an sie gestellt werden. Aber auch die Unternehmen sollen sich über eine bestimmte Schule und ihre Schüler informieren. Grund für die Initiative war, dass viele Ausbildungsbetriebe sich Sorgen machten, Berliner Schüler seien nicht ausbildungsfähig. Dank des Projekts sind eine Reihe von Ausbildungsverträgen geschlossen worden.

Meist sind die kooperierenden Betriebe in der Nähe der Schulen. Die Schüler sollen den jeweiligen Bezirk als Wirtschaftsstandort kennen und nutzen lernen. Die Kooperationsprojekte werden individuell in gegenseitiger Absprache organisiert. Praktisch kann das Projekt also sehr unterschiedlich aussehen: Ein Beispiel wäre ein Projekttag mit Auszubildenden des Betriebs in der Schule. Betriebsangehörige werden in den Unterricht einbezogen. Besonders wichtig ist der IHK aber, dass Betriebe als Lernorte genutzt werden. Durch den gegenseitigen Austausch wird Schulunterricht realitätsbezogener. Die Betriebe helfen den Schülern auch, sich auf dem Arbeitsmarkt zurecht zu finden. dma

Mehr unter www.berlin.ihk24.de

HERTIE-STIFTUNG

„Viel zu lange“, findet Roland Kaehlbrandt, der Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, habe man sich in Deutschland „mit dem Thema Zuwanderung nur aus der Problemsicht befasst“. Um auch die positiven Effekte der Immigration zu beleuchten, hat seine Stiftung im Jahr 2001 das Förderprogramm START ins Leben gerufen. Dank der positiven Resonanz wurde das Projekt von Hessen aus auf neun weitere Bundesländer übertragen. Etliche Gemeinden, Institutionen, Stiftungen und auch die Berliner Bildungsverwaltung gehören inzwischen zu den Unterstützern. Gefördert werden junge Zuwanderer im Alter von 14 bis 18 Jahren, die neben hervorragenden schulischen Leistungen besonderes gesellschaftliches Engagement nachweisen können und aus bedürftigen Einwandererfamilien stammen. Klar bekennt sich die Hertie-Stiftung dabei zur Maxime: „Unsere Gesellschaft ist eine Zuwanderungsgesellschaft.“

Den Stipendiaten wird ein Jahr lang ein Computer mit Internet-Anschluss zur Verfügung gestellt, zusätzlich erhalten sie 100 Euro im Monat für die Anschaffung von Büchern und anderen schulischen Hilfsmitteln. Dreh- und Angelpunkt der Förderung aber sind schulbegleitende Fortbildungsveranstaltungen: Im Rahmen von Bildungsseminaren, Sommerakademien, Exkursionen sowie der Kooperation mit Hochschulen und dem Aufbau von Netzwerken sollen die Stipendiaten ihre Chancen für den Berufseinstieg verbessern. müh

Mehr unter www.start.ghst.de

ROBERT-BOSCH-STIFTUNG

„Bei uns hat Bildungsförderung eine lange Tradition“, sagt Stephanie Hüther von der Robert-Bosch-Stiftung. Seit mehr als 40 Jahren engagiert sich die Stiftung mit einer Vielzahl von Bildungs- und Schulprojekten in mehreren Bundesländern. Sie hat etwa dabei geholfen, Projektarbeit in Schulen als anerkannte Alternative zum Frontalunterricht zu etablieren. Schulqualität will die Stiftung verbessern, indem sie Lehrern Teamfähigkeit vermittelt. Das Programm „Reformzeit“ hilft, Unterricht individueller zu gestalten. Ein neuer Pädagogik-Ansatz soll zum „Verständnisintensiven Lernen“ führen. Das Programm „NaT-Working“ versucht, Schüler neugierig auf Naturwissenschaften und Technik zu machen.

Bei vielen der Programme setzt die Stiftung darauf, dass Schulen voneinander lernen. So auch beim „Deutschen Schulpreis“, der in diesem Jahr erstmals an fünf Schulen vergeben wird. Dabei arbeitet die Robert-Bosch-Stiftung mit der Heidehof-Stiftung, dem Nachrichtenmagazin Stern und dem ZDF zusammen. „Der Preis ist eine Essenz aus allem, was wir in den vergangenen 40 Jahren erprobt haben“, sagt Hüther.

Fünf Preisträgerschulen werden im Dezember insgesamt 90 000 Euro erhalten. „Wir wollen nicht Eliteschulen auszeichnen, sondern gute Projekte, die unter schwierigen Bedingungen entstehen“, sagt Stephanie Hüther. Die Preisträger sollen 2007 in einer neuen „Schulentwicklungsakademie“ der Stiftung zusammenkommen. dma

Mehr unter www.bosch-stiftung.de

BERTELSMANN-STIFTUNG

Voneinander lernen und Schule „von unten“ stärken – das ist das Ziel des „Netzwerks innovativer Schulen in Deutschland“ (NIS) der Bertelsmann-Stiftung. Die 1998 gegründete Initiative will zukunftsweisende Ideen und Reformansätze einzelner Schulen bekannt machen, damit möglichst viele Bildungseinrichtungen davon profitieren.

So können Lehrer und andere Interessierte die Internetdatenbank des Netzwerks nach kreativen Schulprojekten in ganz Deutschland durchforsten und untereinander Kontakt aufnehmen. In einer so genannten „Toolbox“ bieten Netzwerkschulen Materialien und Arbeitshilfen für innovativen Unterricht sowie Personal- und Organisationsentwicklung zum Download an. Außerdem werden in regelmäßigen Veranstaltungen gelungene Beispiele aus der schulischen Praxis vorgestellt.

Seit 2004 wird die Arbeit des Netzwerks durch einen weiteren Schwerpunkt ergänzt: Qualitätsentwicklung. Interessierten Schulen stellt die Stiftung zahlreiche Instrumente zur Verfügung, mit deren Hilfe sie ihre eigenen Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen realistisch einschätzen können – etwa in Form von wissenschaftlich geprüften Evaluationsbögen oder Anregungen für ein übersichtliches Berichtswesen. Denn nur wer über den eigenen Tellerrand schaut, so die Devise der Bertelsmann-Netzwerker, kann selbst besser werden.sizo

Mehr über NIS und die zahlreichen anderen Schulprojekte der Stiftung unter www.bertelsmann-stiftung.de

MIKADO AG

Computerprobleme, Programme, die sich nicht installieren lassen, Serverfehler – darum brauchen sich 25 Berliner Schulen keine Sorgen zu machen. Sie werden von Auszubildenden der Berliner IT-Firma Mikado betreut – im Rahmen des „100-Schulen-Programms“. In den nächsten drei Jahren sollen weitere 90 Schulen von Auszubildenden betreut werden.

„Mikado junior“ nennt sich der Firmenzweig, der von Sponsoren finanziert wird. Die Spenden sichern beides: die Ausbildungsplätze des Berliner IT-Diensleisters und das Projekt selbst. Zum Start des neuen Programms spendeten die Investitionsbank Berlin und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammen 10 000 Euro. Zur Ausstattung steuerte die KfW 150 Flachbildschirme bei, die AOK spendierte 1000 PCs. Mit diesen Computern können mehr als 60 Berliner Schulen modernisiert werden.

Die Mikado-Auszubildenden, künftige Fachinformatiker für Systemintegration, betreuen die Schulen nach einer bestimmten Zeit selbstständig, bauen PCs auf und kümmern sich um die Fehlerbeseitigung. „Sie sammeln in den Schulen Kundenerfahrungen, stärken also soziale und Kommunikationsfähigkeiten“, sagt Ausbildungsleiter Jürgen Heilmann. Technisches Interesse besäßen ja alle, aber beim kundengerechten Auftreten und Erklären technischer Sachverhalte hapere es häufig. „Mikado junior“ bietet den Schulen jeweils 50 Stunden Betreuung, damit sind sie etwa ein Jahr versorgt. gar

Mehr unter www.mikado.de

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